D: BND beschäftigte NS-Verbrecher als Agenten

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Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hat Ende der 1950er Jahre einen NS-Verbrecher als Agenten in Südamerika beschäftigt. Die Akten des 1984 verstorbenen Walter Rauff gab der BND nun frei. Zuvor hatte die „Bild“ (Onlineausgabe) Einsicht in die Unterlagen beantragt. Daraus geht hervor, dass es im BND von Beginn an Klarheit über Rauffs Vergangenheit und Funktion während der NS-Zeit gab.

Der 1906 in Köthen geborene Mann war als Marineoffizier, NSDAP- und SS-Mitglied maßgeblich an der Entwicklung und dem Einsatz von Gaswagen beteiligt, in denen Menschen erstickt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entkam Rauff 1947 aus einem Internierungslager in Italien und wanderte nach Südamerika aus, wo er als Kaufmann in Ecuador lebte. Dort wurde er vom BND-Mitarbeiter Wilhelm Beissner angeworben, der ihn aus dem NS-Reichssicherheitshauptamt kannte.

Schulungen trotz Haftbefehls

Zwischen 1960 und 1962 erhielt Rauff nachrichtendienstliche Schulungen, obwohl es zuletzt schon einen Haftbefehl gegen ihn gab. Seine Meldungen stellten sich laut BND aber als „weitgehend wertlos“ heraus. Sein Honorar wurde reduziert. Bis 1963 hatte ihm der Geheimdienst mehr als 70.000 Mark (etwa 35.000 Euro) gezahlt. Im Dezember 1962 wurde er verhaftet, aber von Chile nicht ausgeliefert und schließlich freigelassen.

„NS-Seilschaft im BND“

Der Leiter der Forschungs- und Arbeitsgruppe Geschichte des BND, Bodo Hechelhammer, sagte in einer Mitteilung: „Obwohl zur Zeit seiner Anwerbung keine Bedenken in den zuständigen Bereichen des BND über die Nutzung Rauffs zur Erfüllung des eigenen Auftrages bestanden, ist dieser Umstand aus heutiger Sicht politisch-moralisch nicht nachvollziehbar.“

Der Historiker Martin Cüppers von der Forschungsstelle Ludwigsburg der Uni Stuttgart sagte der „Bild“ (Onlineausgabe): „Die Dokumente zeigen, dass sich hier eine ganze NS-Seilschaft im BND bildete. Und das zu einer Zeit, als die Bundesrepublik die Jagd auf Nazi-Verbrecher verstärkte.“ Über die Forschungsergebnisse berichtete auch das Magazin „Der Spiegel“.