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Italien entgingen 2009 120 Milliarden Euro

Die Italiener haben einem Zeitungsbericht zufolge im Jahr 2009 schätzungsweise knapp 120 Milliarden Euro am Fiskus vorbeigeschleust. Das entspricht rund viermal dem Umfang des neu aufgelegten Sparprogramms des hoch verschuldeten Euro-Landes. Mit Jahresbeginn hat in Italien eine Aktion scharf gegen Steuersünder begonnen.

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Die Zeitung „La Repubblica“ berief sich am Donnerstag auf neue Berechnungen. In diesen sei anhand offizieller Daten aus dem vergangenen Jahr zurückgerechnet worden, berichtete das Blatt. In den meisten Fällen seien Einkommenssteuer und Umsatzsteuer hinterzogen worden, hieß es weiter. Die hinterzogene Steuer entspricht insgesamt knapp 30 Prozent der gesamten Einnahmen des italienischen Fiskus.

Behörden bekommen Kontoauszüge

Zunächst war davon ausgegangen worden, dass dem Staat im Jahr 2009 lediglich 100 Milliarden Euro an Abgaben vorenthalten worden waren. Italiens Ministerpräsident Mario Monti bemüht sich derzeit, das Land aus dem Schuldensumpf zu führen, und hat dabei Steuersündern den Kampf angesagt.

Die Regierung versucht nun jedenfalls, Steuersündern das Leben schwerzumachen. Seit 1. Jänner werden Konto- und Depotauszüge in regelmäßigen Abständen an die Steuerbehörden geschickt. Damit kann der Fiskus Widersprüche zwischen dem deklarierten Einkommen und den Beträgen auf den Bankkonten aufdecken. Dank eines verschärften Kampfes gegen die Steuerhinterziehung rechnet Italiens Finanz bis Ende 2011 mit Einnahmen in der Höhe von elf Milliarden Euro.

Razzia in Nobelskiort

Anfang Jänner stürmten 80 Beamte den noblen Wintersportort Cortina d’Ampezzon und nahmen Hoteliers, Restaurants sowie Besitzer von Villen und Luxusautos ins Visier. 42 von 251 Luxusautobesitzern meldeten ein Jahreseinkommen unter 30.000 Euro. 118 Geschäftsleute und Unternehmer wurden mehrstündigen Kontrollen unterzogen. Damit signalisieren die italienischen Finanzbehörden ihren Willen, mit verschärften Steuerkontrollen den leeren Staatskassen zusätzliche Einnahmen zu bescheren.

Unter dem Druck der massiven Kontrollen meldeten Restaurants in Cortina um 300 Prozent höhere Tageseinnahmen. Bei den Luxusgeschäften stiegen die gemeldeten Einkünfte sogar um 400 Prozent, berichteten italienische Medien.

Kritik an „Propagandaaktion“

Die Razzien in Cortina lösten kritische Reaktionen aus. Hoteliers und Unternehmen beklagten, dass die mehrstündigen Kontrollen der Steuerfahnder die Gäste der Ortschaft verschreckt hätten. Sie klagen über einen Ansehensverlust Cortinas, das zu den bekanntesten Urlaubsorten der Dolomiten zählt. Auch in Rom wurde die Aktion der Finanzbehörden kritisiert. Der Fraktionschef der Mitte-rechts-Partei Popolo della Liberta (PdL) in der Abgeordnetenkammer, Fabrizio Cicchitto, sprach von einer „propagandistischen Aktion“.

Experten warnen, dass die Maßnahmen eine Massenflucht von Kapital ins Ausland auslösen könnten. „Nachdem die Italiener infolge der von der Regierung Berlusconi 2009 beschlossenen Amnestie ihr illegal ins Ausland geführtes Vermögen in die Heimat zurückgebracht haben, kommt es jetzt zu einer Trendwende. Die wohlhabenden Italiener suchen nach Wegen, um ihr Vermögen wieder ins Ausland zu bringen. Man kann schon von einem wahren Kapital-Exodus in Richtung Schweiz sprechen“, schrieb die Mailänder Wirtschaftszeitung „Milano e Finanza“.

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