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Wo ist die „Smör“ fürs „Bröd“?

Für das schwedische Boulevardblatt „Aftonbladet“ ist klar, warum in Schweden schon jetzt die Butterregale leer sind: Die TV-Köche stellen sich gegen den Light-Trend und empfehlen nur noch Gerichte mit viel Butter. Doch dass keine „Smör“ für das „Bröd“ da ist, hat in Schweden tatsächlich strukturelle Gründe.

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Seit zwei Jahren kämpft man in Schweden meist zum Jahresende mit knapper werdenden Butterbeständen. Dass nun Zeitungen wie „Aftonbladet“ leere Butterregale im September herzeigen können, ist ein Novum für schwedische Konsumenten.

Molkereien: Noch nie so früh Probleme

Der Verband der schwedischen Molkereien, Svensk Mjölk, gestand jüngst gegenüber der schwedischen Webplattform The Local, dass es seit zwei Jahren Ende des Jahres Probleme mit der Butterversorgung gebe. „Im Spätherbst oder knapp vor Weihnachten hat es in den letzten zwei Jahren Probleme bei der Butterversorgung gegeben“, wird Lennart Holmström, der Marktanalyst des Molkereienverbandes, zitiert. So früh wie heuer habe man nie mit der Butterknappheit zu kämpfen gehabt.

Frau vor Milchabteilung in schwedischem Supermarkt.

Tomas Södergren/Svensk Mjölk

Nicht immer sind die Kühlregale derart gut mit Butter bestückt wie auf dem Foto des schwedischen Molkereienverbandes

Der Grund: Der Bedarf an tierischem Fett für andere Produkte steigt. Obers und Creme-fraiche-Produkte boomen in Schweden. Im Land, in dem das Knäckebrot erfunden wurde, schwindet das Interesse an Light- und fettarmen Produkten. Und TV-Köche empfehlen vorzugsweise fette Gerichte, wie etwa „Aftonbladet“ erinnert. Hinzu kommt ein weiterer Trend. Die Konsumenten ziehen natürliche Produkte aus der Region importierten Produkten vor.

Vorwarnung vor Importware

Die Milchproduktion habe nun einmal saisonale Schwankungen, hieß es von Svensk Mjölk. Man sei aber in einem „Prozess“, die Produktion von Rohmilch zu steigern, so der Verband diplomatisch. Die Konsumenten müssten sich aber darauf einstellen, dass man nun öfter auch Importware in den Butterregalen finden werde.

Milchproduktion in Schweden

Die Milchproduktion spielt eine zentrale Rolle in der schwedischen Landwirtschaft. Im Jahr 2008 betrug der Wert der landwirtschaftlichen Gesamterzeugung zu Erzeugerpreisen 4,7 Mrd. Euro, wobei 1,1 Mrd. Euro dem Produktionszweig Milch zuzuordnen sind. Somit ergibt sich für die Milcherzeugung ein Anteil von 24 Prozent am Produktionswert der schwedischen Landwirtschaft.

Seit Jahren ist die Milchproduktion in Schweden rückläufig. Und jährlich gibt ein erheblicher Teil von Landwirten in Schweden Hof- und Tierhaltung auf.

Im Vergleich zu anderen Ländern der EU hat der schwedische Tierschutz einen besonders hohen Standard, und das wirkt sich auf die Produktion aus. So existiert eine Weide-pflicht für alle Rinder. Ein Weidegang für Milchkühe von mindestens sechs Stunden pro Tag ist vorgeschrieben ist. Je nach Region ist die Weidedauer verschieden. Sie kann zwei, aber auch vier Monate betragen. Festgelegt ist zudem, wie viele Kühe pro Hektar maximal weiden dürfen.

Immer weniger Milch für Molkereien

Die an die Molkereien aus Schweden gelieferte Milch ist jedenfalls seit Jahren rückläufig. Zwischen 2004 und 2008 schlägt sich hier laut einer deutschen Studie ein Minus von fast zehn Prozent zu Buche. Svensk Mjölk möchte nach eigenen Angaben den Bauern helfen, die Weideperiode zu verlängern und auch den Herdenbestand zu vergrößern. Durch die strengen gesetzlichen Vorgaben müssten Bauern hier aber auch ihr Weideland ausweiten können. Eine Steigerung erwartet das deutsche Johann-Heinrich-von-Tühnen-Institut bei der schwedischen Landwirtschaft im Bereich der Biomilcherzeugung. Hier scheint sich eine Ausweitung des Herdenbestands bezahlt zu machen.

Notrezepte: Butter mit dem Mixer machen

Für all jene, die im Moment leere Butterregale in schwedischen Supermärkten vorfinden, hat „Aftonbladet“ einen Rezepttipp für Butter aus der eigenen Milch parat: Man kaufe, so vorhanden, Schlagobers und schlage dieses so lange, bis es zu einem kompakten Klumpen wird.

Gerald Heidegger, ORF.at

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