Schockierender Bericht
Auf Schiffen des Kreuzfahrtunternehmens Costa sollen Besatzungsmitglieder laut der italienischen „Stampa“ (Donnerstag-Ausgabe) regelmäßig wilde Partys mit übermäßigem Alkohol- und Drogenkonsum gefeiert haben. Die Zeitung zitierte dabei aus Unterlagen der Ermittlungen zur Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ vor der italienischen Küste.
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„Die Offiziere und Besatzungsmitglieder waren sehr oft betrunken“, sagte demnach ein Besatzungsmitglied, das 2010 zwei Monate lang auf der „Costa Concordia“ arbeitete. „Wir haben uns auf den Partys oft gefragt: ‚Wer würde das Schiff retten, wenn es einen Notfall gibt?‘“, sagte die Frau laut „La Stampa“. Auch gab sie an, von einem Besatzungsmitglied sexuell belästigt worden zu sein, das „vollkommen auf Drogen“ gewesen sei.
„Korruption, Drogen und Prostitution“
Eine Frau, die 2010 unter „Costa Concordia“-Kapitän Francesco Schettino arbeitete, als dieser noch auf der „Costa Atlantica“ eingesetzt war, sagte aus, sie habe „Korruption, Drogen und Prostitution“ gesehen. „Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie Offiziere Kokain zu sich genommen haben.“ Costa Crociere fährt nach eigenen Angaben einen strikten Anti-Drogen-Kurs und testet Besatzungsmitglieder regelmäßig auf Drogenmissbrauch.
Ein Test, dem sich Schettino nach dem „Costa Concordia“-Unglück unterziehen musste, zeigte, dass der Kapitän zum Unglückszeitpunkt keine Drogen zu sich genommen hatte. Es konnte aber ein früherer Kokainkonsum nachgewiesen werden. Die „Costa Concordia“ war Mitte Jänner vor der italienischen Toskana-Küste auf einen Felsen aufgelaufen und gekentert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen.
Erste Vorverhandlung am Samstag
Gegen Schettino läuft ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung, Schiffbruchs und des vorzeitigen Verlassens des Schiffs. Zudem wird gegen acht weitere mutmaßliche Verantwortliche ermittelt, unter ihnen drei Mitarbeiter von Costa Crociere. Die erste Vorverhandlung dazu ist für Samstag angesetzt. Weil zur Teilnnahme alle 4.200 Passagiere und Crewmitglieder der „Concordia“ - darunter 77 Österreicher - eingeladen sind, wurde dafür das Theater der toskanischen Stadt Grosseto reserviert.
Auf der Anklagebank werden Schettino, Vizekapitän Ciro Ambrosio und drei weitere Offiziere der „Costa Concordia“ Platz nehmen. Wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung drohen Schettino 15 Jahre Haft pro Todesopfer. Bisher wurden 25 Tote gefunden, weitere sieben Personen werden offiziell noch vermisst. Für Schiffbruch beträgt der Strafrahmen zehn Jahre Haft. Dazu drohen Haftstrafen wegen der Passagiere, die an Bord angeblich sich selbst überlassen wurden.
Ermittlungen auch gegen Österreicher
Die Staatsanwälte von Grosseto fordern die Verhaftung des unter Hausarrest stehenden Kapitäns. Ermittlungen laufen auch gegen den österreichischen Vizepräsidenten der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, den Betreiber des verunglückten Schiffes, gegen den Chef des Krisenstabs der „Costa Concordia“, Roberto Ferrarini, und gegen Flotteninspekteur Paolo Parodi.
Ihnen werden Mängel bei der Koordinierung der Rettungsaktion an Bord des Schiffes vorgeworfen. Der gebürtige Oberösterreicher soll Kapitän Schettino „keine angemessenen Lösungen“ bei der Bewältigung des Notstands vorgeschlagen haben, verlautete aus toskanischen Justizkreisen. Er habe außerdem die Hafenbehörde in der toskanischen Stadt Livorno nicht klar über die Zustände an Bord informiert.
Ankläger kündigen „gesamtes Beweismaterial“ an
Bei dem Termin am Samstag geht es um die Aufnahme von Beweisen im Vorfeld der Hauptverhandlung. An der Anhörung nehmen Untersuchungsrichter, Staatsanwalt, die Angeklagten und deren Verteidiger sowie Vertreter der zu Schaden gekommenen Parteien teil. „Wir wollen das gesamte Beweismaterial über die Ereignisse auf der Kommandobrücke vor und nach der Havarie vorlegen“, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Francesco Verusio.
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