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Der Präsident und das Schmiergeld

Aussagen einer Prinzessin bringen Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy in der „Karachigate“-Affäre in große Bedrängnis. Die 48-jährige Helene Karadjordjevic, Ex-Frau des 60-jährigen Thierry Gaubert - einem langjährigen Freund Sarkozys -, hat der Polizei berichtet, Gaubert sei während des Präsidentschaftswahlkampfes 1995 mehrmals mit Koffern voller Geld aus der Schweiz nach Paris zurückgekehrt.

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Die Geldkoffer habe Gaubert dem damaligen Kabinettsdirektor von Premierminister Edouard Balladur, Nicolas Bazire, überreicht. Sarkozy leitete den Präsidentschaftswahlkampf Balladurs, der im bürgerlichen Lager seinem neogaullistischen Widersacher Jacques Chirac unterlag und nicht in die Stichwahl kam.

Beziehungen zu Sarkozy

Prinzessin Helene, Tochter des Prinzen Alexander von Jugoslawien und der Prinzessin Maria Pia von Italien, war 1988 im Pariser Nobelvorort Neuilly-sur-Seine vom damaligen Bürgermeister Sarkozy mit Gaubert standesamtlich getraut worden. Das Paar hat zwei Töchter und einen Sohn. Bazire wiederum war Trauzeuge, als Sarkozy im Jahr 2008 Carla Bruni heiratete.

Äußerungen von Sarkozys engem Vertrauten Ex-Innenminister Brice Hortefeux („Helene redet zu viel“) haben inzwischen die Richter auf den Plan gerufen. Der Generalsekretär des Richtersyndikats, Matthieu Bonduelle, sprach von einem offenkundigen Bestreben, „die Affäre zu ersticken“, und einem „skandalösen Eingriff“ der Vollziehung in ein Strafverfahren, das gegen Gaubert und Bazire eingeleitet worden ist. Hortefeux war zur Zeit der Ereignisse ein enger Mitarbeiter von Sarkozy.

Floss bei Waffendeal Geld in Parteikasse?

Bei „Karachigate“ geht es um ein umstrittenes Rüstungsgeschäft mit Pakistan, einen Anschlag auf französische Ingenieure in Karachi und illegale Parteienfinanzierung. Sarkozy soll als Haushaltsminister zwischen 1993 und 1995 den Verkauf von drei französischen U-Booten an Pakistan für 825 Millionen Euro gebilligt haben. Bei dem Deal wurden Kommissionszahlungen vereinbart für die Mittelsmänner, die das Geschäft angebahnt hatten. Derzeit wird ermittelt, ob es zu einem Rückfluss eines Teils der Kommissionszahlungen in die Balladur-Wahlkampfkasse gekommen ist.

Im Mai 2002 wurden 14 französische Ingenieure bei einem Bombenanschlag in Karachi getötet. Es entstand der Verdacht, der Anschlag könnte die Rache für die Einstellung von versprochenen Kommissionszahlungen gewesen sein. Chirac hatte nämlich nach seiner Wahl alle Waffengeschäfte überprüfen und Schmiergeldzahlungen stoppen lassen.

Die Spur von zehn Millionen Franc

Nach Angaben der französischen Finanzinspektion sei Balladurs Präsidentschaftswahlkampf mit insgesamt 23,6 Millionen Franc (3,6 Mio. Euro) finanziert worden, von denen rund 20 Millionen Franc bar zur Verfügung gestellt wurden.

Die Justiz interessiert sich insbesondere für zehn Millionen Franc, die zwischen den beiden Durchgängen der Präsidentenwahlen von 1995 in die Kassen des Vereins zur Wahlkampffinanzierung von Edouard Balladur (AFICEB) geflossen seien. Der Altpremier rechtfertigte die Einnahmen durch Schenkungen von Sympathisanten und den Verkauf von abgeleiteten Produkten bei Wahlkampfveranstaltungen.

Villepin bestätigt Geldrückfluss

Sarkozys parteiinterner Rivale, der frühere Regierungschef Dominique de Villepin, hatte in einer Aussage zur „Affäre Karachi“ bestätigt, dass ein Teil des Schmiergelds illegal nach Frankreich zurückgeflossen sei - er sei „stark überzeugt“, dass das Geld zur Finanzierung von Balladurs Wahlkampf verwendet worden sei, sagte Villepin, der unter Wahlsieger Chirac erst Außenminister und später Regierungschef war.

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