Banken optimistisch
Die deutschen Banken wollen sich ohne staatliche Hilfe das nötige Kapitalpolster für die Euro-Schuldenkrise zulegen. Vier der größten deutschen Geldhäuser müssen bis Juni 2012 insgesamt 5,2 Milliarden Euro auftreiben - und suchen danach zunächst im eigenen Haus.
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Die Deutsche Bank, der nach Reuters-Berechnungen rund 1,2 Milliarden Euro fehlen, glaubt, dass sie dazu nur Gewinne zurücklegen muss - und sich trotzdem noch eine Dividende leisten kann. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing will den Bankenrettungsfonds SoFFin, den das deutsche Bundesfinanzministerium vorsichtshalber noch einmal öffnen will, nicht mehr anzapfen, um 2,9 Milliarden Euro aufzubringen: „Ich gehe da nicht nochmal hin“, sagte Blessing in Hamburg. Betroffen sind auch die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).
Neun Prozent Eigenkapital nötig
Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen Europas Finanzbranche mit einer gewaltigen Kapitalaufstockung um 106 Milliarden Euro krisenfest werden. Auf dem EU-Gipfel war am Mittwochabend beschlossen worden, dass die 70 wichtigsten Institute die Risiken in ihren Bilanzen mit neun Prozent hartem Eigenkapital unterlegen müssen - Banken mit vielen riskanten Staatsanleihen sogar noch mehr. Am stärksten betroffen sind davon Banken in Griechenland, Spanien und Italien. Doch selbst der spanischen Bankenriese Santander will die fast 15 Milliarden Euro, die ihm fehlen, ohne den Staat aufbringen.
Die Commerzbank will das fehlende Geld mit dem Verkauf von Randbereichen, den erhofften Gewinnen der nächsten Monate und der Reduzierung von Krediten aufbringen. „Wir werden dann einen Strauß von Maßnahmen einleiten, der uns ermöglicht, Kapital zu generieren“, sagte Blessing. Den Gang zum SoFFin schloss er kategorisch aus. Zu schlecht sei die öffentliche Resonanz gewesen, als die Bank in der Finanzkrise mehr als 18 Milliarden Euro vom Staat bekommen hatte.
Auch die Landesbanken Nord/LB (660 Mio. Euro) und LBBW (364 Mio. Euro) müssen zusätzliches Kapital aufbringen. Auch das soll ihre Eigentümer - Länder und Sparkassen - nicht treffen, geschweige denn den Staat. „Die Bank kann den ermittelten Bedarf innerhalb der geforderten Fristen erfüllen. Frisches Kapital wird dafür nicht benötigt“, sagte die LBBW. Beide können einen Teil der Stillen Einlagen ihrer Eigentümer in Stammkapital wandeln. Endgültige Zahlen zum Kapitalbedarf sollen erst Mitte November feststehen, wenn alle Geschäftszahlen der Institute für das dritte Quartal vorliegen.
Regulierer: Boni nicht ausbezahlen
Bis Ende dieses Jahres sollen die Banken der europäischen Bankenaufsicht EBA dazu einen Plan vorlegen. Die Regulierer riefen die Banken auf, sich mit Dividenden und Boni zurückzuhalten, so lange sie weniger Kapital hätten als die geforderten neun Prozent. Zur Ermittlung des Kapitalbedarfs mussten die Banken alle Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben. Kursgewinne etwa bei Bundesanleihen durften gegengerechnet werden. Die neun weiteren deutschen Großbanken - darunter das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank und die verstaatlichte Hypo Real Estate - brauchen kein zusätzliches Kapital.
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