„Lähmung“ der Wirtschaft
Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht Norwegens Wirtschaft von einer Immobilienblase bedroht. Der überhitzte Markt sei eine Gefahr für den Bankensektor und das Wachstum der gesamten - ansonsten gesunden - Wirtschaft, erklärte der IWF. Immobilien in dem skandinavischen Land seien um 15 bis 20 Prozent überbewertet.
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Norwegen, in der weltweiten Finanzkrise ein Fluchtpunkt für Investoren aufgrund seines Ölreichtums, kämpft damit, den Druck auf den Häusermarkt einzudämmen, um nicht ebenfalls von der weltweiten Finanzkrise erfasst zu werden. „Ein Zusammenbruch der Immobilienpreise würde wohl mit einer Lähmung der wirtschaftlichen Aktivitäten und einer erhöhten Belastung für den Finanzsektor einhergehen, besonders weil die Hypothekenbelastung auf einem hohen Niveau liegt“, heißt es in dem Bericht.
Laut IWF sind die norwegischen Immobilienpreise um 15 bis 20 Prozent zu hoch bewertet, während das Verhältnis von Immobilienpreisen zu Einkommen um mehr als ein Viertel über dem langjährigen Durchschnitt liegt - und sogar höher als beim letzten Immobiliencrash in den frühen 1990er Jahren.
Haushalte völlig überschuldet
Häuserpreise werden, so die Schätzung des norwegischen Statistikamts, heuer doppelt so rasch steigen wie die Einkommen. Die Verschuldung der privaten Haushalte wird Schätzungen zufolge in diesem Jahr auf mehr als 200 Prozent des verfügbaren Einkommens steigen. Das ist doppelt so viel wie in Deutschland und um ein Drittel höher als in den USA vor dem Platzen der Blase.
„Die Haushalte haben keinen ausreichenden Puffer für den Fall eines Absturzes des Häuserpreises, was wiederum zu höheren Zahlungsausfällen führen und die Bilanzen der Banken unter Druck setzen könnte“, so der IWF.
Auch Finanzminister besorgt
Der norwegische Finanzminister Sigbjörn Johnsen äußerte sich angesichts des boomenden Ölsektors und steigender Industrieaufträge über die Wirtschaftsentwicklung zuversichtlich. Allerdings warnte auch er vor den Risiken der steigenden Immobilienpreise und der Verschuldung der Haushalte.
Das Hauptproblem des Landes ist sein wirtschaftlicher Erfolg: Ein riesiger Ölsektor, ein 435 Milliarden Euro schwerer Staatsfonds und keine Staatsschulden machten das Land gerade seit Ausbruch der Krise zu einem Anziehungspunkt für Investoren. Das zwang die norwegische Zentralbank dazu, den Leitzins extrem niedrig zu halten, damit die norwegische Krone nicht zu sehr aufgewertet wird, worunter die Exporte des Landes leiden würden.
Verschuldung steigt rasant
Nimmt man den Ölsektor aus, wird die norwegische Wirtschaft heuer laut IWF um 2,2 Prozent wachsen. Das liegt etwas unter der Herbstprognose, damals war noch mit 2,5 Prozent gerechnet worden. Zugleich ist die erwartete Konjunktur damit aber deutlich stärker als in der Euro-Zone (0,5 Prozent). Der Anstieg der Immobilienpreise erreichte im Dezember im Jahresvergleich mit 8,4 Prozent einen neuen Rekordwert. Zeitgleich stieg auch die Verschuldung der Haushalte um 7,3 Prozent - und damit deutlich stärker als die Einkommen.
Der IWF hat auch Lösungsvorschläge, um die Gefahr zu entschärfen: Norwegen müsse die Kreditvergabe deutlich verschärfen und die öffentlichen Ausgaben über 2012 hinaus zurückfahren, damit die Zentralbank den Leitzins - und damit den Hypothekarzinssatz - niedrig halten könne.
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