Boko Haram agiert vom Norden Nigerias
In der westafrikanischen Sprache Hausa bedeutet Boko Haram „Die westliche Lehre ist Sünde“. Entsprechend geht die islamische Sekte gegen alle westlichen Einflüsse und Christen vor. Die Gruppierung wurde 2002 von Mohammed Yussuf in Maiduguri, der Hauptstadt des nordostnigerianischen Bundesstaats Borno, gegründet.
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Wie in elf anderen islamisch geprägten Bundesstaaten im Norden Nigerias gilt auch in Borno die Scharia, das islamische Recht. Boko Haram verlangt in ganz Nigeria einen islamischen Gottesstaat. Die „nigerianischen Taliban“, wie sich die Islamisten auch nennen, machten erstmals 2004 mit einem Trainingslager „Afghanistan“ an der Grenze zum Nachbarland Niger auf sich aufmerksam.
Überregional bekannt wurde die Gruppe 2009 nach tagelangen Kämpfen mit nigerianischen Sicherheitskräften. Yussuf wurde festgenommen und erschossen. Erst 2011 begannen Ermittlungen gegen sieben Polizisten, denen Selbstjustiz nach der Festnahme des Sektengründers vorgeworfen wurde. Menschenrechtsgruppen prangerten damals an, dass Sicherheitskräfte mehrere Dutzend Boko-Haram-Mitglieder regelrecht hingerichtet hätten.
Exodus der Christen
Der Tod Yussufs löste eine bis heute andauernde Welle von Anschlägen auf Polizeistationen aus. Seit 2011 richten sich die Anschläge von Boko Haram zunehmend auch gegen die christliche Minderheit im Norden. Im Juli 2011 gab es aus der Stadt Maiduguri einen Exodus der Christen, nachdem dort innerhalb weniger Wochen 40 Menschen bei Anschlägen von Boko Haram gestorben waren.
Bei Sprengstoffanschlägen auf Kirchen kamen bereits zu Weihnachten 2010 mehr als 80 Gottesdienstbesucher ums Leben. Auch 2011 machte die Sekte mit Anschlägen zu den Weihnachtsfeiertagen auf sich aufmerksam.
Attacken auf Bierlokale
Im Sommer richteten sich die Anschläge wiederholt gegen Bierlokale. Dabei wurden Zivilisten attackiert, deren westlicher Lebensstil der Ideologie der Sekte widerspricht. Boko Haram lehnt Alkohol ab.
Im Jänner des Vorjahres kamen bei einer Reihe von Terroranschlägen der Gruppe auf mehrere Polizeistationen mehr als 190 Menschen ums Leben. Vermutet wird, dass die Sekte einen Teil ihrer Waffen aus Libyen bezog.
Der Kampf der Extremisten schürt die Spannungen zwischen dem islamischen Norden und dem christlichen Süden Nigerias. Schon seit Jahrzehnten leidet das Land an den ethnischen und religiösen Konflikten in dem Vielvölkerstaat. Präsident Goodluck Jonathan hatte zunächst den Dialog mit den Islamisten gesucht. Später betonte er jedoch, der Konflikt mit Boko Haram sei schlimmer als der Bürgerkrieg. Längst gehen die Sicherheitskräfte wieder mit aller Härte gegen die Terrorgruppe vor.
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