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Starke Nerven sind gefragt

Italienische Sparmaßnahmen haben das Zugfahren in und nach Italien schwierig gemacht. Innerhalb Europas günstig zu fliegen, kann den Verlust wertvoller Urlaubszeit bedeuten. Ob Flugzeug oder Zug - lange Wartezeiten und viele Umstiege sind derzeit keine Seltenheit.

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Wer im Sommer mit dem Zug von Wien nach Bologna fahren möchte, dem schlägt Scotty, der Routenplaner der ÖBB, mehrmals vor, den Weg über Westösterreich zu nehmen. Diese Route über Innsbruck kann aber bis zu 15 Stunden Reisezeit und drei Umstiege bedeuten. Zum Vergleich: Mit dem Pkw braucht man hingegen nur knapp sieben Stunden. Direktverbindung zwischen Wien und Bologna steht pro Tag nur eine einzige zur Verfügung, und zwar in der Nacht. Diese beansprucht neun Stunden und 19 Minuten.

Venedig-Reisende müssen auf Busse umsteigen

Umständlicher ist für Reisende aus dem Osten auch die Zugsfahrt nach Venedig geworden. Diese ist nämlich keine reine Zugsfahrt mehr. Die Trenitalia, die italienische Eisenbahngesellschaft, stellte die Abwicklung des internationalen Zugsverkehrs über Tarvis vor eineinhalb Jahren ein. Seitdem müssen Zugsreisende in Kärnten in den Intercitybus umsteigen, der sie dann weiter nach Venedig bringt.

Christoph Posch, Pressesprecher der ÖBB Kärnten, sieht im Umstieg auf die Busse keine Verschlechterung: „Sie sind eine hochwertige Reisealternative. Es stehen sowohl Erste als auch Zweite Klasse zur Verfügung.“ Vor Staus sind die Busse zwar nicht gefeit, laut Posch fahren die Busse aber mit „hoher Pünktlichkeit“. Ursprünglich waren die Busse als Notlösung eingesetzt worden. Aus der Not- dürfte nun eine Dauerlösung werden, denn eine Aufhebung des Tarvis-Problems ist nicht in Sicht. „Die italienischen Eisenbahnen sind sehr schwierige Partner“, so Posch gegenüber ORF.at. Die Nachtzüge nach Venedig betrifft die Buslösung nicht.

Verbesserung im Westen

Besser sieht es wieder für Reisende aus dem Westen Österreichs aus: Züge, die von München über den Brenner kommen, dürfen künftig nun doch wieder in Venedig und Padua halten. Das Verbot wurde offiziell aufgehoben, die Umsetzung dauert aber noch. Während der Hauptbahnhof Venedigs bereits wieder mit Zügen erreichbar ist, wird die Achse Verona - Vicenza - Padova noch mit Bussen bedient. „Wir sind an der Sache dran und mit den italienischen Behörden im engsten Kontakt. Wir hoffen, dass wir den Fahrgästen bis zum Fahrplanwechsel im Dezember die Halte in Mestre, Padova und Vicenza anbieten können“, heißt es seitens der ÖBB gegenüber ORF.at. Im Vorjahr war der ÖBB und der Deutschen Bahn (DB) ein Halteverbot in diesen italienischen Städten auferlegt worden.

Fluggäste werden um drei Ecken geschickt

Komplizierte Reisebedingungen ärgern auch viele Fluggäste in Österreich. Denn: Möchte man günstig fliegen, so muss man auf Bequemlichkeit verzichten. Der Grundtenor: Je öfter man umsteigt, desto kostengünstiger kommt man an sein Endziel - lange Wartezeiten und der Verlust wertvoller Urlaubszeit allerdings inklusive.

