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Kony „berühmt wie George Clooney“?

Geht es nach der Organisation Invisible Children soll der ugandische Rebellenführer Joseph Kony so berühmt werden wie George Clooney - doch nicht um den „Sprecher Gottes“, wie sich der Afrikaner selbst nennt, zu feiern, sondern um ihn vor Gericht zu bringen. Mit einem YouTube-Video sind die Initiatoren der Kampagne „Kony 2012“ ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen, denn dieses entwickelte sich seit Montag zu einem Internetphänomen.

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Im Kurznachrichtendienst Twitter war das Stichwort „#stopkony“ zuletzt eines der am häufigsten benutzten. Der Kampagne schlossen sich mehrere Prominente in den USA an, unter ihnen Popstar Rihanna und die Schauspielerin Zooey Deschanel. Der Rapmusiker Sean „Diddy“ Combs schrieb auf Twitter: „Lieber Joseph Kony, ich werde dabei helfen, dich berühmt zu machen. Wir werden dich stoppen.“

Gratulationen aus dem Weißen Haus

Auch das Büro von US-Präsident Barack Obama befürwortet die Kampagne. Man gratuliere den Hunderttausenden Amerikanern, die das Video weiterverbreiten und so zur Bewusstseinsbildung beitragen, so Jay Carney, Pressesprecher des Weißen Hauses.

Ziel der von Invisible Children gestarteten Kampagne ist es, Kony vor Gericht zu bringen. Der Ugander ist der Befehlshaber der Lord’s Resistance Army (LRA, Widerstandsarmee des Herrn). Ursprünglich wurde sie gegründet, um für die Interessen der nordugandischen Volksgruppe der Acholi zu kämpfen, heute gilt sie als eine der brutalsten Rebellengruppen der Welt.

Als Kriegsverbrecher gesucht

Kony wird vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht - darunter Mord, Vergewaltigung und Zwangsrekrutierung von Kindern. Ende 2011 entsandten die USA rund hundert Soldaten nach Zentralafrika, um die dort gegen die Rebellen kämpfenden Streitkräfte zu unterstützen.

Jason Russell und Laren Poole, zwei amerikanische Filmemacher und Gründer der Non-Profit-Organisation Invisible Children, versuchen mit ihrer Kampagne, Druck auf die politisch Verantwortlichen aufzubauen und damit die Festnahme und Verurteilung des Rebellenführers zu beschleunigen.

Kritische Stimmen aus Uganda

Doch parallel zum Bekanntheitsgrad der Kampagne mehrte sich auch die Kritik an der Organisation. Wie die britische Tageszeitung „Telegraph“ berichtete, werden vor allem in Uganda immer mehr Stimmen laut, die befürchten, dass das Video sich als Bumerang entwickeln könnte.

„Was das Video aussagt, ist völlig falsch, und es kann uns mehr Probleme bringen“, sagte Beatrice Mpora, Leiterin einer Gesundheitsorganisation in Gulu, einer ehemaligen Rebellenhochburg in Uganda. Nicht ein einziges LRA-Mitglied habe sich seit 2006 in der Stadt blicken lassen. „Bei uns ist jetzt alles friedlich. Menschen sind in ihre Häuser zurückgekehrt, bepflanzen ihre Felder und starten neue Geschäfte. Dabei sollten uns die Menschen helfen“.

Gegenteiliger Effekt befürchtet

Auch, dass die Kampagne „Kony 2012“ eine Militärintervention der USA in Uganda in Kauf nehmen würde, um den Rebellenführer zu fangen, erregt die Gemüter in Uganda. „Nahezulegen, dass die Antwort eine Militärintervention sein könnte, ist falsch“, schrieb etwa Javie Ssozi, ein einflussreicher Blogger aus Uganda. „Haben sie (Invisible Children, Anm.) an die Konsequenzen gedacht? Wenn Kony ‚berühmt‘ wird, könnte er dadurch noch stärker werden.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass er bei einer drohenden US-Intervention in die Offensive gehen könnte und noch mehr Kinder für seine Armee verschleppen könnte, so Ssozi.

Die ugandische Journalistin Rosebell Kaqumire, die sich auf Friedens- und Kriegsberichterstattung spezialisiert hat, äußerte sich gegenüber dem „Telegraph“ ebenso kritisch. Das Video zeichne ein Bild von Uganda, das seit mehreren Jahren nicht mehr der Realität entspreche.

Unterstützung für Museveni

Vor allem heißt es aber, dass die Internetoffensive dem Präsidenten Yoweri Museveni in die Hände spiele und damit indirekt Menschenrechtsverletzungen in Kauf nehme. Dieser ist schon seit 1986 an der Macht und hat nicht die Absicht, in naher Zukunft abzutreten - und konnte in seiner Amtszeit lange nichts gegen Kony und dessen Schergen ausrichten. Der Staatschef geht hart gegen jede oppositionelle Bewegung vor und lässt Homosexuelle verfolgen. Sein Name wird in dem Videoclip nicht einmal erwähnt.

Ebenfalls kritisiert wird der Umgang mit den für Uganda lukrierten Spenden, wie n-tv berichtete. Demnach würde nur ein Bruchteil des Geldes für wohltätige Zwecke in Afrika ausgegeben. Nach eigenen Angaben sind es derzeit 37 Prozent. Der Rest fließt in die Öffentlichkeitsarbeit, die Filmproduktionen und die Gehälter der Mitarbeiter von Invisible Children.

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