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Entscheidung ohne Wissen über Ableben

Der Immunforscher Ralph Steinman, der den diesjährigen Medizinnobelpreis erhalten sollte, ist tot. Das wurde wenige Stunden nach der Verlautbarung der Preisträger bekannt. Dem Karolinska-Institut in Stockholm unterlief damit ein peinlicher Fehler. Nun soll der am Freitag im Alter von 68 Jahren an Krebs verstorbene Wissenschaftler doch noch die Auszeichnung bekommen.

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Steinman sollte zusammen mit dem Franzosen Jules A. Hoffmann und dem Amerikaner Bruce A. Beutler für Arbeiten zum Immunsystem im Dezember den Nobelpreis für Medizin erhalten. Der Nobelpreis kann nach den gültigen Statuten normalerweise aber nicht postum zuerkannt werden - es sei denn, der Preisträger stirbt zwischen Bekanntgabe und Verleihung. Das passierte bei Wirtschaftsnobelpreisträger William Vickrey 1996.

550.000 Euro für Steinman

Die schwedischen Nobel-Juroren prüften nun diesen Fall und gaben Freitagabend überraschend bekannt, dass der diesjährige Medizinnobelpreises doch an Steinman geht - postum. In der Erklärung der Stiftung hieß es, das Verbot der postumen Auszeichnung beziehe sich nur auf eine bewusst in diesem Sinne getroffene Wahl.

Die Juroren hätten die Entscheidung jedoch am Freitag um 14.30 Uhr getroffen, ohne von Steinmans Tod um 11.30 Uhr etwas zu wissen. Die Rockefeller-Universität in New York teilte den Tod am Montag auf ihrer Website mit, fast zeitgleich mit der Bekanntgabe der Nobelstiftung.

Die Angehörigen des in Kanada geborenen Wissenschaftlers erhalten im Dezember umgerechnet rund 550.000 Euro, die Hälfte der Gesamtdotierung für den Medizinnobelpreis. Die andere Hälfte teilen sich Hoffmann und Butler, die am gleichen Thema geforscht hatten.

Selbst entwickelte Therapie

Steinman erhielt nach Auskunft seiner Universität vor vier Jahren die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er habe mit einer selbst entwickelten Immuntherapie auf Basis der von ihm entdeckten dendritischen Zellen sein Leben noch verlängern können.

Universitätspräsident Marc Tessier-Lavigne sagte zur Nobelpreis-Entscheidung: „Die Nachricht ist bittersüß, da wir diesen Morgen von Ralphs Familie erfahren haben, dass er vor wenigen Tagen nach einem langen Kampf gegen den Krebs gestorben ist. Unsere Gedanken sind bei Ralphs Ehefrau, Kindern und Familie.“ Seine Tochter Alexis Steinman sagte: „Wir sind alle so berührt, dass die vieljährige harte Arbeit meines Vaters für den Nobelpreis ausgewählt wurde.“

Schlüsselprinzipien des Immunsystems

Steinman, der 1943 in Montreal geboren wurde, hatte bereits 1973 die dendritischen Zellen entdeckt. Sie präsentieren den T-Immunzellen Bruchstücke der Eindringlinge, so dass sie die Keime erkennen und spezifisch bekämpfen können.

Steinman hatte wie die beiden anderen nominierten Medizinnobelpreisträger die Schlüsselprinzipien des Immunsystems aufgeklärt und damit die Grundlagen für Therapien gegen Aids und Krebs gelegt. Der Amerikaner Beutler und der Franzose Hoffmann werden für Arbeiten zur Alarmierung des angeborenen Abwehrsystems geehrt, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte.

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