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„Chancen für Gelingen jetzt größer“

Nach langem Zögern und scharfer Kritik seitens der Wirtschaft wegen des starken Frankens hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Mittwoch drastische Schritte angekündigt. Die Reaktion auf den Märkten folgte prompt - unmittelbar nach Bekanntgabe der geplanten Maßnahmen schwächte der Franken bereits deutlich ab.

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Wie die Nationalbank per Aussendung mitteilte, werde der Schweizer Franken als „massiv überbewertet“ betrachtet. Da die Franken-Stärke zunehmend eine Bedrohung für die Wirtschaftsentwicklung darstelle, wolle man diesen Zustand „nicht mehr tatenlos hinnehmen“ und „Maßnahmen gegen den starken Franken“ treffen.

Konkret sollen die Zinsen auf praktisch null gesenkt werden und der Franken-Markt mit Geld „geflutet“ werden. Damit solle laut „Neuer Zürcher Zeitung“ („NZZ“) „nach den ökonomischen Grundregeln der Preis für die Schweizer Fluchtwährung wieder sinken“.

Neben dem Angebot von günstigem Geld will die SNB mit sofortiger Wirkung auslaufende Schuldverschreibungen nicht mehr erneuern oder zurückkaufen. Dadurch sollen ebenfalls mehr Franken auf den Markt geworfen werden. Die SNB beabsichtigt so, den Girobestand der Banken von derzeit 30 auf 80 Milliarden Franken (72,4 Mrd. Euro) auszudehnen.

Kritiker bleiben skeptisch

In einer ersten Reaktion reagierten die Märkte erstaunt und trieben den Franken zunächst wieder auf die Marke von über 1,10 zum Euro. Am Abend notierte der Euro schließlich bei 1,0974 Franken. Zum Vergleich: 1999 gab es 1,60 Schweizer Franken für einen Euro, 2008 kaum verändert 1,59 Franken.

Kritiker bezweifeln unterdessen, dass trotz bei anhaltender Schuldenkrise im Euro-Raum und in den USA der Franken als Fluchtwährung kurzfristig weniger attraktiv wird. Für den früheren SNB-Chefökonomen Kurt Schiltknecht hat die Nationalbank dennoch richtig gehandelt. „Wenn der Kurs auf dem Niveau liegt, bei dem die Märkte wissen, dass er überbewertet ist, sind die Chancen für das Gelingen jetzt größer. Aber das ist hart für die Wirtschaft“, sagte Schiltknecht im Schweizer Rundfunk.

Sollte diese Maßnahme nicht wirken, müsste die SNB wohl ein Wechselkursziel angeben, über das sie ein Hinausgehen nicht zulassen werde. Das dürfte aber deutlich über 1,10 Franken zum Euro liegen, sagte Schiltknecht.

„Erfordert starke Nerven“

Auch die „Basler Zeitung“ („BAZ“) zeigte sich in ihrer Onlineausgabe überzeugt, dass die SNB mit entschlossenem Handeln in der Lage sei, den Franken zu schwächen. Die Kehrseite der Erhöhung der Liquidität sei allerdings eine steigende Inflationsgefahr. Der Zeitung zufolge könnte die Währungsaufwertung aber auch ohne den Einsatz großer Geldmengen gestoppt werden, „wenn die Nationalbank glaubhaft macht, dass sie selbst unter Inkaufnahme einer steigenden Inflation bereit ist, die Aufwertung des Franken zu stoppen“. Eine Vorgangsweise, die laut „BAZ“ allerdings „sehr starke Nerven der Notenbanker“ erfordert. Dennoch dürfte auch laut „NZZ“ „die stärkste Wirkung vom Signal ausgehen“.

Swatch-Group-CEO Nick Hayek

Reuters/Michael Buholzer

Auch bei Swatch-Chef Hayek steigt die Sorge um den starken Franken

Wirtschaft schlägt Alarm

Angesichts der weltweiten Unsicherheiten auf den Finanzmärkten suchen Anleger seit Wochen neben Gold den Franken als Fluchtwährung. Zuletzt versuchte die SNB erfolglos, die damit einhergehende Franken-Aufwertung mittels Euro-Käufen zu stoppen.

Unter dem Höhenflug des Franken leiden vor allem die exportabhängigen Schweizer Industriebetriebe und die Tourismuswirtschaft. „Wir werden das alle noch extrem spüren“, wird in diesem Zusammenhang etwa Swatch-Chef Nick Hayek in der „SonntagsZeitung“ zitiert. Zwar gehe es laut Hayek der Schweizer Wirtschaft derzeit noch „sehr gut“ - man müsse aber in die Zukunft schauen, weswegen die Währungshüter „unbedingt“ handeln und dabei unter anderem die Geldpresse anwerfen müssen.

Wenn man wartet, bis der Franken zum Euro bei 1:1 steht, sei es für viele Schweizer Exportfirmen bereits zu spät, zeigte sich auch Heiner Flassbeck von der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) im „NZZ“-Interview überzeugt: „Die Schweizer Exportfirmen werden geradezu vom Markt gefegt, wenn der Franken weiter erstarkt.“

Tourismusoffensive in Graubünden

Verschärft durch das schlechte Wetter lässt der Franken-Kurs auch im Tourismus zunehmend die Alarmglocken läuten. Bereits in die Offensive gegangen ist dabei etwa der Kanton Graubünden, der sich nun verstärkt finanziell bei Tourismusprojekten engagieren will. Entsprechende Gespräche seien laut dem „20 minuten“ (Onlineausgabe) bereits am Laufen.

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