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Jede Menge kritische Fragen

Medienmogul Rupert Murdoch hat sich in der Abhör- und Korruptionsaffäre am Dienstag gemeinsam mit seinem Sohn James einem britischen Parlamentsausschuss gestellt. „Das ist der Tag der größten Demut in meinem Leben“, sagte Rupert Murdoch zu Beginn. Die Befragung durch die Abgeordneten begann mit fünf Minuten Verspätung. Rupert Murdoch saß mit versteinertem Gesicht vor den Parlamentariern.

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Das Erscheinen des 80-Jährigen gilt als Sensation und als Höhepunkt in der bisherigen Arbeit des 1979 gegründeten Parlamentsausschusses. Der Australier mit US-Pass galt in Großbritannien bisher als nahezu unantastbar. Sein Sohn James entschuldigte sich zu Beginn der Befragung für die Verfehlungen bei der Zeitung „News of the World“, die den Skandal ausgelöst hatte.

„Hinters Licht geführt“

Er sei hinters Licht geführt worden, sagte der 80-Jährige. Er sei über die Vorwürfe gegen seinen Konzern absolut schockiert, entsetzt und beschämt gewesen, sagte Rupert Murdoch. Aus diesem Grund habe er auch „News of the World“ eingestellt. Er verwahrte sich aber zugleich gegen den Vorwurf, dass sein Unternehmen untätig gewesen sei. Schmiergeldzahlungen seien ihm nicht bekannt gewesen, schließlich würde „News of the World“ nur ein Prozent in seinem Konzern ausmachen.

Die meisten Fälle hätten gar nicht jene Schwelle erreicht, dass die Murdochs überhaupt involviert gewesen wären, ergänzte sein Sohn James. Auf die Frage, ob er sich persönlich „für dieses Fiasko“ verantwortlich fühle, antwortete der Konzernherr mit einem einfachen Nein. Letztlich schuld seien „Leute, denen ich vertraut habe, und dann vielleicht die Leute, denen diese vertraut haben“.

„News of the World“ aus „Scham“ eingestellt

Auch seine inzwischen als Chefin der britischen Zeitungsgruppe von News Corp. zurückgetretene Vertraute, Rebekah Brooks, habe nichts davon gewusst. News Corp. werde die Schuldigen des Skandals ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. Häufig antwortete Murdoch kanpp mit Ja oder Nein, andere Fragen konnte er nicht beantworten oder verweigerte Aussagen mit dem Hinweis auf laufende Verfahren.

Rupert Murdoch vor dem parlamentarischen Komitee

Reuters/Parbul TV via Reuters

Rupert und James Murdoch vor dem Ausschuss

Die Entscheidung, „News of the World“ zu schließen, sei nach einer Debatte in der Dachfirma News International gefallen, so der Medienmogul, aus Scham für die Vorkommen. Finanzielle Überlegungen hätten keine Rolle gespielt, beteuerte Murdoch. „Wir haben das Vertrauen unserer Leser gebrochen“, sagte er.

Es gebe zudem noch keine Entscheidung darüber, ob eine neue Sonntagszeitung auf den britischen Markt kommen solle. Nach dem Ende der „News of the World“ hatte es Spekulationen gegeben, Murdoch habe die Zeitung ohnehin schließen und stattdessen das Schwesterblatt „The Sun“ auch am Sonntag herausbringen wollen, um Geld zu sparen.

„Schnell und transparent“ reagiert

Er musste sich auch kritische Fragen gefallen lassen, wieso nicht schon viel früher Konsequenzen gesetzt wurden - schließlich sei die Abhöraffäre schon Monate bekannt. Sein Unternehmen hätte so „schnell und transparent“ wie möglich reagiert, sagte Murdoch.

Anti-Murdoch-Schilder von Demonstranten

APA/EPA/Andy Rain

Anti-Murdoch-Demonstranten vor dem Parlament

Auf die Frage, warum er sich aus den Übernahmeplänen um den britischen Bezahlsender BSkyB herausgezogen habe, sagte Rupert Murdoch, die „Hysterie“ um den Abhörskandal und die Stimmung im Land habe es unmöglich gemacht, weiter zu verhandeln.

Murdoch gab zu, dass er bei Besuchen am Regierungssitz Downing Street 10 häufiger durch die Hintertür hereingelassen worden sei. Mitarbeiter des jeweiligen Premiers hätten das so arrangiert. Warum, wisse er nicht, aber vermutlich, um die Fotografen zu umgehen. Vom derzeitigen Premierminister David Cameron sei er nach dessen Wahlsieg „auf eine Tasse Tee“ eingeladen worden - als Dank für die Unterstützung im Wahlkampf. „Es gab dabei kein anderes Gespräch“, sagte Murdoch.

Polizist als Erster befragt

Der zurückgetretene Chef von Scotland Yard hat am Dienstag den Reigen der Aussagen vor Parlamentsausschüssen zur Abhöraffäre eröffnet. Er habe Schaden von seiner Behörde abwenden wollen, die sich auf die Sicherung der Olympischen Spiele 2012 in London vorbereiten müsse, sagte Sir Paul Stephenson.

Stephenson war vorgeworfen worden, er habe sich einen Kuraufenthalt für sich und seine Ehefrau zum Teil bezahlen lassen. Für die Kureinrichtung hat auch der ehemalige „News of the World“-Journalist Neil Wallis gearbeitet. Wallis war auch von Scotland Yard als PR-Berater engagiert.

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