„Arbeitnehmern rinnt Geld durch Finger“
Die Metallindustrie habe in den vergangenen 16 Monaten „enorm gute Ergebnisse“ gehabt, Managergehälter seien stark erhöht worden - nun müssten auch die Arbeitnehmer davon profitieren: So rechtfertigt der Verhandler auf Gewerkschaftsseite, Rainer Wimmer, dass am Donnerstag und Freitag mit Warnstreiks die Lohnrunde eskaliert wird.
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Die verschärfte Vorgehensweise begründete Wimmer im Ö1-Morgenjournal mit der starren Haltung der Industrie. „Wenn die Arbeitgeber uns nicht ernst nehmen, dann machen wir ernst“, so die Drohung von Wimmer. Und er war mit seinem Ärger nicht alleine. „Sie haben uns keine andere Wahl gelassen“, war von Betriebsräten zu hören. Von den angebotenen Lohnerhöhungen (3,65 Prozent im Schnitt) blieben den Arbeitnehmern nur 40 Euro netto im Geldbörsel. Es sei nichts Neues, dass die Arbeitgeber die Wirtschaftslage schlechtreden würden. Fakt sei aber, dass die Beschäftigten mit einer sehr hohen Inflation zu kämpfen hätten, so Wimmer.
Warnstreiks in rund 140 Firmen
Zuvor war Mittwochabend die zweite Verhandlungsrunde der Metallindustrie zu den Lohnerhöhungen 2012 ergebnislos unterbrochen worden. Nun erhöhen die Gewerkschaften den Druck und werden am Donnerstag in ausgewählten Betrieben Warnstreiks für ein bis drei Stunden abhalten. Am Freitag folgen befristete Warnstreiks für die Dauer einer gesamten Schicht, aber ebenfalls noch nicht flächendeckend.
Rund 140 Betriebe werden sich allein am Donnerstag an den Warnstreiks beteiligen. So gab es etwa beim Lkw-Produzenten MAN in Steyr in Oberösterreich einen ersten Warnstreik. Rund 2.000 Mitarbeiter nahmen laut Informationen aus Gewerkschaftskreisen an der Versammlung von 6.00 bis 7.00 Uhr teil.
„Schließe Vollstreik nicht aus“
„Das ist noch kein Vollstreik, aber ich würde ihn nicht ausschließen“, so GPA-Chefverhandler Karl Proyer. Mitverhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge) erinnerte an die hohe Inflationsrate. „Den Arbeitnehmern rinnt das Geld durch die Finger“, während die Managergehälter zuletzt um fünf Prozent gestiegen seien. Am Donnerstag kommender Woche wird weiterverhandelt.
Stufenangebot der Arbeitgeber
Die Arbeitnehmer hatten zuletzt eine Lohnerhöhung um 5,5 Prozent gefordert, inwieweit sie hier nachgegeben haben, wurde von ihnen nicht verraten. Laut Arbeitgebern hat sich die Arbeitnehmerseite „null bewegt“, während die Industrie den Arbeitnehmern weit entgegengekommen sei. Sie hatte Wimmer und Proyer eine Stufenangebot vorgelegt, das im Schnitt auf eine prozentuelle Erhöhung von 3,65 Prozent hinausgelaufen wäre - plus der schon zuvor angebotenen Einmalzahlung von 200 Euro.
Die untersten Einkommensschichten hätten laut Industrie-Chefverhandler Christoph Hinteregger 3,8 Prozent mehr Lohn bekommen sollen, die mittleren Einkommen 3,6 und die Besserverdiener 3,4 Prozent. Das ergebe für die Geringverdiener durch die Einmalzahlung ein Gehaltsplus von 4,37 Prozent. Der Mindestlohn der Metaller liegt derzeit bei 1.515 Euro brutto, er würde dann in etwa 1.580 Euro betragen.
2011: Mindestens 45 Euro mehr
Im Vorjahr einigten sich die Verhandlungsteams auf eine Mindestlohnerhöhung von 2,5 Prozent. Die Ist-Löhne wurden im Vorjahr um 2,3 Prozent oder mindestens 45 Euro erhöht. Bei positivem Betriebserfolg gab es zusätzlich eine Einmalzahlung von 50 bis 150 Euro. Die Zeiten der wirklich hohen Abschlüsse mit 4,8 Prozent 1992 und gar 6,2 Prozent liegen schon 20 Jahre zurück.
Die Arbeitnehmervertreter argumentieren mit den Gewinnen der Metallindustrie und erinnern an die „gute Tradition“, sich am Produktivitätswachstum zu orientieren. „Mehr als 90 Prozent der Gewinne der Metallindustriebetriebe wurden in den letzten drei Jahren ausgeschüttet“, so Chefverhandler Wimmer. „Wir reden über das, was Firmen bereits in der Tasche haben.“ Basis für die Lohnfindung war bisher die „Benya-Fomel“ (nach dem früheren ÖGB-Chef Anton Benya, Anm.), die sich an Inflation und Produktivitätszuwachs orientiert. Die Lohn- und Gehaltssumme der Metallindustrie beträgt rund sieben Mrd. Euro. „Eine Erhöhung von 5,5 Prozent würde bedeuten, dass 385 Mio. Euro bewegt werden.“ Das wäre „eine enorme Stärkung der Kaufkraft“, gab Wimmer zu bedenken.
Angebot der „Spitzenklasse“
Hinteregger sprach von einem Angebot der „Spitzenklasse“. Er warnte vor negativen Folgen für den Standort. Die Warnstreiks bedauert Hinteregger im Ö1-Morgenjournal. Er wisse nicht, welches Kalkül dahinterstecke. Er nehme zur Kenntnis, dass hier auf Gewerkschaftsseite neue Überlegungen stattfinden, die „politischer Natur“ seien, die er aber nicht nachvollziehen könne, so Hinteregger, ohne konkret zu sagen, was damit gemeint ist. Hier seien „neue Methoden“ eingeführt worden, auf die die Arbeitgeber entsprechend reagieren würden, so Hinteregger - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Die Industrievertreter hatten bereits am Mittwoch erneut auf die sich abschwächende Konjunktur und die Auswirkungen der Euro-Krise hingewiesen. Man könne nicht die ganze Ernte auf Prozente verteilen, so Hinteregger im Zuge der Verhandlungen. Er fürchtet, dass die von der Gewerkschaft geforderten Abschlüsse die meisten Betriebe überfordern würden. „Wir reden von der Ernte, die eingefahren wurde, und nicht von dem, was manche in Zukunft erwarten“, reagierte Wimmer auf die Argumente der Arbeitgeberseite.
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