„Alle sind gegen ihn“
Bei den Ermittlungen rund um das Kreuzfahrtunglück vom 13. Jänner vor der toskanischen Insel Giglio haben die Behörden nun jene junge Frau aus Moldawien befragt, die bereits unmittelbar nach dem Unglück als Entlastungszeugin für Kapitän Francesco Schettino von sich reden gemacht hat.
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Mehr als fünf Stunden wurde die 25-Jährige Moldawierin Domnica Tschemortan über die Vorfälle während der Havarie befragt. Auch die Beziehung zu Schettino, in dessen Kabine offenbar Gepäckstücke der Frau gefunden wurden, war Thema der Befragung.

Reuters
Domnica Tschemortan wurde als Schlüsselzeugin mehrere Stunden verhört
„Ich war auf der Brücke“
Dabei bestätigten sich nicht nur Gerüchte, wonach Tschemortan zum Zeitpunkt des Unglücks tatsächlich auf der Brücke der „Costa Concordia“ war. Die 25-Jährige gestand laut der Tageszeitung „La Stampa“ auch, die Geliebte von Schettino zu sein. „Ja es stimmt, ich liebe Schettino“, wurde Tschemortan von der Zeitung zitiert. Sie sei allerdings keineswegs als blinde Passagierin an Bord gewesen, sondern regelkonform als Passagierin. Die Frau, die mehrere Jahre auf Kreuzfahrtschiffen der Reederei Costa Crociere gearbeitet haben soll, betonte zudem, mit „allen an Bord“ Tätigen befreundet zu sein und dass sich alle Besatzungsmitglieder professionell verhalten hätten.
Suchaktion gestoppt
Die „Costa Concordia“ war am 13. Jänner vor der Insel Giglio vor der toskanischen Küste auf einen Felsen aufgelaufen und halb untergegangen. Bisher wurden 17 Todesopfer geborgen, 15 werden noch vermisst. Die Suchaktionen im Inneren des Schiffs wurden aus Sorge um die Sicherheit der Taucher mittlerweile für beendet erklärt.
Den Angaben zufolge wollte sie an Bord der „Concordia“ ihren 25. Geburtstag feiern. Obwohl es aufgrund des nun bekanntgewordenen Naheverhältnisses wenig verwundert, dass Tschemortan Schettino verteidigt, wurden ihre Aussagen vom Oberstaatsanwalt der toskanischen Stadt Grosseto, Francesco Verusio, weiter als besonders wichtig bezeichnet. „Es gibt viele Zeugen, jeder hat seinen Standpunkt. Wir wollen herausfinden, was sich wirklich an Bord des Schiffes abgespielt hat“, kommentierte Verusio.
Schettino steht derzeit in seinem Haus an der Amalfi-Küste unter Hausarrest. Ihm und seinem ersten Offizier, Ciro Ambrosio, werden unter anderem vielfache fahrlässige Tötung und das vorzeitige Verlassen des Schiffs vorgeworfen.
Ermittlungen auch in Frankreich
Unterdessen hat die französische Staatsanwaltschaft nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP eigene Ermittlungen zum Kentern des italienischen Kreuzfahrtschiffes eingeleitet. Wie die Strafverfolgungsbehörde am Donnerstag mitteilte, wird sie sämtliche Überlebenden mit französischem Pass befragen lassen. Von den 4.229 Passagieren kamen 462 aus Frankreich. Vier von ihnen starben, zwei werden noch vermisst.
Mit den Ermittlungen will die französische Staatsanwaltschaft zur Aufklärung der Katastrophe beitragen und mögliche Versäumnisse bei den Evakuierungs- und Rettungsmaßnahmen identifizieren. Zudem soll das Ausmaß der verursachten finanziellen und psychischen Schäden evaluiert werden.
Bergegesellschaft gesucht
Costa Crociere hat inzwischen Kontakt zu zehn internationalen Gesellschaften aufgenommen, die das Wrack vollständig bergen sollen. Das berichtete der Chef des italienischen Krisenstabes, Franco Gabrielli. „Costa Crociere hat versichert, dass die Bergung die Umweltschutzkriterien voll erfüllen wird“, sagte Gabrielli bei einem Treffen mit den Bewohnern der Insel Giglio am Donnerstag.
Die ungefähr 1.000 Bewohner der Insel wollen eine finanzielle Entschädigung verlangen. Sie sehen die Zukunft der Insel als Touristenziel beeinträchtigt und erwarten Einbußen bei der Fischerei. Es sind bereits Möbel aus dem Wrack geschwemmt worden, die sich in Barrieren rund um die „Costa Concordia“ verfingen. Über mehrere Tage hinweg gelangten auch chemische Produkte, Spül- und Waschmittel ins Wasser.
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