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Schwere Vorwürfe an Peking

Nach den tödlichen Schüssen auf protestierende Tibeter in Südwestchina hat der exiltibetische Ministerpräsident Lobsang Sangay die internationale Beobachter gefordert. Die UNO solle unabhängige Beobachter entsenden, so Sangay, der nach seiner Wahl im August 2011 das politische Tagesgeschäft vom Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, übernommen hatte.

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Der Ministerpräsident der Regierung der Exiltibeter beklagte, es sei „wahllos“ geschossen worden. Sicherheitskräfte hatten in den vergangenen Tagen in Luhuo und Seda in der Präfektur Ganzi das Feuer auf protestierende Tibeter eröffnet.

„Systematische Unterdrückung“

„Wegen solch schrecklicher Taten und der systematischen Unterdrückung der Tibeter sind die Verbitterung und der Ärger unter den Tibetern gegenüber der chinesischen Regierung seit den großen Aufständen 2008 nur noch gestiegen“, so Sangay. Den Tibetern würden grundlegende Menschenrechte verweigert, so Sangay. Auch im Wirtschaftsleben seien Tibeter an den Rand gedrängt. Das größte Hochland der Erde sei von der Außenwelt abgeriegelt. Es herrsche ein offiziell nicht erklärter Ausnahmezustand.

An die Adresse Pekings sagte Sangay: „Durch Gewalt und Töten können die aufrichtigen Beschwerden der Tibeter nicht angegangen und die Stabilität in Tibet nicht wiederhergestellt werden.“ Sangay rief für den 8. Februar zu weltweiten Mahnwachen und friedlichen Solidaritätsdemonstrationen auf. An die Tibeter appellierte Sangay, auf Feiern zum tibetischen Neujahrsfest (Losar) am 22. Februar zu verzichten.

Weltweite Sympathien, aber keine Anerkennung

Sangay hatte im April 2011 bei einer Abstimmung unter Exiltibetern in aller Welt die meisten Stimmen erhalten. Der Völkerrechtsexperte hat nach dem Rückzug des Dalai Lama aus der Politik mehr Macht als sein Vorgänger Samdhong Rinpoche. Insgesamt ist die Macht der Exilregierung jedoch beschränkt. Trotz weltweiter Sympathien hat bisher kein Staat die Exilregierung als legitime Vertretung der Tibeter anerkannt.

Bei der Vereidigungszeremonie im August 2011 in einem Tempel in Dharamsala, an der auch der Dalai Lama teilnahm, versprach Sangay, die Widerstandsbewegung der Tibeter so lange fortzusetzen, „bis in Tibet die Freiheit wiederhergestellt ist“. Die Exilregierung sei bereit, „zu jeder Zeit, an jedem Ort“ mit der chinesischen Regierung zu verhandeln, sagte Sangay. Gleichzeitig warf er der Regierung in Peking Kolonialismus vor.

Sangay wurde 1968 in einer tibetischen Siedlung im nordindischen Darjeeling geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Neu-Delhi und promovierte an der Eliteuniversität Harvard in den USA, wo er bis heute lebt. In Tibet selbst war er noch nie.

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