„‚Small is beautiful‘ funktioniert nicht“
Fiat-Chef Sergio Marchionne hat die Automesse in Detroit nicht nur zum Anlass genommen, um über die weitere gemeinsame Zukunft mit dem US-Konzern Chrysler zu fabulieren - aufhorchen ließ der italo-kanadische Manager auch mit weiteren Fusionsplänen.
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Notwendig sei das vor allem aufgrund der trüben wirtschaftlichen Aussichten in Europa, wo das Motto „Small is beatiful“ nicht mehr funktioniere, so Marchionne. Gleichzeitig formulierte er eine Kampfansage an die derzeit erfolgsverwöhnten Autobauer in Wolfsburg: „Ich glaube, man muss in puncto Größe ein zweites Volkswagen schaffen.“
Zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr als Ziel
Neben VW könne man mit Hilfe eines neuen Partners auch General Motors und Toyota die Stirn bieten, die laut Marchionne derzeit die drei einzigen Autokonzerne sind, die für den globalen Automarkt bereits effektiv genug aufgestellt seien. Erklärtes Ziel für einen „gesunden“ Konzern müsse es demnach sein, rund zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr herzustellen, wurde Marchionne von der italienischen Wirtschaftszeitung „IlSole24Ore“ zitiert. Und mit 4,2 Millionen verkauften Fahrzeugen (2010, Anm.) sind Fiat und Chrysler davon noch weit entfernt.

Reuters/Rebecca Cook
Überraschte in Detroit nicht nur mit neuem Look: Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne
Aus diesem Grund sei man „selbstverständlich“ auf der Suche nach einem Partner, wobei der Fiat-Chef allerdings noch keine möglichen Kandidaten nennen wollte. Dennoch deutet Medienberichten zufolge vieles auf eine italo-französische Kooperation hin, da PSA Peugeot Citroen bereits vor wenigen Jahren als Übernahmekandidat gehandelt wurde. Laut „Corriere della Sera“, der sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen beruft, soll Fiat in Frankreich bereits auf offene Ohren stoßen. Die Franzosen seien demnach bereit, Verhandlungen über eine Allianz zu starten.
Auch der Credit-Suisse-Analyst Arndt Ellinghorst kann einer Fiat-Peugeot-Kooperation durchaus etwas abgewinnen. Aufgrund ihrer großen Abhängigkeit vom europäischen Automarkt müssen beide Konzerne - neben Renault - 2012 wohl mit den größten Problemen rechnen, so Ellinghorst laut dem italienischen TV-Sender RAI. Nur durch eine Fusion könnten die Effizienz gesteigert und Kosten eingespart werden.
Hoffnungsmarkt Brasilien
Auch Marchionne geht mit gemischten Gefühlen in das neue Jahr. „Wenn es so weitergeht“, dürfte Fiat in Europa heuer bis zu 500.000 Fahrzeuge weniger verkaufen als prognostiziert. Einen ersten Dämpfer gebe es zudem in den USA, wo der Verkauf des Fiat 500 weit hinter den Erwartungen liege. Als großen Hoffnungsmarkt nannte Marchionne Brasilien, dessen Potenzial von Fiat bisher unterschätzt worden sei. Auch der in Detroit vorgestellte Dodge Dart soll nicht nur in den USA die Chrysler-Verkaufszahlen ankurbeln, sondern unter der Marke Fiat auch in Europa angeboten werden.

AP/Tony Ding
Soll als Fiat offenbar auch nach Europa: Detroit-Premiere Dodge Dart
Turin als Konzernstandort wackelt
Große Hoffnungen setzt Marchionne auf Chrysler, dessen Produktion in den USA nun weiter angekurbelt werden soll. Fiat hält mittlerweile 58,5 Prozent an Chrysler. Mit Hilfe der Italiener hat der drittgrößte US-Autokonzern die Insolvenz des Jahres 2009 hinter sich gelassen und schrieb zuletzt auch wieder schwarze Zahlen. Die Verkäufe gingen im vergangenen Jahr auf dem wichtigen Heimatmarkt um 26 Prozent auf 1,4 Millionen in die Höhe - damit wuchs Chrysler deutlich schneller als die größeren Rivalen GM und Ford.
Das US-Engagement von Fiat lässt allerdings in Italien zunehmend die Wogen hochgehen. Der Grund: Auch wenn die anvisierte Fusion mit Chrysler zuletzt aufgeschoben wurde und nun erst zwischen 2013 und 2015 über die Bühne gehen soll, könnte die Zentrale des italo-amerikanischen Autokonzerns künftig nicht in Turin, sondern in Detroit zu finden sein.
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