Beinahe Kerker statt Karriere
Philippe Halsman war über Jahrzehnte einer der Starfotografen von „Life“. Seine „Jump Pictures”, bei denen er Politiker und Prominente beim Springen fotografierte, gelten als Klassiker der Fotografie. Doch zu seiner Karriere wäre es fast nicht gekommen. In Tirol wurde er im antisemitischen Klima der späten 20er Jahre für den Bergtod seines Vaters verantwortlich gemacht und ins Gefängnis gesperrt.
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1906 wurde er mit dem Namen Philipp Halsmann in Riga als Sohn einer jüdischen Familie geboren, er ging nach Dresden, um dort zu studieren. Gemeinsam mit seinem Vater, Morduch Halsman, einem angesehenen Zahnarzt, wollte er auf Urlaub in Tirol 1928 den Schwarzenstein besteigen. Der Vater kam aus nie geklärten Umständen ums Leben, sein Sohn wurde alsbald von den Einheimischen zum Vatermörder erklärt - ohne Beweise und ohne klares Motiv, wie Martin Pollack in seinem Buch „Anklage Vatermord“ den Kriminalfall eindrücklich nachzeichnet.
Zu zehn Jahren Kerker verurteilt
In einem antisemitisch aufgeheizten Klima und nach massiver medialer Vorverurteilung begann im Dezember 1928 der Prozess gegen Halsmann in Innsbruck. Auch der Wiener Staranwalt Richard Preßburger als Verteidiger nicht kann Halsmann retten. Das Tiroler Gericht und die Geschworenen halten den jüdischen Anwalt und seinen jüdischen Mandanten für arrogant. Halsmann wurde zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt.
In Wien und im gesamten deutschen Strafraum erregte der Fall großes Aufsehen. Von einem Justizskandal war die Rede, sogar Persönlichkeiten wie Sigmund Freud, Erich Fromm und Jakob Wassermann setzen sich für den jungen Mann ein. Doch selbst die Wiederaufnahme des Verfahrens führte erneut zum selben Urteil: Im Oktober 1929 wurde Halsmann ein zweites Mal schuldig gesprochen. Schließlich wurde er aber 1930 vom österreichischen Bundespräsidenten Wilhelm Miklas amnestiert - und des Landes verwiesen.
Rasante Karriere in den USA
Er reiste nach Paris und machte sich innerhalb kürzester Zeit als Fotograf einen Namen - den er auf Philippe Halsman geändert hatte. Als Hitler in Frankreich einmarschierte, wollte Halsman in die USA ausreisen. Erst auf Vermittlung von Albert Einstein, den er Jahre zuvor porträtiert hatte, bekam er ein Visum.
In den USA verlief seine Karriere rasant. Schon ein Jahr danach bekommt er eine Fixanstellung bei „Life“. 103 Cover-Bilder sollte er für das Magazin beisteuern, mehr als jeder andere Fotograf. Besondere Freundschaft verband ihn mit Salvador Dali, den er auch bei seinen berühmten „Jump Pictures“ verewigte. Halsman starb 1979 in New York.
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