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„München verkauft sich besser“

Nach dem Debakel um den Bau des Skylinks und den jahrelangen finanziellen Problemen der Austrian Airlines sehen Experten den Ruf des Flughafen Wien beschädigt. „Wien muss aufpassen, dass es nicht zu einem Regionalflughafen verkommt“, warnt Luftfahrtjournalist Kurt Hofmann. München hingegen habe sich vor allem für Langstreckenairlines interessant gemacht und somit zahlungskräftige Gäste angelockt.

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Das Angebot in Wien sei zwar nicht schlecht, man habe sich aber laut Hofmann zu lange auf dem Erfolg von früher ausgeruht. Nun sei man vor allem auf der Langstrecke sehr schwach. „Ich sehe derzeit kein Interesse einer großen Langstreckenairline nach Wien zu kommen. Die bevorzugen alle München“, so Hofmann gegenüber ORF.at. Die AUA habe sich beispielsweise um die Air China bemüht, daraus sei aber nichts geworden. „Die fliegt jetzt nach München. Manchmal habe ich das Gefühl AUA und der Flughafen arbeiten gegen einander.“

Die neuen Vorstände

Julian Jäger, bisher Chef des Flughafens Malta, und Günther Ofner, bisher Vorstand der Burgenland Holding, werden ab Anfang September den Zweiervorstand der börsennotierten Flughafen Wien AG bilden.

Luftfahrtexperte Hofmann ortet ein Imageproblem des Flughafens Wien. Wien habe sich zu viel mit sich selbst beschäftigt, siehe AUA-Verkauf und Skylink-Bau. München habe derzeit das bessere Marketing und verkaufe sich besser. Wien müsse sich laut Hofmann international viel besser präsentieren. „Man hat schon genug Zeit verplempert, jetzt heißt es schnell handeln. Auf die neuen Vorstände kommen große Aufgaben zu“, so Hofmann.

Wien setzt weiter auf Osten

Der Sprecher des Flughafens Wien, Peter Kleemann, bekräftigte gegenüber ORF.at die strategische Ausrichtung Wiens gen Osten. „Wien agiert im Lufthansa-Verbund vor allem als Drehkreuz nach Osteuropa.“ Die Strategie der größten Fluglinie, nämlich der AUA, müsse auch jene des Flughafens sein, so Kleemann. Derzeit hat Wien in Osteuropa 40 Destinationen und steht damit an der Spitze, noch vor Frankfurt (37), München (33) und Zürich (20). Ein Drittel der Passagiere des Flughafens Wien waren im Vorjahr Transferpassagiere.

Flugexperte Hofmann sieht in der strategischen Ausrichtung Wiens langfristig ein Problem: „Das ist überholt. Wien ist zwar noch sekundäre Drehscheibe in den Osten, München holt aber auf. Außerdem bringt das Ostgeschäft nicht das große Geld.“ Der Flughafen Wien muss sich laut Hofmann auch mehr um Destinationen im Westen bemühen. In die selbe Kerbe schlägt der deutsche Luftfahrtjournalist Cord Schellenberg: „Osteuropa ist letztlich nur ein Nischenmarkt.“ Schellenberg sieht die Stärke Wiens im Städtetourismus: „Wien ist als Städtereiseziel eines der begehrtesten Europas. Beispielweise kommen zahlreiche Asiaten nach Wien und lassen viel Geld da.“ Neidisch ist man laut Schellenberg in Deutschland auf die Tatsache, dass der Flughafen Wien gleich zwei Fluglinien hat, nämlich Austrian Airlines und NIKI. „Man muss seitens des Flughafens aber schauen, dass es beiden Fluglinien gut geht. Nur dann geht es auch dem Flughafen gut.“

Dritte Piste als zusätzlicher Vorteil

Besser gehen soll es Wien und auch München mit einer dritten Start- und Landebahn. Ende Juli wurde diese für den Flughafen München genehmigt. Die dritte Startpiste gebe München zusätzlichen Aufwind, so Hofmann. Auch der Flughafen Wien möchte seit Jahren eine dritte Bahn haben. Die Genehmigung dafür steht aber noch aus. Derzeit liegen die Umweltverträglichkeitsgutachten zur öffentlichen Einsichtnahme auf. Im September beginnen die mündlichen Verhandlungen.

„Mit Jahresbeginn 2012 rechnen wir mit einem positiven Bescheid“, so Flughafensprecher Kleemann gegenüber ORF.at. „Schon jetzt kommt es in den Spitzenzeiten zu Engpässen. Wir rechnen langfristig mit einem Wachstum auf über 30 Millionen Passagiere im Jahr 2020 für den Flughafen Wien und dafür benötigen wir die dritte Piste“, so Kleemann weiter. Auf einen genauen Zeitpunkt möchte sich Kleemann nicht festlegen: „Gebaut wird die Piste erst dann, wenn die Investition wirtschaftlich vertretbar ist, also die Verkehrssituation danach verlangt.“

Mariella Kogler, ORF.at

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