Nicht nur die Langstreckenverbindungen, auch die Strecken innerhalb Europas verlangen Reisenden einiges ab: Nach Sardinien und Sizilien etwa gibt es Zwischenstopps in Rom, Mailand oder Amsterdam. Dublin bereist man über Frankfurt oder Zürich. Die Reise nach Mallorca kann über Zürich, Düsseldorf, Barcelona oder Frankfurt führen. Nach Lissabon beispielsweise gibt es mehrmals pro Tag Direktverbindungen, aber teure. Günstiger wird es mit einem Zwischenstopp in Zürich oder München.

Direktflüge kosten derzeit teilweise dreimal so viel wie Flüge, die mindestens einen Stopp inkludieren. Vor allem Langstreckenziele und der Süden und Westen Europas sind von Wien aus entweder kostspielig oder über zeitliche Hürden zu erreichen. Problemloser ist es für Österreicher hingegen, in den Osten zu gelangen. 40 Destinationen in Osteuropa stehen auf dem Sommerflugplan des Flughafens Wien. Neben der großen Auswahl sprechen oft günstige Preise für diese Reiseziele.

„Flüge sammeln rentabler“

Laut dem deutschen Luftfahrtjournalisten Cord Schellenberg sammeln Fluggesellschaften Flüge an zentralen Punkten, weil das für sie rentabler ist. Viele Fluggesellschaften haben ihr Hauptaugenmerk auf Frankfurt, Berlin und Nürnberg gelegt. Deshalb müssen viele Österreicher ihren Weg in den Süden und Westen über diese Zwischenstationen bestreiten. Auch Niki bestätigte die Strategie, Flüge zusammenzufassen, wenn es nicht genug Passagiere gibt. Milene Platzer, PR-Leiterin bei Niki: „Bei Niki beziehungsweise airberlin schafft man ab Österreich mit nur einem einmaligem Umsteigen fast alle Destinationen (in Europa, Anm.).“

Seitens der AUA streicht man heraus, dass umgekehrt auch viele Passagiere über Wien fliegen müssen. Pressesprecherin Ursula Berger gegenüber ORF.at: „Es fliegen Fluggäste aus der ganzen Welt mit uns von A über Wien nach B. Natürlich müssen wir das sehr umfangreiche Netzwerk von 22.000 verschiedenen Verbindungen pro Woche auch wirtschaftlich betreiben. Daher sind Flüge, bei denen Passagiere umsteigen müssen, oft günstiger als Direktflüge.“

Problem im Fehlen von Langstreckenflügen

Der österreichische Luftfahrtexperte Kurt Hofmann sieht das Problem der weiten Wege darin, dass Wien bei der Langstrecke „schwach angebunden“ ist. Man müsse Langstrecken-Airlines für Wien gewinnen, dann könne man den Passagieren auch mehr bieten. „Ich sehe derzeit aber kein Interesse einer großen Langstrecken-Airline, nach Wien zu kommen“, so Hofmann gegenüber ORF.at.

Möchte man derzeit von Wien beispielsweise nach Los Angeles, so muss man das über Frankfurt, Paris oder Amsterdam machen. Fliegt man nach Sydney, so besichtigt man zugleich auch die Flughäfen von Dubai, Bangkok oder Singapur.

„Im Süden und Westen besser aufstellen“

Wiens Vorteil sei momentan laut Hofmann noch, dass es als sekundäre Drehscheibe in den Osten dient. Es verliere aber nach und nach an München und müsse sich im Süden und Westen besser aufstellen. Hinzu kommt laut Hofmann ein Imageproblem.

Hofmann sieht nach dem Skylink-Debakel und den jahrelangen finanziellen Problemen der AUA den Ruf des Flughafens Wien beschädigt. „München hat das bessere Marketing und verkauft sich besser. Wien hat sich zu lange auf dem Erfolg von früher ausgeruht“, so Hofmann. Allen anderen Flughäfen Österreichs räumt Hofmann keine bedeutende Rolle ein: „Wirtschaftlich gesehen ist Innsbruck erfolgreich, aber viele Tiroler, Salzburger und auch Oberösterreicher bevorzugen den Flughafen München. Vorarlberger weichen auf Zürich aus.“

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