Klares Nein für Untalentierte
Die Regierung bastelt derzeit an einer Reform, die die bisher getrennten Bildungswege von Pflichtschul- und AHS-Lehrern zusammenführen soll. Damit soll jeder angehende Lehrer einen Eignungstest durchlaufen. Ein Auswahlverfahren für alle sei längst überfällig, so der Tenor bei Bildungsexperten. Doch durch den drohenden Lehrermangel könnten diese Tests zur reinen Makulatur verkommen.
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Die geplanten Eignungsverfahren seien wegen der bevorstehenden Pensionierungswelle schon jetzt in Gefahr, warnte der Autor Andreas Salcher im Ö1-Morgenjournal. Salcher bezweifelt, dass es die Politik mit den strengen Auswahlkriterien für künftige Lehrer wirklich ernst meint. Das zeige sich am Beispiel der Pädagogischen Hochschulen, wo es bereits jetzt massiven politischen Druck gebe, dass jeder genommen werden, weil man so viele neuen Lehrer brauche.

APA/Ecowin Verlag/Niko Formanek
Salcher ist Mitbegründer der Sir-Karl-Popper-Schule und sorgte mit seinem Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ für Aufsehen.
Klares Nein für unqualifizierte Kandidaten
Als Kriterien für die Lehrerauswahl nennt Salcher unter Verweis auf das Beispiel Finnland: „Ist der angehende Lehrer in der Lage, junge Menschen für sein Fach zu begeistern? Mag er Kinder? Und mögen Kinder ihn?“ Wenn ein Mensch diese Voraussetzungen nicht hat, heiße es klipp und klar Nein. Das sei wesentlich fairer, als dass ungeeignete Kandidaten in einer Sackgasse landen und nicht mehr herauskommen, so Salcher.
Hälfte startet ohne Eingangsprüfung
Derzeit starten in Österreich etwa 10.000 Pädagogen ohne jede Eignungsüberprüfung die Lehrerkarriere. Die Eignungsüberprüfung sei aber beim Lehrerberuf ganz besonders wichtig - und zwar für alle angehenden Lehrer, betonte auch die Bildungsexpertin Christa Koenne. Der derzeitige Zustand sei jedenfalls unhaltbar, sagte Koenne. Derzeit könne jemand, der bei einem Test an der Pädagogischen Hochschule scheitert, immer noch an der Uni Lehrer werden kann. „Eine skurrile Situation“, so Koenne.
Test als Orientierungshilfe
Deshalb hat die Vorbereitungsgruppe für die Ausbildungsreform, der Koenne angehört, ein Eignungsverfahren für alle künftigen Lehramtsstudenten vorgesehen. Die Leute müssten sich über eine Frage klar werden: Ist das ein Beruf für mich oder nicht? Dazu gehörten auch punktuelle Eignungsprüfungen, die zwar nicht das einzige Kriterium sein könnten, so Koenne.
Geht es nach Roland Fischer, dem stellvertretenden Vorsitzenden der für die Empfehlungen zur neuen Pädagogenausbildung zuständigen Arbeitsgruppe, soll ein Ausschluss eines Studenten möglich sein, „wenn gravierende Punkte dafür sprechen und es nicht einvernehmlich funktioniert“. „Das ist aber nur meine persönliche Meinung“, so Fischer im APA-Gespräch, „die Details werden noch ausgearbeitet.“
Zweisemestrige Orientierungsphase
Im Büro der Unterrichtsministerin Claudia Schmid (SPÖ) wünscht man sich den Eignungstest nicht als Aufnahmeprüfung wie an den Pädagogischen Hochschulen (PH), sondern als mehrstufiges Verfahren im Rahmen einer Studieneingangsphase. Mit Start des ersten Studiengangs im Rahmen der „PädagogInnenausbildung NEU“ im Herbst 2013 soll diese Orientierungsphase anlaufen. Dabei soll im Laufe der ersten beiden Semester durch Praxis in der Schule herausgefunden werden, welche sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Student hat und wie er mit Konflikten umgeht.
Sowohl der Student als auch der Lehrende kann dabei zur Erkenntnis kommen, dass keine Eignung für den Lehrerberuf besteht. Ob das Urteil des Lehrenden dann eine Empfehlung oder verpflichtende Entscheidung sein wird, ist noch unklar, heißt es auf APA-Anfrage aus dem Ministerbüro.
Töchterle für breite Aufnahmeverfahren
Kein „Nein“, aber auch kein dezidiertes „Ja“ kommt aus dem Büro von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP). Klar sei, dass nur die Besten Lehrer werden sollen und es „das beste System“ brauche, das auf die Eignung der Bewerber abstellt. Mit den bisherigen Modellen zeigt sich Töchterle allerdings nicht ganz glücklich. „Eignungstests und Aufnahmeverfahren sind grundsätzlich breiter aufzustellen als bisher“, heißt es aus seinem Büro.
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