Druck aus Öffentlichkeit
Die anhaltende eisige Kältewelle verursacht bei den Notschlafstellen einen enormen Ansturm. Bei Temperaturen von stellenweise unter minus 20 Grad wird die Suche nach einem warmen Schlafplatz für Obdachlose zur Überlebensfrage. In Wien wurde deshalb bereits ein neues Notschlafquartier eröffnet. Auch die ÖBB erklärten sich bereit, bei Bedarf beheizte Räume zur Verfügung zu stellen.
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Man habe den Sozialeinrichtungen elf Standorte in ganz Österreich genannt, die man in der Nacht für Obdachlose aufsperren könnte, heißt es vonseiten der ÖBB zu ORF.at. Dabei handelt es sich vor allem um Verwaltungsgebäude - denn die Bahnhöfe selbst seien nicht beheizt, so die Pressesprecherin. In Wien, Wr. Neustadt, Linz, St. Pölten, Graz, Salzburg und Innsbruck soll es dann für Obdachlose möglich sein, einen warmen Schlafplatz zu finden.
Mitarbeiter dürfen Hilfesuchende nicht abweisen
Der Schritt passierte in Abstimmung mit den größten Sozialeinrichtungen des Landes. Die Unterkünfte werden zur Verfügung gestellt, sobald diese einen Bedarf anmelden. Derzeit sei das aber noch nicht der Fall gewesen, weil die Einrichtungen selbst ihre Bettenzahl bereits aufgestockt haben. Abgesehen davon wies der Konzern seine Mitarbeiter an den Bahnhöfen an, keine notleidenden Menschen abzuweisen.
Im Sozialen Netzwerk Facebook hatte sich davor eine eigens eingerichtete Gruppe für diesen Schritt starkgemacht und innerhalb kürzester Zeit Tausende Befürworter gefunden.

Screenshot www.facebook.com
Großen Zuspruch fand die ÖBB-Entscheidung auf Facebook, wo Tausende einen solchen Schritt gefordert hatten
Für Wiener Linien kein Thema
Bei den Wiener Linien ist eine ähnliche Hilfsinitiative nicht geplant. Einerseits gebe es genügend Notschlafstellen, sagte der Pressesprecher gegenüber ORF.at. Auf der anderen Seite seien U-Bahn-Stationen kein Ort, den man zu solchen Zwecken nützen könnte, ohne ein Sicherheitsrisiko einzugehen, lautete die Begründung. In der Nacht fänden unter der Woche zum Teil Wartungsarbeiten und Überstellungsfahrten statt. Zudem seien die Sicherheitsbedenken zu groß, da Schienen unter Strom stünden.
Notquartiere in ganz Österreich rüsten auf
In den bestehenden Notschlafquartieren sorgt die tagelange Kälte für einen Ansturm. Mit dem „Winternotquartier Lacknergasse“ wurden deshalb in Wien nun die Notschlafstellen aufgestockt. Mehr als hundert Freiwillige wollen dort helfen. Neben einem Schlafplatz gibt es auch warmes Essen, Duschmöglichkeiten und saubere Kleidung - mehr dazu in wien.ORF.at.
Auch in Oberösterreich rüstet sich der Verein B37 und die Caritas für die ernste Situation, in Linz gibt es noch ausreichend freie Plätze - mehr dazu in ooe.ORF.at. Knapp wird der Platz hingegen in Salzburg, wo laut Auskunft der Caritas bereits fast alle Plätze belegt sind - mehr dazu in salzburg.ORF.at. Auch in der Steiermark gehen langsam die Notbetten aus. Die Vinziwerke brauchen dringend Bettwäsche und Schuhe, weggeschickt werde niemand, versichert Pfarrer Wolfgang Pucher - mehr dazu in steiermark.ORF.at.
Mehr als 200 Kältetote in Europa
Für Obdachlose wird die anhaltende Kältewelle in Europa immer dramatischer: Mehr als 200 Menschen starben bereits in dem russischen Kältehoch, die meisten der Opfer gibt es in der Ukraine und in Polen. Der Großteil von ihnen lebte auf der Straße. In Polen starben allein in der Nacht auf Freitag acht Menschen, in der Ukraine sind es seit dem Wochenende schon mehr als 100 Tote.
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