Themenüberblick

Mahnende Worte quer durch die Lager

Am 101. Frauentag haben sich zahlreiche Parteienvertreter und Organisationen mit den unterschiedlichsten Themenbereichen zu Wort gemeldet. ÖAAB-Bundesobfrau und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) etwa forderte am Donnerstag unter anderem mehr Väterbeteiligung. Die Grünen machten im Parlament mit grünen T-Shirts auf ihre Forderungen aufmerksam.

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„Karenzzeiten werden noch nicht in allen Kollektivverträgen bei der Gehaltsvorrückung berücksichtigt. Das ist ungerecht und vermindert das Einkommen von Frauen ein Leben lang“, so Mikl-Leitner in einer Aussendung. Sie pocht auch auf „Anreize“ für Väter, die Karenz- und Kinderbetreuungszeiten zu nutzen.

„Korruption ist männlich“

Einen interessanten Zugang als Argument für einen höheren Frauenanteil in der Chefetage wählte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter: „Korruption ist eindeutig männlich, ob BUWOG, Eurofighter oder Telekom, Frauen sind kaum bis gar nicht an kriminellen Machenschaften und korrupten Handlungen beteiligt.“ Die Forderung, mehr Frauen in die Vorstandsetagen und Geschäftsführungen zu berufen, sei deshalb ein „logische Folge“, so Kräuter in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Grüne in Grün

Eine Frauenquote für Führungspositionen, ein „Papamonat“, Halbe-halbe und mehr Chefinnen - diese vier Forderungen fanden sich auf den grünen T-Shirts der Abgeordneten. „Ich hoffe, es braucht nicht noch einmal 100 Jahre, es wird Zeit, dass wir Maßnahmen umsetzen“, sagte Frauensprecherin Judith Schwentner gegenüber Journalistinnen.

Der gesamte grüne Parlamentsklub fand sich kurz vor der Nationalratssitzung im historischen Sitzungssaal ein, gekleidet in den T-Shirts mit den Forderungen. Schwentner präzisierte: „Es ist gut, dass aus der EU bei der Quote für Aufsichtsräte ein Signal kommt. Besser wäre es aber, wenn es auch die Vorstände betreffen würde, denn dort wird entschieden.“ Sie sprach sich für die Einführung einer verpflichtenden Quote - diese sollte bei 50 Prozent liegen, wobei auch 40 Prozent im Aufsichtsrat ein Schritt wären - und Sanktionen aus.

Umgesetzt werden könnte diese Quote aus ihrer Sicht sofort. „Nur die Wirtschaft blockiert“, meinte die Mandatarin. Offenbar habe es sich noch nicht herumgesprochen, dass sich ein höherer Frauenanteil in der Führungsetage für Unternehmen lohne. Auch wirkten noch immer die Männernetzwerke, sagte sie.

Ärztekammer: Zu wenige Frauen an Spitze

Die Ärztekammer vermisst Frauen in Spitzenfunktionen im Gesundheitsbereich. „Um hier eine Trendumkehr zu beginnen und Frauen zu motivieren, sich dieser Aufgabe zu stellen und ihnen überhaupt die Möglichkeit zu geben, Führungspositionen zu bekleiden, wird die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre sein, Familienfreundlichkeit als Teil der Unternehmensstruktur in Spitälern zu verstehen“, so ÄK-Präsident Walter Dorner. Dazu würde Kinderbetreuung im Krankenhaus gehören, ebenso eine stärkere Väterbeteiligung.

Einkommensschere und „gläserne Decke“

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) thematisierte die Einkommensschere. „Von 300 möglichen Lehrberufen wählen Mädchen in der Regel immer nur die gleichen drei: Friseurin, Sekretärin oder Verkäuferin. Das sind 297 Chancen, die sie nicht nützen. Die Einkommensschere entsteht damit schon in der Lehrzeit“, stellte der ÖGJ-Vorsitzende Jürgen Michlmayr fest.

Frauenschwerpunkt im ORF

Auch der ORF trägt dem Frauentag Rechnung. Auffälligste Maßnahme: Alle ZIB-Ausgaben und Infomagazine werden ausnahmslos von Frauen moderiert - mehr dazu in programm.ORF.at.

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) machte am Frauentag auf die „gläserne Decke“ im Hochschulsystem aufmerksam. Frauenförderung werde zwar großgeschrieben, Früchte trage diese aber bisher kaum. „Auf den Universitäten beispielsweise liegt der Frauenanteil bei den Studierenden bei 53,1 Prozent. Professorinnen machen hingegen nur mehr 20,6 Prozent aus, Rektorinnen gibt es überhaupt nur vier“, so Angelika Gruber vom ÖH-Vorsitzteam. Die „gläserne Decke“ müsse endlich gesprengt werden, forderte die ÖH daher.

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