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Feiern auch in Tripolis und Misrata

Feierstimmung in Libyen: Drei Tage nach dem Tod des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi blickt Libyen in die Zukunft. Zehntausende Menschen versammelten sich am Sonntag zu einem Festakt in Bengasi. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, verkündete die vollständige Befreiung seines Landes.

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„Ihr seid frei, Libyer“, rief der Vizechef des Übergangsrates, Abdulhafis Ghoga, in Bengasi in die begeisterte Menge. Auf dem Festplatz in Bengasi, wo der Aufstand gegen Gaddafi vor acht Monaten begonnen hatte, schwenkten Menschen Fahnen und tanzten auf den Straßen. „Die Revolution begann friedlich“, sagte Dschalil. „Sie verlangte nach einem Minimum an legitimen Rechten, aber sie wurde mit Gewalt beantwortet.“

Zuvor hatte er die feiernden Menschen ermahnt: „Freudenschüsse in die Luft sind verboten, denn sie verletzen Zivilisten.“ In der Erklärung hieß es dann: „Hiermit erklären wir der ganzen Welt, dass wir unser geliebtes Land mit seinen Städten, Dörfern, Hügeln, Bergen, Wüsten und dem Himmel befreit haben“, hieß es in der Erklärung Dschalils.

Libysche Fahnen werden bei einer Veranstaltung in Bengasi geschwenkt

AP/Francois Mori

Zehntausende jubelten in Bengasi

Dschalil für islamisches Recht

Dschalil rief zu Versöhnung und Toleranz auf. Die Libyer sollten das Recht nicht in die eigene Hand nehmen. Zugleich machte er sich stark für eine islamische Orientierung Libyens: „Bei uns ist das islamische Recht die Grundlage der Rechtsordnung“, sagte er. „Ein Gesetz, das dem islamischen Recht widerspricht, ist null und nichtig.“ In diesem Sinne sei auch das geltende libysche Eherecht zurückzuweisen, das die Zahl der Frauen für einen Muslim begrenzt. Man werde auch islamische Banken gründen, die keine Zinsen verlangen. Er warnte vor einer Spaltung des Landes. „Wir sind alle Brüder geworden, was wir lange Zeit nicht waren.“

Ein Meer von rot-schwarz-grünen Fahne des „neuen Libyen“ säumte auch die zentralen Plätze in Tripolis und Misrata, wie auf Bildern des Senders al-Jazeera zu sehen war. „Wir sind sprachlos. Wir feiern seit drei Tagen“, sagte eine junge Frau in einem Frauensektor in Tripolis dem arabischen Sender. „Wir kümmern uns nicht um Gaddafi. Was ist mit den vielen Menschen, die er in den vergangenen Jahren getötet hat?“, antwortete eine andere Frau gefragt nach der umstrittenen Aufbahrung des Ex-Diktators in einer Kühlhalle eines Einkaufszentrums am Stadtrand von Misrata.

Parlament und Präsident in naher Zukunft

Nun soll binnen 30 Tagen eine provisorische Regierung gebildet werden. Diese solle dann bis Juni 2012 Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung vorbereiten, kündigte Dschalil an. Dieses Gremium soll eine Verfassung ausarbeiten, auf deren Grundlage innerhalb eines Jahres ein Parlament und ein Präsident gewählt werden.

Die Befreiungserklärung wurde international begrüßt. US-Präsident Barack Obama sprach vom Beginn einer „neuen Ära“. Er rief zu einer „nationalen Aussöhnung“ auf. Der britische Außenminister William Hague begrüßte einen „historischen Sieg des libyschen Volkes“. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen lobte den Mut und die Entschlusskraft der Libyer, für Freiheit zu kämpfen, als Inspiration für die Welt.

Saif al-Islam beschimpft NATO

Der letzte noch in Libyen untergetauchte Sohn Gaddafis, Saif al-Islam, kündigte unterdessen an, er wolle den Kampf fortsetzen. In einer kurzen Audiobotschaft beschimpfte Saif al-Islam außerdem die NATO, die zum Sturz des Regimes beigetragen hatte. „Geht zur Hölle, ihr Ratten und NATO“, zitierte der arabische Nachrichtensender al-Arabija am Sonntag den Gaddafi-Sohn. Auch sein Vater hatte die früheren Oppositionstruppen und heutigen neuen Machthaber in Libyen regelmäßig als Ratten verunglimpft.

„Das ist unser Land, wo wir leben und sterben. Wir werden den Widerstand fortsetzen“, sagte der 39-Jährige. Die Audiobotschaft sei live und sehr kurz gewesen, berichtete al-Arabija. Offensichtlich habe Saif al-Islam Angst gehabt, dass sein Satellitentelefon den Aufenthaltsort verraten könnte, wie das bei seinem Vater geschehen sein soll.

Die Übergangsregierung hatte am Donnerstag noch mitgeteilt, sie habe auch Saif al-Islam gefasst. Das stellte sich später als falsch heraus. Seitdem blühen Spekulationen über den Aufenthaltsort und Gesundheitszustand des Gaddafi-Sohnes. Montagabend gab es eine neue Nachricht des Übergangsrats, dass sich Saif al-Islam in der Wüste an der libyschen Grenze zu Algerien und Niger aufhalte.

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