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„Angriff auf uns alle“

Zum Gedenken an die 76 Opfer der Anschläge in Norwegen haben die Länder des Nordens Montagmittag eine Schweigeminute eingelegt. An dem öffentlichen Gedenken beteiligten sich aus Solidarität mit Norwegen auch Schweden, Dänemark, Island und Finnland. Dort hatten die Regierungen die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Opfer ebenfalls zu würdigen.

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An sämtlichen offiziellen Gebäuden standen die Landesfahnen zum Zeichen der Trauer auf halbmast. In Norwegen stand auch der Bahnverkehr um 12.00 Uhr für eine Minute still, auch auf den Flughäfen und an der Börse wurde die Arbeit während der Schweigeminute niedergelegt. Dänemarks Regierungschef Lars Lökke Rasmussen sprach in seinem Appell zur Teilnahme an der Schweigeminute von einem „Angriff auf uns alle“. Sein finnischer Kollege Jyrki Katainen rief dazu auf, die „Werte einer offenen Gesellschaft und der Demokratie zu verteidigen, auch wenn sie angegriffen werden“.

„Jedes einzelne Opfer eine Tragödie“

Bereits am Sonntag hatte Ministerpräsident Jens Stoltenberg die Opfer des Blutbads bei einem Gedenkgottesdienst in der Kathedrale von Oslo gewürdigt. „Jedes einzelne Opfer ist eine Tragödie“, sagte er im Beisein des norwegischen Königspaares und mehrerer Minister in der Kathedrale. Norwegen werde aber „seine Werte niemals aufgeben“. Bald würden die Namen und Bilder der Getöteten veröffentlicht: „Dann wird sich das Ausmaß des Bösen zeigen“, sagte Stoltenberg - Video dazu in iptv.ORF.at.

Ein Mann und eine Frau mit Blumen in der Hand weinen am Ufer vis a vis der Insel Utoya

AP/Matt Dunham

Trauernde vor Utöya gedenken der Opfer des Massakers.

Viele Trauernde begannen angesichts des Ausmaßes der Bluttat zu weinen, auch König Harald standen Tränen in den Augen, als Stoltenberg die unfassbar vielen Toten der zwei Anschläge ehrte. Er habe Monica gut gekannt, sagte der Sozialdemokrat. Er war selbst oft zum Sommerlager für die Parteijugend auf der Insel Utöya gekommen, wo am Freitag mindestens 86 Menschen umgebracht wurden. Monica sei hier 20 Jahre hintereinander im Einsatz für junge Menschen gewesen: „Für viele von uns war sie Utöya. Jetzt ist sie tot. Erschossen und getötet, während sie Fürsorge und Unbesorgtheit für Jugendliche aus dem ganzen Land schaffte.“

„Unsere Antwort ist mehr Offenheit“

Stoltenberg zeigte sich neben aller Trauer kämpferisch gegenüber dem vom mutmaßlichen Täter propagierten Extremismus. „Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit - aber nie Naivität.“ Weinende Menschen legten vor dem Gotteshaus Blumen und Kerzen nieder. Soldaten mit schussbereiten Gewehren und kugelsicheren Westen hatten auf den Zufahrtsstraßen Stellung bezogen.

Suche nach Vermissten

Widersprüchliche Meldungen gab es zu den Opferzahlen. Am Montag wurde die Zahl der Toten auf 76 nach unten revidiert. Gleichzeitig suchen Spezialisten rund um Utöya weiter nach Vermissten - Video dazu in iptv.ORF.at.

Jetzt gelte es, die offene Demokratie noch offener zu machen, sagte Stoltenberg, assistiert von seinem Außenminister Jonas Gahr Störe: „So schlimm alles ist: Wir werden dafür sorgen, dass die Norweger ihren Alltag schnell wiederbekommen.“ Keine leichten Worte angesichts völlig zerstörter Regierungsgebäude und eines so in Europa seit Jahrzehnten nicht erlebten Massenmordes, dazu auch noch fast durchwegs an sehr jungen Menschen. Man dürfe aber auch nicht naiv reagieren, sagte Stoltenberg mehrfach. Das dürften die Norweger als passend empfunden haben angesichts der ausgeklügelten Boshaftigkeit, mit welcher der Attentäter offenbar beide Anschläge geplant hatte: Erst band er alle verfügbaren Einsatzkräfte der Polizei und auch aus dem Gesundheitswesen durch die Explosion der gewaltigen 500-Kilo-Bombe im Osloer Regierungsviertel ein, dann erfolgte das Massaker auf Utöya.

Menschen stehen vor einem Blumenmeer im zentrum von Oslo

Reuters/Cathal McNaughton

Blumenmeer im Zentrum Oslos

Stiefbruder Mette-Marits unter Opfern

Vor der Kathedrale in der norwegischen Hauptstadt versammelten sich Hunderte weitere Menschen, um für die Opfer und ihre Angehörigen zu beten. Bevor der Regierungschef mit seiner Frau die Kirche betrat, verbeugte er sich vor zahllosen Blumen, die Trauernde rund um die Kathedrale niedergelegt hatten. An einem für die Opfer eingerichteten Schrein legten er und der Leiter der Arbeiterjugend, Eskil Pedersen, eine weiße Rose nieder. Das Sommercamp der Parteijugend war von dem Täter am Freitag angegriffen worden.

Unterdessen wurde bekannt, dass sich unter den Opfern des Massakers auf der Insel auch ein Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit befindet. Wie die Zeitung „Dagbladet“ am Montag in ihrer Onlineausgabe berichtete, wurde der 51-jährige Polizist Trond Berntsen erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte. Berntsens Vater war mit der Mutter Mette-Marits, Marit Tjessem, verheiratet.

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