Startschuss für Restaurierung
Das weltbekannte Kolosseum ist völlig verdreckt, marode und in der Infrastruktur für die Besuchermassen seit langem nicht mehr auf dem letzten Stand. Für 25 Millionen Euro wird das antike Amphitheater, wo einst die Gladiatoren kämpften, rundum restauriert.
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Jetzt soll alles plötzlich ganz schnell gehen: Die bitter notwendige Restaurierung des verschmutzten und verwitterten Kolosseums in Rom kann endlich beginnen. Jahre dauerte die Suche nach Geldgebern für die aufwendige Runderneuerung des antiken Wahrzeichens der Ewigen Stadt. Und lange feilten Archäologen und Kulturexperten an ihren Plänen für eine „Wiedergeburt“ des jährlich von mehr als fünf Millionen Touristen aus aller Welt besuchten Amphitheaters.
Bei viel Medienauftrieb gab es Ende Juni mitten im Kolosseum den Auftakt zum Neustart: Ende Juli sollten die Aufträge vergeben werden, zwei Monate später die Arbeiten beginnen.
Bis zu drei Jahre Großbaustelle
Die Schönheitskur für das durch Umweltdreck, Verkehrsvibrationen und den „Zahn der Zeit“ mürbe gewordene Prachtbauwerk der alten Römer wäre nicht möglich ohne Diego Della Valle, den italienischen „Schuhkönig“ und Herrn über den Luxuswarenkonzern Tod’s. Der Mann aus dem Adria-Ort Sant’Elpidio a Mare machte 25 Millionen Euro locker, um - als einziger Sponsor - der tief in den roten Zahlen steckenden Hauptstadt unter die Arme zu greifen.
Gewerkelt wird über jeweils zwei bis drei Jahre an drei Großbaustellen, während der Strom der Besucher anhält. Dann soll das größte Amphitheater der Antike in hellstem, neuen Glanz als ein Symbol für „Made in Italy“ erstrahlen.
Kultursponsoring mit Vorbildcharakter?
Gerade in weltweiten Krisenzeiten sollten die Unternehmer doch bitte etwas von ihrem Profit für ihr Land und die Leute abtreten, so wirbt Della Valle um Nachahmer seines Engagements: „Wir hoffen, bald konkret auch über Restaurierungen im antiken Pompeji am Fuß des Vesuvs, in Venedig und Florenz zu berichten.“
Er will so auch zeigen, dass Italien allen Horrormeldungen über politische und wirtschaftliche Stagnation zum Trotz „funktioniert“. Es geht um das Image und die Glaubwürdigkeit - und so hat er sich die Stätte früherer Gladiatorenkämpfe zum werbewirksamen Steckenpferd erkoren.
Mehr Service für Besucher
Was jetzt in Angriff genommen wird, soll die begehbare Fläche des Kolosseums um ein Viertel ausweiten. Außerhalb entsteht in der Nähe des Konstantinbogens ein modernes „Servicezentrum“. Dort gibt es später eine erste Anlaufstelle für Besucher, einen Bookshop, den Verkauf der Eintrittskarten und sanitäre Anlagen.
Das schafft Platz im Kolosseum. Die völlig verdreckte Nord- und Südfassade des Monuments wird mit einer bewährten Wasserzerstäubungstechnik unter atmosphärischem Druck von der Staubschicht und den starken schwarzen Verkrustungen befreit - ganz ohne Lösungsmittel oder andere chemische Substanzen.

Reuters/Alessandro Bianchi
Roms Wahrzeichen steht vor einer 25-Millionen-Renovierung.
Was abgebrochen ist, wird zwischendurch neu befestigt, Metallteile werden behandelt, geplatzter Gips geglättet. Und das alles auf einer Fassadenoberfläche von mehr als 21.000 Quadratmetern. Zudem müssen die Wandelgänge und das faszinierende unterirdische Terrain restauriert werden. Die unteren Arkadengewölbe erhalten ein neues Gittersystem, um das Kolosseum nach außen abzuschließen. Bei diesem Riesenaufwand konnten Roms Bürgermeister Gianni Alemanno und der Kulturminister Giancarlo Galan nicht anders, als dem privaten Sponsor in höchsten Tönen zu danken. Immerhin möchte Rom eine Kulturmetropole bleiben.
Hanns-Jochen Kaffsack, dpa
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