Ägyptische Muslimbrüder auf Distanz zu Erdogan
Die einflussreiche ägyptische Muslimbruderschaft hat den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan davor gewarnt, eine Vormachtstellung in der arabischen Welt anzustreben. „Wir heißen die Türkei und heißen Erdogan als einen berühmten Führer willkommen, aber wir glauben nicht, dass er oder sein Land allein die Region führen oder den Weg in die Zukunft aufzeigen sollten“, sagte der Vorsitzende der Bruderschaft, Essam al-Erian, heute in Kairo, wo zuvor Erdogan begeistert empfangen worden war.
Die arabischen Staaten bräuchten keine Hinweise von außerhalb, sagte Erian. Die Reformen nach den Revolten gegen die autokratischen Regierungen würden in den Ländern selbst bestimmt.
Erdogan hatte bei einer Rede mit klaren antiisraelischen Aussagen Jubel unter seinen Zuhörern in Kairo ausgelöst. Israel handele illegitim, so der Ministerpräsident. Die jüdischen Siedlungen im Westjordanland blockierten den Friedensprozess im Nahen Osten. Es sei eine Verpflichtung, die Absicht der Palästinenser zu unterstützen, ihren Staat bei der UNO-Vollversammlung kommende Woche auszurufen.