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Bitte um Lebensmittelhilfe

Nach fast zehn Jahren hat sich am Samstag der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il erstmals wieder auf russischen Boden begeben. Sein gepanzerter Sonderzug überquerte pünktlich um 12.00 Uhr mittags (Ortszeit) den Grenzfluss Tumen ganz im Osten des Landes.

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Eine Woche will sich der Diktator im fernen Osten Russlands aufhalten. Auch ein „inoffizielles“ Treffen mit dem russischen Präsidenten Dimitri Medwedew sei geplant, wie Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA in einer knappen Meldung bestätigte. Thema dürfte die schwere Hungerkrise in dem kommunistischen Land sein. Moskau versprach bereits die Lieferung von 50.000 Tonnen Weizen.

Der gepanzerte Zug, in dem Nordkoreas diktator Kim Jong Il nach Russland fährt, am Bahnsteig

APA/EPA/Yonhap News Agency

Kims Zug im Bahnhof von Chassan

Verheerende Hungerkatastrophe

In dem planwirtschaftlich geführten Land herrscht seit Monaten extreme Lebensmittelknappheit. Aus den spärlichen Informationen, die nach außen dringen, dürfte die Unterversorgung bereits katastrophale Ausmaße angenommen haben. Erst vergangene Woche rief UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die internationale Gemeinschaft dazu auf, humanitäre Hilfe zu leisten. Nach Angaben der EU-Kommission essen viele Nordkoreaner in ihrer Not mittlerweile Gras.

Russlands langer Forderungskatalog

Dass Kim ausgerechnet in Russland persönlich um Hilfe bittet, unterstreicht noch die Dringlichkeit. Denn traditionell sind die Beziehungen Nordkoreas zum ebenfalls kommunistischen China enger als zu Russland. Und die Unterstützung dürfte nicht ohne geforderte Gegenleistungen bleiben. Schon vor einigen Tagen forderte Medwedew Nordkorea zur Zusammenarbeit beim Bau von Gasleitungen, Eisenbahn- und Stromtrassen über seine Grenzen auf. Russland braucht eine Pipeline für seine Gaslieferungen nach Südkorea, das wiederum langfristig den Bau durchgehender Eisenbahnstrecken nach Russland und China plant.

Auch das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm dürfte Thema werden, wenngleich das vom Kreml nicht bestätigt wurde. Die Sechsergespräche mit den USA, Südkorea, Russland, Japan und China über das Programm hatte Pjöngjang im April 2009 offiziell abgebrochen. Anfang August kündigte das nordkoreanische Außenministerium jedoch deren Fortsetzung „in naher Zukunft“ an. Demnach sollen die Verhandlungen „ohne Vorbedingungen“ geführt werden.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il und Russlands damaliger Präsident Vladimir Putin im Gespräch, aus dem Jahr 2002

APA/EPA/Sergei Chirikov

Entspanntes Treffen 2002 mit Putin

Kein Treffen mit Putin

Unter diesen Bedingungen dürfte der Staatsbesuch für Kim um einiges unangenehmer verlaufen als noch 2002, als er in Wladiwostok mit dem damaligen Präsidenten und heutigen Regierungschef Wladimir Putin zusammentraf. Unbestätigten Medienberichten zufolge war die Reise Kims nach Russland eigentlich bereits Ende Juni geplant, wurde jedoch verschoben. Während südkoreanische Medien Meinungsverschiedenheiten als Grund angaben, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo, die Verschiebung der Reise stehe im Zusammenhang mit dem schlechten Gesundheitszustand Kims.

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