Ungarn nahm Gespräche mit IWF auf
Ungarn hat die Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über eine neue Kreditlinie gestern aufgenommen, bestätigte die ungarische Botschaft in Washington. Der für die IWF-Verhandlungen zuständige ressortfreie ungarische Minister Tamas Fellegi sei gestern mit IWF-Vertretern zusammengetroffen und soll am Donnerstag auch mit IWF-Chefin Christine Lagarde zusammentreffen, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI heute.
Premier Viktor Orban (Fidesz) hatte bereits tags davor angekündigt, dass das auf den Finanzmärkten unter starkem Druck geratene Ungarn „bedingungslos“ mit dem IWF über einen neuen Kredit verhandeln will. Orban zufolge hat Fellegi das Pouvoir jeden Kredit zu akzeptieren, der Ungarn hilft, sich über die Märkte zu finanzieren. Außerdem sei Ungarn bereit, ein bei den Gesprächen vereinbartes Programm umzusetzen, sagte Orban gestern.
Ungarns Außenminister Janos Martonyi betonte im ungarischen Fernsehen, dass über alles diskutiert werden könne. Das bedeute, dass „wir einen Blankoscheck ausgestellt haben und sagen, dass wir alles akzeptieren müssen“.
Zwischen zehn und 20 Mrd. nötig
Über das benötigte Kreditvolumen gibt es derzeit Schätzungen von zehn bis 20 Milliarden Euro. Ungarn, dessen Bonität mittlerweile von allen drei großen Ratingagentur auf Ramschniveau herabgestuft wurde, muss 2012 rund 14 Milliarden Euro refinanzieren, schätzen die UniCredit-Analysten. Für 2012 rechnen Experten mit einem Schrumpfen der ungarischen Wirtschaft um bis zu 1,5 Prozent. Dazu kommt, dass die Regierung nun ein um zehn Prozent höheres Budgetdefizit für 2011 als bisher geplant eingestanden hat, was die Lage weiter verschärfen dürfte.