Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Nach Bekanntwerden des rechtsextremistischen Hintergrunds der „Döner-Mordserie“ und des Mordes an einer Polizistin in Heilbronn untersuchen die Sicherheitsbehörden deutschlandweit, ob weitere Taten auf das Konto der Thüringer Neonazis gehen.
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Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) lässt demnach prüfen, ob neben den bisher bekannten Morden weitere Straftaten auf das Konto der Neonazi-Gruppe aus Thüringen gehen. Alle ungeklärten Straftaten seit 1998, die einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben könnten, würden auf eine Verbindung zu den Thüringer Neonazis hin untersucht, sagte der CSU-Politiker am Sonntag in Berlin.
1998 waren die Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), den die Bundesanwaltschaft inzwischen als rechtsextreme terroristische Vereinigung einstuft, untergetaucht.
Friedrich rechnet mit raschen Ermittlungsergebnissen. Er gehe davon aus, dass die Bundesanwaltschaft bereits in der kommenden Woche sehr viel mehr Erkenntnisse über die Gruppe präsentieren werde. Zudem erwarte er, dass auch die vom thüringischen Innenminister eingesetzte Kommission in der nächsten Woche erste Berichte zu den Vorgängen Ende der 90er Jahre in Zusammenhang mit der Untersuchung der Verdächtigen und deren Verschwinden vorlegen werde.
Nagelbombenanschlag in Köln
Zuvor sagte auch der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger, es würden Verbindungen zu Anschlägen in Nordrhein-Westfalen geprüft. Es müssten jetzt alle „Straftaten, die über ähnliche Muster verfügen“, noch einmal untersucht werden, sagte der SPD-Politiker am Samstag laut dpa.
In Nordrhein-Westfalen seien das ein Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 sowie ein Anschlag auf jüdische Aussiedler an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf im Jahr 2000.
Zum Kölner Anschlag gebe es Hinweise von den Ermittlungsbehörden in Thüringen, sagte Jäger. Die Polizei suchte vergeblich nach zwei Männern, die kurz vor der Explosion von einer Videokamera aufgenommen worden waren. Den Ermittlern waren Ähnlichkeiten zwischen den damals auf dem Video festgehalten Personen und den nun tot in einem Wohnmobil bei Eisenach entdeckten Männern aufgefallen.
Anschlag auf Wehrmachtsausstellung
Auch die Bombenanschläge auf die Wehrmachtsausstellung im März 1999 in Saarbrücken und auf den jüdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg im März 2002 sollen noch einmal unter die Lupe genommen werden. Die Polizei vermutete damals Rechtsextremisten als Täter, konnte aber keinen Verdächtigen ermitteln.
Angesichts des aktuell im Fokus der Ermittlungen stehenden Neonazi-Trios werde „alles aufgerollt“, was seit Ende der 90er Jahre an schweren Verbrechen mit möglicherweise rechtsextremem Hintergrund unaufgeklärt geblieben ist. Das Trio war zuletzt in Zwickau untergetaucht.
Tatwaffe in Brandruine gefunden
Den Ermittlern gelten die drei mittlerweile nicht nur als Hauptverdächtige in einem bisher unaufgeklärten Mord an einer Polizistin in Heilbronn. Nach dem Fund der Tatwaffe sollen auch die als „Döner-Morde“ bekanntgewordenen Anschläge auf Ausländer auf deren Konto gehen.
Hinweise auf den Zusammenhang zwischen den Fällen fanden die Ermittler in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem die mutmaßlichen Bankräuber und ihre Komplizin Beate Z. jahrelang unerkannt gelebt hatten. Die 36-Jährige, die sich später der Polizei stellte, soll in dem Versteck Feuer gelegt haben, um Beweise zu vernichten.
Die Dienstwaffe der Heilbronner Polizistin, die aus dem thüringischen Oberweißbach stammte, wurde vor einer Woche in dem Wohnmobil bei Eisenach entdeckt. In der zerstörten Wohnung des Trios fanden Ermittler die Pistole, mit der die Anschlagsserie auf Ausländer verübt worden war.
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