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„Die Zustände damals waren schlimm“

Jene Kommission, die die kolportierten Missbrauchsvorfälle im ehemaligen Kinderheim im Wiener Schloss Wilhelminenberg aufarbeiten soll, soll Ende der Woche stehen. Wiens zuständiger Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) begründet das ungewöhnliche Tempo mit der „neuen Dimension“ der nun aufgetauchten Vorwürfe.

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Bei den Leitern wird es sich um Juristen, also etwa ehemalige Richter oder Staatsanwälte, handeln, wie die Stadt Anfang der Woche betont hatte. Oxonitsch rechnet damit, dass bis Ende der Woche die Zusagen der angefragten Personen eintreffen. An einer Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Wiener Heimen führe kein Weg vorbei, so Oxonitsch am Mittwoch: „Das ist unangenehm und schmerzvoll, aber es ist notwendig.“

Oxonitsch sieht keine politische Verantwortung

Das neue Gremium soll sich den jüngst erhobenen massiven Vorwürfen im Hinblick auf das Heim Wilhelminenberg widmen. Bereits vor einem Jahr wurde eine Historikerkommission eingesetzt, die Fälle von Gewalt in städtischen Kinderheimen aufarbeiten soll. Dass es sexuelle Übergriffe und körperliche Misshandlungen in den - inzwischen nicht mehr existierenden - Wiener Großheimen gab, ist schon länger bekannt. Seit 2010 fließen auch Entschädigungen an Opfer.

Es sei wichtig, mit den Fällen sensibel umzugehen, so Oxonitsch. Gleichzeitig sei es aber auch nicht zu vermeiden, dass das nun in der Öffentlichkeit breitgetreten werde, so der Stadtrat. Dass die Stadt einst zu langsam reagiert habe, glaubt er nicht. Laut Oxonitsch wurde schon in den 1970er Jahren klar, dass die Struktur der Großheime überholt ist.

Alte Studie im Mittelpunkt des Interesses

„Man kann 35 Jahre später alles anders beurteilen“, befand Oxonitsch. Er erinnerte jedenfalls daran, dass die Diskussion damals letztlich zur Schließung der großen Heime geführt habe. Ausschlaggebend sei hier etwa der damals publizierte Bericht („Verwaltete Kinder“) der früheren SPÖ-Nationalratsabgeordneten Irmtraut Karlsson gewesen. Karlsson sprach darin unter anderem von „Kindergefängnissen“.

„Die Zustände damals waren schlimm“, zeigte sich der Stadtrat überzeugt. Die sofortige Schließung aller Heime sei jedoch nicht möglich gewesen, auch aus organisatorischen Gründen. In Wien wurden - nach einer Reihe von Reformen - die letzten derartigen Einrichtungen von der zuständigen Magistratsabteilung (MA) 11 im Jahr 2000 zugesperrt. Seither werden Kinder in Wohngesellschaften oder bei Pflegeeltern betreut.

Wiener Opposition attackiert SPÖ

Die Wiener Oppositionsparteien nahmen die neu aufgetauchten Vorwürfe zum Anlass, die heutige Stadtregierung für die Vorfälle in Verantwortung zu ziehen. Die ÖVP äußerte am Mittwoch in einer Aussendung den Vorwurf, „dass zumindest ein Teil der schrecklichen Vorkommnisse bewusst von den damaligen Verantwortlichen der SPÖ vertuscht worden ist“. Damit bezog sich die ÖVP offenbar auf Karlssons Studie aus dem Jahr 1975.

Auch die Wiener FPÖ erstattete laut eigener Aussage Anzeige wegen Amtsmissbrauchs, weil „die Sozialisten“ Karlssons Studie über Missstände in der Wiener Jugendwohlfahrt „in irgendeiner Schublade verstauben haben lassen. Wie herzlos müssen Menschen sein, die solche Gräueltaten dulden und decken.“ Karlsson selbst betonte allerdings am Mittwoch, gerade die Wiener SPÖ habe sich in den 70er Jahren um eine Reformierung der Jugendwohlfahrt bemüht.

Offensive Reaktion der Stadtregierung

Die Wiener Stadtregierung tritt den Vorwürfen jedenfalls betont offensiv entgegen. Im Wiener Rathaus wird kommende Woche auch ein Sonderausschuss zu dem Thema stattfinden. Dort sollen die anderen Parteien über den Stand der Dinge informiert werden, kündigte Oxonitsch an. Auch Fragen an die Wilhelminenberg-Kommission sollen dort formuliert werden.

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