Erneut Dutzende Tote
Wegen der Gewalt des syrischen Regimes gegen Demonstranten setzen sich nach türkischen Angaben immer mehr Soldaten von der Armee ab. Inzwischen seien schätzungsweise 40.000 Armeeangehörige desertiert, zitierten türkische Medien am Samstag den türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu.
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Die Türkei steht in engem Kontakt zu den Aufständischen in Syrien und hat politischen Vertretern der Opposition und desertierten Offizieren Unterschlupf gewährt. Davutoglu berät in den kommenden Tagen mit US-Politikern über das weitere Vorgehen, nachdem eine Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat gescheitert ist. Er forderte bei seinem US-Besuch mehr internationale Hilfe für die Zivilisten in Syrien.

Reuters/Handout
Eine Gruppe von Deserteuren nahe der syrischen Stadt Idlib
Arabische Liga tagt in Kairo
Gespräche über die weitere Vorgangsweise hat am Samstag auch die Arabische Liga angekündigt. Bereits am Sonntag soll in Kairo laut Diplomatenangaben die Schaffung der sogenannten Kontaktgruppe der Freunde Syriens angestoßen werden. Ziel der Gruppe soll es demnach sein, angesichts der blutigen Niederschlagung der Proteste den Druck auf die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad zu erhöhen, internationale Unterstützung für die Pläne der Arabischen Liga zu zeigen sowie die Zusammenarbeit mit der syrischen Opposition zu intensivieren.
Beraten müssen die Arabischen Staaten außerdem über die Zukunft ihrer Beobachtermission. Der im Dezember begonnene Einsatz hatte die Angriffe des Militärs auf die Zivilbevölkerung nicht beenden können. Nachgedacht wird nun über eine gemeinsame Mission mit den Vereinten Nationen (UNO) und die Ernennung eines Sondergesandten für Syrien.
Russland auch gegen saudischen Vorstoß
Zudem soll es bei den Beratungen auch um ein Dokument gehen, dass Saudi-Arabien nach dem Scheitern einer Resolution im Weltsicherheitsrat der UNO-Vollversammlung vorlegen will. Wie der US-Fernsehsender CNN am Freitagabend berichtete, wird in dem dreiseitigen Papier die Verletzung von Menschenrechten durch das syrische Regime scharf verurteilt.
Die Vollversammlung kann zwar offiziell Verurteilungen aussprechen, sie haben aber rein symbolischen Charakter. Dennoch lehnt die UNO-Vetomacht Russland eine Diskussion über den saudi-arabischen Entwurf ab. „Wir können eine Übertragung der Syrien-Frage mit demselben unausgewogenen Inhalt eines Resolutionsentwurfs in die UNO-Vollversammlung nicht unterstützen“, schrieb Vizeaußenminister Gennadi Gatilow beim Kurznachrichtendienst Twitter.
Weiter schwere Gefechte
Vor dem Treffen der Arabischen Liga sind in vielen Regionen Syriens neue Kämpfe zwischen Regimetruppen und der Opposition ausgebrochen. Die Zentren des Protests standen am Samstag weiter unter Beschuss. Erneut betroffen war die Protesthochburg Homs, wo nach Angaben aus Oppositionskreisen erneut die meisten Todesopfer zu beklagen waren. Landesweit soll es am Samstag unbestätigten Berichten zufolge mindestens 46 Tote gegeben haben.
Medienblockade
Vom syrischen Regime wurde bereits vor Monaten eine Medienblockade verhängt. Aus diesem Grund ist eine unabhängige Überprüfung der Berichte derzeit kaum möglich.
Berichtet wurde zudem von schweren Gefechten zwischen Regierungstruppen und Deserteuren nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus. Auch aus al-Kusair an der syrisch-libanesischen Grenze wurden Kämpfe gemeldet. In Damaskus wurde zudem ein hochrangiger Offizier erschossen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichtete, lauerten „Terroristen“ dem Brigadegeneral Issa al-Choli vor seinem Haus auf und töteten ihn. Choli war Leiter des Hamisch-Krankenhauses.
Scharfschützen in Aleppo
Am Freitag waren bei einem Doppelanschlag in der nördlichen Stadt Aleppo 28 Menschen ums Leben gekommen. Während die staatlichen Medien „terroristische Gruppen“ für die Anschläge in der bis dato von den Unruhen weitgehend verschonten Stadt verantwortlich machten, beschuldigte die Opposition das Regime um Assad, hinter der Tat zu stecken. Laut einem Augenzeugenbericht sollen am Samstag Panzer und Scharfschützen in der Stadt positioniert worden sein.
Waffenstillstand in Sabadani
Nach einwöchigem Beschuss vereinbarte die syrische Armee Angaben der Opposition zufolge in der Grenzstadt Sabadani einen Waffenstillstand. Die Rebellen könnten unter der Vereinbarung die Stadt verlassen, sagte der im Exil lebende Oppositionsführer Kamal al-Labwani am Samstag. Sie müssen demnach aber ihre Waffen aushändigen und Geschütze zurückgeben, die sie von den Truppen erobert haben. „Es war im Interesse beider Seiten, ein Blutbad zu vermeiden.“
Die Armee hat Sabadani an der Grenze zum Libanon eine Woche lang mit schwerer Artillerie und Panzern beschossen. In der Stadt leben 20.000 Menschen. Allein am Samstag seien drei Menschen getötet worden, berichtete eine syrische Menschenrechtsgruppe.
Geschmuggelte Waffen aus dem Irak
Aus dem Irak drangen unterdessen nach Regierungsangaben in Bagdad gewaltbereite Islamisten nach Syrien ein. „Wir haben Informationen der Geheimdienste, wonach eine gewisse Zahl irakischer Dschihadisten nach Syrien gefahren ist“, sagte der stellvertretende irakische Innenminister Adan al-Assadi am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad.
Zudem gebe es einen regen Waffenschmuggel nach Syrien. Die Waffen würden überwiegend von Bagdad aus in die nördliche Provinz Niniwe gebracht und dort von Familienclans auf beiden Grenzseiten nach Syrien geschmuggelt. Dort gingen sie dann weiter an die syrische Opposition.
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