Islamisten rufen Krieg gegen Christen aus
Der Terror der radikal-islamischen Sekte Boko Haram im Norden Nigerias erreicht neue Ausmaße: Bei Anschlägen in der Stadt Kano dürften rund 250 Menschen getötet und viele verletzt worden sein. Die christliche Bevölkerungsgruppe fühlt sich im Stich gelassen und kündigte eine Massenflucht an.
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Bereits vor einem Monat setzte die Terrorgruppe Boko Haram den Christen eine letzte Frist, den vorwiegend von Muslimen bewohnten Bundesstaat Kano zu verlassen, erklärte Michael Idika, Präsident der Igbo-Organisation Ohanaeze Ndigbo in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der nigerianischen Zeitung „P.M. News“. Idika ist überzeugt, dass die Sekte ihren „Dschihad“ gegen Ausländer und Christen fortsetzen werde und dass weitere Anschläge nur eine Frage der Zeit seien.

Reuters
Explosion in einer Polizeistation in Kano
Mehrheit ist zur Flucht bereit
Sein Volk sei sehr verängstigt, schrieb Idika weiter. Nur wenige seien bereit, in Kano auszuharren und sich gegen die Terroristen zu verteidigen. Die Mehrheit - mehr als drei Millionen Menschen, darunter vor allem Frauen und Kinder - sei bereit, den Norden zu verlassen. Seine Organisation appelliert vor allem an die mehrheitlich von den Igbo bewohnten Staaten im Süden und Osten des Landes, Transportmittel und Sicherheitstruppen bereitzustellen, um eine Massenevakuierung durchführen zu können.
„Wir sind davon überzeugt, dass die islamistische Gruppe im Interesse einiger einflussreicher islamischer Prediger, regionaler Führer und skrupelloser Politiker handelt“, so Idika. Es stecke ein Plan dahinter, warum ausgerechnet Kirchen, Hotels und ausgesuchte Privathäuser bombardiert würden.
Kein Vertrauen in Polizei und Armee
Auch Afrika-Experte Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) erklärte im Onlineforum für Enwicklungspolitik (Epo.de), dass die Christen in Nigeria kein Vertrauen mehr in den Schutz durch Polizei und Armee hätten. Fast 300 Menschen seien seit dem Beginn der Terrorwelle zu Weihnachten ums Leben gekommen. Zehntausende Christen seien bereits geflohen.
Am Freitag wurden bei einer koordinierten Anschlagsserie Polizeistationen, Ämter, Kirchen und andere christliche Einrichtungen angegriffen. Augenzeugen berichteten von Chaos und Panik in vielen Teilen der Stadt. Bilder des nigerianischen Fernsehens zeigten brennende Häuser.
Wieder Explosionen in Kirchen
Von den Behörden wurde das Ausmaß der Attentate jedoch lange heruntergespielt. Während Ärzte und Mitarbeiter in Leichenschauhäusern bereits von vermutlich 250 Toten sprachen, lag die offizielle Opferbilanz am Sonntag immer noch bei 160 Toten. Bei einer Attacke auf eine Bank in der Stadt Tafawa Balewa dürften am Sonntag mindestens zehn weitere Menschen getötet worden sein. Auch in zwei christlichen Kirchen explodierten Sprengkörper. Verletzt wurde jedoch niemand.
Weitere Anschläge dürften offenbar in letzter Minute vereitelt worden sein. Fünf Mitglieder von Boko Haram wurden nach Angaben der Behörden am Sonntag in der Hafenstadt Port Harcourt im Süden Nigerias festgenommen. Die Männer hätten Sprengstoff mit sich geführt und vermutlich versucht, Anschläge auf Sicherheitseinrichtungen und Ölanlagen zu verüben, sagte ein Geheimdienstoffizier der Nachrichtenagentur dpa.
„Kampf gegen Regierung und Christen“
Die radikal-islamische Sekte bezeichnete die von ihr verübten Anschläge als „Vergeltungsmaßnahmen“ nach jüngsten Verhaftungen von Mitgliedern der Terrororganisation. „Unser Kampf richtet sich gegen die Regierung, die Sicherheitskräfte und den Verband der Christen in Nigeria, weil sie uns abgeschlachtet haben“, heißt es in der Stellungnahme des Boko-Haram-Führers Abubakar Shekau. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil und das Christentum strikt ab.
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