Eine Schüssel Reis am Tag
Im Kampf gegen die Hungersnot in Nordkorea sei die internationale Gemeinschaft aufgerufen, humanitäre Hilfe zu leisten erklärte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die Vereinten Nationen hätten in den vergangenen Jahren Hilfslieferungen im Wert von 35 Millionen Dollar in das kommunistische Land geschickt.
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„Das Wichtigste ist es, Menschenleben zu retten“, sagte Ban. Bei humanitärer Hilfe dürften „politische Abwägungen oder irgendwelche anderen Kalkulationen“ nicht in Betracht gezogen werden. Doch ausgerechnet Bans Heimatland Südkorea hatte 2008 wegen der angespannten Beziehungen zu seinem Nachbarn die jährlichen Lieferungen von 400.000 Tonnen Reis in den verarmten Norden eingestellt.
Ban appelliert an Südkorea
Die Regierung in Seoul befürchtet, dass die Hilfe bei einer Wiederaufnahme nicht den hungernden Bürgern, sondern der 1,1 Millionen Mann starken Armee Nordkoreas zugute kommen könnte. Ban appellierte an die Regierung seiner Heimat, diese Möglichkeit außer Acht zu lassen. Untersuchungen der UNO hätten ergeben, dass 6,1 Millionen Menschen in Nordkorea unter einer „ernsten humanitären Krise“ litten.
Hilfe an strenge Bedingungen geknüpft
Im Juli erklärte die EU-Kommission, Nothilfen im Wert von zehn Millionen Euro bereitstellen zu wollen. Vor allem Kinder unter fünf Jahren, die wegen ihrer schweren Unterernährung in Krankenhäusern liegen, sollen unterstützt werden, ebenso wie Schwangere und ältere Menschen. In ihrer Not essen viele Nordkoreaner mittlerweile Gras, berichtete die Kommission.
150 Gramm Reis pro Tag
Laut EU sind in Nordkorea zwei Drittel der Bevölkerung auf staatliche Essensrationen angewiesen. Diese wurden in den vergangenen Monaten aber drastisch gekürzt. Statt 400 Gramm Getreide pro Tag und Person im April sanken sie im Juni auf 150 Gramm. Das entspreche etwa dem Nährwert einer kleinen Schüssel Reis.
Die Hungerhilfe sei allerdings an strenge Bedingungen geknüpft. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen vor Hunger sterben. Daher sind wir entschlossen, die Lieferungen auf jeder Etappe zu beobachten“, sagte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) werde die Lieferungen der Hilfspakete organisieren und kontrollieren. Kommen die Pakete nicht dort an, wohin sie sollten, würden die Lieferungen gestoppt.
Viele unterernährte Kinder
Die EU-Kommission hatte bereits im Juni eine Expertengruppe nach Nordkorea entsandt. Dort beobachtete die Brüsseler Delegation sich verschlechternde Zustände in Krankenhäusern, Kindergärten, auf Bauernhöfen und bei der Nahrungsmittelausgabe. „Unsere Experten haben schwer unterernährte Kinder in Krankenhäusern und Säuglingsheimen gesehen, wo es für sie keine Behandlung gab“, sagte Georgieva.
Es habe aber eine „ungewöhnliche Bereitschaft“ nordkoreanischer Behörden gegeben, den Zugang zur Bevölkerung zuzulassen, sagte Georgieva der Nachrichtenagentur dpa. Die Experten hätten ohne Vorgaben Menschen zu Hause besuchen dürfen. „Das empfanden wir als sehr symbolisch. Ob es ein Signal für eine wachsende Offenheit oder aber ein Akt der Verzweiflung ist? Um das zu beurteilen ist es noch zu früh.“ Es gebe „kleine Hinweise“ auf ein wenig mehr Offenheit.
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