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Anwalt sorgt für Aufsehen

Codenamen, konspirative Treffen, Koffer voller Geld - die diskrete Welt des Pariser Anwalts Robert Bourgi könnte von einem Thrillerautor erfunden worden sein. Bis zum Jahr 2005 will er - nach eigenen Angaben - jahrelang französische Spitzenpolitiker mit obskuren Millionenspenden afrikanischer Machthaber versorgt haben.

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„Ich war der Kofferträger von Chirac und dann von Villepin“, behauptete er von sich in einem Interview mit der Zeitung „Le Journal du Dimanche“ Mitte September. Unter dem Pseudonym Monsieur Chambertin habe er sogar Zugang zum Elysee-Palast gehabt.

Wo das Geld blieb, wofür es genutzt wurde? Er wisse es nicht. Nur soviel: Vor allem zu Wahlkampfzeiten waren die Koffer oft so prall gefüllt, dass ihm der Rücken schmerzte. Seine vermeintliche Generalbeichte schlug im politischen Frankreich ein wie eine Bombe - und löste neben empörten Dementis der Betroffenen auch Ermittlungen der Justiz aus. Er wolle reinen Tisch machen, hatte der im Senegal geborene Sohn libanesischer Eltern mit französischem Pass seinen Gang an die Öffentlichkeit begründet. Von Politikern, die anderen eine moralische Lektion erteilen wollten, habe er die Nase gründlich voll.

Auch Opposition skeptisch

Doch so richtig glaubt ihm das kaum jemand. Selbst bei den oppositionellen Sozialisten - die die Einsetzung einer Untersuchungskommission fordern - wird ein politisches Komplott nicht ausgeschlossen. Zum einen, weil der „Spendensammler“ heute dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy nahesteht.

Bourgi hatte sich Sarkozy angedient, nachdem er bei dessen Erzrivalen, dem Ex-Premier und Ex-Außenminister Dominique de Villepin, in Ungnade gefallen war. Zum anderen macht der Zeitpunkt stutzig: Sowohl Villepin, als auch der vormalige Präsident Jacques Chirac standen gerade wegen anderer Affären vor Gericht.

Auch Le Pen beschuldigt

Beiden Politikern habe er zwischen 1997 und 2005 rund 20 Millionen Dollar überbracht, schätzt Anwalt Bourgi - die Hälfte dafür sei während Chiracs Präsidentschaftswahlkampf 2002 geflossen. Chirac und Villepin bestreiten die Vorwürfe - ebenso wie der alte Rechtsaußen der französischen Politik, Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen. Auch ihn beschuldigte Bourgi, 1988 Wahlkampfspenden in Afrika abgeholt zu haben. Gabuns verstorbener Präsident Omar Bongo habe ihm anvertraut: „Le Pen war zufrieden, mit dem Geld eines Negers abzureisen.“ Eine Behauptung, die Le Pen als „lächerlich“ abtat.

Gbagbo bestätigt Millionentransfers

Der rund vier Jahrzehnte im erdölreichen Gabun herrschende Bongo sei unter den afrikanischen Spendern der Großzügigste gewesen, sagte Bourgi. Sogar die Miete für die Räume des politischen Klubs des früheren und jetzigen Außenministers Alain Juppe habe er spendiert. Der Originellste war demnach der Staatschef von Burkina Faso: „Eines Abends war ich in Ouagadougou (Burkina Fasos Hauptstadt) mit Präsident Blaise Compaore zusammen, ich sollte für Chirac und Villepin drei Millionen Dollar abholen. Compaore hatte (...) die Idee, das Geld in vier Djembe-Trommeln zu verstecken.“ Die habe er im Kofferraum seines Autos in den Elysee-Palast gefahren.

Obwohl Bourgi viele Details aufzählt, fehlen ihm die Beweise. Hilfe kam aber aus Afrika. Ein Vertrauter des abgewählten und gewaltsam aus dem Amt gejagten ivorischen Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo bestätigte französischen Medien Millionentransfers.

Netzwerk in Afrika

Die Medien weisen in ihren Berichten darauf hin, dass zwar die Details, nicht aber das Prinzip neu seien. „Skandal: Robert Bourgis Vorwürfe werfen erneut ein Schlaglicht auf die problematischen Verbindungen, die französische Parteien mit afrikanischen Politikern verbinden“, titelte etwa die Zeitung „Le Parisien“.

Die Bindungen waren unter Bourgis Vorgänger und politischem Ziehvater begründet worden, dem einstigen Elysee-Generalsekretär Jacques Foccart. Der hatte eine Art Parallel-Außenministerium für „France-Afrique“ begründet - ein gegenseitiges Beziehungsgeflecht, mit dem Paris nach dem Ende des Kolonialismus seinen Einfluss in Afrika absicherte und die afrikanischen Staatschefs ihre Gunst bei den Mächtigen in Paris. Heute sei alles anders: Präsident Sarkozy habe das System abgeschafft, so Bourgi.

Ralf E. Krüger, dpa

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