„Problem, dass sich 17 einigen müssen“
Die Ankündigung Griechenlands, dass es sowohl heuer als auch im nächsten Jahr das angepeilte Sparziel verfehlen wird, hat die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. „Börsianer sind besorgt, dass die Hilfszahlungen und der strikte Sparkurs nicht ausreichen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen oder Wachstum zu generieren“, sagte Aktienhändler Jonathan Sudaria von Capital Spreads.
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Europa brauche einen größeren und besseren Rettungsschirm, so Alec Letchfield, Chief Investment Officer bei HSBC Asset Management. „Aber das Problem ist, dass sich 17 Regierungen auf etwas einigen müssen“, gab er zu bedenken. Ein Insider sagte Reuters, dass die Gespräche der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit der Athener Regierung noch nicht beendet seien. Vor einigen Wochen war die Expertengruppe wegen mangelnder Fortschritte bei den Sanierungsbemühungen abgereist. Vom ihrem Votum hängt ab, ob Griechenland weitere Hilfen erhält.
Euro auf Achtmonatstief
Der deutsche Leitindex DAX fiel am Tag der Deutschen Einheit um bis zu vier Prozent auf 5.289 Punkte. Der Euro Stoxx 50 gab in der Spitze 3,3 Prozent auf 2.108 Zähler nach. Im Gegenzug schossen die beiden Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, um jeweils rund sieben Prozent in die Höhe. Die Tokioter Aktienbörse schloss mit knapp zwei Prozent im Minus. Der Wiener ATX verlor zu Handelsbeginn ebenfalls 2,5 Prozent.
Auf dem Devisenmarkt fiel der Euro zeitweise auf ein Achteinhalbmonatstief von 1,3310 Dollar. „Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ist eine Büchse der Pandora, die niemand öffnen will“, sagte Analyst Teppei Ino von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. „Während einige Märkte das schon eingepreist zu haben scheinen, sieht es so aus, als ob der Euro noch einiges vor sich hat.“
Höhere Risikoaufschläge
Aus Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise forderten Investoren höhere Risikoaufschläge für Anleihen einiger europäischer Staaten. Die Spreads der zehnjährigen Papiere Griechenlands, Spaniens und Italiens zogen an. Dank des anhaltenden Ansturms auf deutsche Bundesanleihen legte der Bund-Future 75 Ticks auf 137,24 Punkte zu.
Gold - die Anti-Krisen-Währung schlechthin - verteuerte sich auf 1.654 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Preise der meisten anderen Rohstoffe gaben dagegen wegen der wieder zunehmenden Rezessionsängste nach. So verbilligten sich die beiden Rohölsorten WTI und Brent um jeweils rund ein Prozent auf 78,25 beziehungsweise 102,14 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für eine Tonne Kupfer brach zeitweise sogar um 5,5 Prozent auf 6.635 Dollar ein und lag damit auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2010.
Banken auf Talfahrt
Sechs der zehn größten Euro-Stoxx-50-Verlierer gehörten zur Finanzbranche. Der europäische Bankenindex gab 3,5 Prozent nach. Commerzbank bildeten mit einem Minus von sechs Prozent auf 1,79 Euro das Schlusslicht im DAX. Deutsche Bank gaben vier Prozent nach. Die Verluste der österreichischen Institute Raiffeisen Bank und Erste Bank lagen in ähnlicher Größenordnung. Am härtesten traf es Dexia, deren Aktien zeitweise um mehr als 14 Prozent einbrachen. Dem belgisch-französischen Finanzkonzern, der einer der größten ausländischen Besitzer griechischer Staatsanleihen ist, droht die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit.
Der UBS-Analyst Larry Hatheway erwartet, dass es in den nächsten Monaten ähnlich weitergehen wird: Auch wenn der erweiterte Rettungsschirm EFSF ratifiziert sei, würden das „Gerangel und die Unsicherheit, wie der europäische Finanzsektor stabilisiert werden kann“, weitergehen.
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