Bildungsplattform stellt Forderungen
Als „Schulterschluss über ideologische Grenzen hinaus“ versteht sich die neue Plattform „Zukunft.Bildung“, die vergangene Woche in Wien präsentiert wurde. Sie wurde im Zuge des Bildungsvolksbegehrens, aber „nicht als Nachfolgeorganisation“ initiiert.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Vertreter von Industriellenvereinigung (IV), Caritas, Diakonie, Greenpeace, der Berufsgruppenvertretung Kindergarten- und HortpädagogInnen sowie Elternvertreter der mittleren und höheren bzw. Pflichtschulen wollen gemeinsam als überparteiliche, „mahnende Stimme“ auftreten und „Österreich zum Bildungsweltmeister machen“. Im Rahmen des ersten Schwerpunkts, der Elementarbildung (betrifft Vorschulen), fordern sie unisono Bundeskompetenz.
Derzeit seien Bildungseinrichtungen im Bereich der frühkindlichen Bildung mit „neun verschiedenen Landesgesetzen und 20 verschiedenen Gehaltskonzepten“ konfrontiert, so Raphaela Keller, Vorsitzende der Berufsgruppe der Kindergarten- und HortpädagogInnen, bei der Pressekonferenz.
Abkehr von „Sonntagsreden“ gefordert
„Der Fokus der Verbesserungen im Bildungsbereich muss auf elementaren Bildungseinrichtungen“ liegen, meinte Keller, die sich eine Abkehr von „Sonntagsreden“ der Politiker und klare Ansprechpartner auf Bundesebene wünscht. Im Rahmen einer Aufwertung des Berufsbildes der Elementarpädagogen fordert sie zudem ein neues Dienstrecht sowie die Umsetzung der neuen Pädagogenbildung. Schließlich brauchen „die besten PädagogInnen für die Basis der Bildung auch die besten Ressourcen“.
Als ersten Schritt will die Plattform bei einer „Bildungskonferenz“ im Herbst „Bewusstsein schaffen und Druck erzeugen“. In weiterer Folge sollen durch Allianzen mit politischen Entscheidungsträgern Reformen forciert und das „Fundament“ im Bildungsbereich neu aufgebaut werden. Erstmals ziehen Organisationen gemeinsam mit direkten Betroffenen an einem Strang, so der Obmann der Plattform, AHS-Lehrer Daniel Landau.
Zuerst die Jüngsten mehr fördern
Klare Bekenntnisse zu Streitthemen wie der gemeinsamen Schule findet man jedoch nicht unter den Forderungen, man könne ja bei einem Hausbau „auch nicht im ersten Stock beginnen“, sagte Landau. „Die strukturelle Frage gehört an den Schluss der Debatte. Erst müssen wir elementare Bildungseinrichtungen und die Volksschule stärken, wo die erste Begegnung eines Kindes mit institutionalisierter Bildung stattfindet.“
Sein Bruder, der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau, sieht die derzeitige öffentliche Diskussion „zu sehr auf die Mittel- und Oberstufe konzentriert“, man müsse „weg von idealen Sackgassenthemen“. Er fordert die Umwandlung von Kindergärten in „Early Excellence Centres“ für Kinder und Eltern und spricht sich für eine „Anpassung der Lehrpläne an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts“ aus.
„Hilfeschrei“ der Zivilgesellschaft
Vorsorge fordert auch IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Demografische Entwicklungen würden dazu führen, dass wir „weniger junge Menschen am Arbeitsmarkt haben werden“. Gerade deshalb sei ein Bildungssystem wichtig, das „die Qualitäten und Talente aller jungen Menschen fördert, erkennt und auch fordert“.
Einen ersten Partner aus der Politik hat die Plattform in den Grünen gefunden. In einer Aussendung begrüßt der grüne Bildungssprecher Harald Walser das „breite gesellschaftspolitische Bündnis“, das für eine „umfassende Bildungsreform dringend notwendig“ sei. Er sieht darin „einen Hilfeschrei der Zivilgesellschaft“, fordert aber eine Konkretisierung der Forderungen und ein Bekenntnis zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen.
Links: