Faust-Marathon mit Giftpfeilen
Als wären ein Pakt mit dem Teufel und die Reizung des Sitzfleisches über acht Stunden nicht genug, hatte Regisseur Nicolas Stemann für seinen „Faust“-Marathon bei den Salzburger Festspielen die wirklichen Giftpfeile bereit. Nach einem überzeugenden „Faust I“ mit schauspielerischen Höchstleistungen kam es im zweiten Teil dick: Die Kapitalismuskritik nutzte der Regisseur geschickt, die bei der Eröffnung der Festspiele verdrängte Ausladung von Jean Ziegler wieder aufs Tapet zu bringen. Max Reinhardt trat als Sprechpuppe auf - und Daniel Kehlmann, der vor zwei Jahren in Salzburg gegen das Regietheater zu Felde gezogen war, bekam auch sein Fett ab. Am Ende gab es für den schwiergen Faust einen Glücksbringer in der Dieter-Thomas-Heck-Tonlage: zuerst die Politik, dann das Schunkeln.
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