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„Alte Vorstellung entstauben“

„Dem Ingenieur ist nichts zu schwere“ - so heißt es in der ersten Zeile des „Ingenieursliedes“. Gemeint sind da wahrscheinlich die Männer, denn Frau Ingenieur tut sich in Österreich noch immer schwer. Immer wieder werden aus Politik und Wirtschaft Rufe nach mehr Frauen in der Technik laut.

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Trotz einzelner Initiativen wird aber offensichtlich noch zu wenig getan, um technische Berufe Frauen schmackhaft zu machen. Geht es nach Bente Knoll, selbst Diplom-Ingenieurin für Landschaftsplanung, Lehrende an der TU Wien und Gender-Forscherin, so zeigen Wirtschaftskammer, Architektenkammer und Industriellenvereinigung viel zu wenig Interesse daran, Frauen für technische Berufe zu begeistern.

Nur drei Berufe begehrt

Im Jahre 2009 entschieden sich 48 Prozent der Mädchen für einen dieser drei Lehrberufe: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin.

Knoll fordert daher einen Imagewandel. Alte Vorstellungen, die Menschen von Ingenieuren haben, müssten „entstaubt“ werden. Knoll: „Man sieht immer nur die Person im ölverschmierten Blauzeug, aber Ingenieurin sein ist ein Job, der Spaß macht und in dem man sehr kreativ sein kann.“ Ein Imagewandel kann laut Knoll aber nur dann gelingen, wenn eine breite Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft stattfindet. Es müsse ministerienübergreifende Kampagnen geben. Und: Die Ausführung der Werbekampagnen solle eine andere sein als bisher. „Man muss reale Berufswelten zeigen und Alltagsbezüge herstellen - jungen Menschen veranschaulichen, was eine Tätigkeit als Ingenieurin für ihren Alltag bringt“, so Knoll.

Wirtschaftskammer: „Wir machen genug“

Fast wöchentlich beklagen Wirtschaft und Politik einen Facharbeitermangel in Österreich. In den vergangenen Jahren hat es einige Initiativen gegeben, um Mädchen für Technik zu interessieren - Frauen in Handwerk und Technik (FiT) beispielsweise. Außerdem werden in den Bundesländern seit 2001 Girls´ Days veranstaltet. Diese sollen Mädchen dabei helfen, sich für einen Beruf zu entscheiden, und Alternativen zu „frauentypischen“ Berufen aufzeigen. Auch Potenzialanalysen, wie sie etwa das WIFI (Weiterbildungsinstitut der Wirtschaftskammer) anbietet, erleichtern die Entscheidung.

Die Wirtschaftskammer sieht mit diesen Aktionen genug getan. „Unsere Aufgabe ist es zu schauen, dass es den Unternehmen gut geht“, so Elisabeth Zehetner, Bundesgeschäftsführerin von Frau in der Wirtschaft, der Interessenvertretung für Unternehmerinnen in der Wirtschaftskammer. Seitens der Industriellenvereinigung signalisiert man klar den Wunsch nach mehr Frauen in der Industrie. Verbesserungen sind laut Anna Bohrn, Mitarbeiterin der Industriellenvereinigung im Bereich Gesellschaftspolitik, aber durchaus noch zu machen: „Es gibt viele gute Projekte, man muss sie nur besser bündeln. Das ist aber Aufgabe der Politik.“

Der Weg zur Ingenieurin

Ingenieur ist in Österreich eine Standesbezeichnung, die an Absolventinnen und Absolventen einer HTL verliehen wird. Bedingung sind Matura und drei Jahre einschlägige Berufserfahrung. Diplom-Ingenieur ist ein akademischer Grad, der durch ein Studium an einer technischen Hochschule erlangt werden kann.

Aufwärtstrend in manchen Sparten

Inzwischen ist ein Drittel jener Abgänger einer Höheren Technischen Lehranstalt (HTL), die beim Wirtschaftsministerium einen Ingenieurstitel beantragen, weiblich - Tendenz steigend. An der TU Wien ist bereits über ein Viertel der Studierenden weiblich. Dennoch: In Bereichen wie Elektrotechnik oder Maschinenbau sind Frauen nach wie vor selten zu finden.

An der TU Graz stand es im Bereich Maschinenbau im Sommersemester 2011 63:4 Abschlüsse für die Männer. Das Studium der Elektrotechnik schlossen 119 Männer, aber nur sechs Frauen ab. Besser sieht es beim Architekturstudium aus: Im Sommer 2011 absolvierten es mehr Frauen als Männer.

Eigene Wege gehen

Gender-Forscherin Knoll fragt sich: „Wo kommen all diese Diplom-Ingenieurinnen bloß hin?“ Knoll meint damit das Problem, dass nur wenige Frauen, die technische Ausbildungen genossen, den Weg in die Selbstständigkeit suchen. Einige bleiben im universitären Bereich, der Großteil begibt sich in ein Angestelltenverhältnis. Knoll hat die Situation selbstständiger Ingenieurinnen bereits 2007 wissenschaftlich untersucht.

Die Ergebnisse der Studie mit dem Titel „Meinen eigenen Weg gehen“: Nur wenige Frauen stehen in Österreich an der Spitze von Baufirmen. Drei Prozent macht der Anteil selbstständiger Baumeisterinnen aus. Die höchste Quote erzielen die Architektinnen, sie schaffen es auf elf Prozent.

Unnötige Hürden für Selbstständige

Grundsätzlich sei es für alle jungen Ingenieure - Männer wie Frauen - schwer, eine eigene Firma zu gründen. „Der Zugang zur Architektenkammer beispielsweise wird jungen Menschen, die sich selbstständig machen möchten, unnötig schwer gemacht“, so Knoll unter Hinweis auf das komplizierte Pensionsversicherungssystem.

Frauen setzen bei der Gründung eigener Unternehmen allerdings zudem stärker auf Sicherheit. Fast zwei Drittel der von Knoll befragten Ingenieurinnen finanzierten ihre Firmen durch Erspartes. Außerdem steht mehr als ein Drittel auf mehreren beruflichen Standbeinen und verlässt sich nicht allein auf die Selbstständigkeit. Zusätzlich fordert die Doppelbelastung von Familie und Beruf besonders heraus. 60 Prozent der Befragten gaben an, vorwiegend selbst für die Haus- bzw. Familienarbeit verantwortlich zu sein.

„Sieht man sich die Zahlen und die Entwicklung an, dann gibt es also einen Aufwärtstrend bei Frauen in technischen Berufen, auch wenn dieser sich nur sehr langsam vollzieht“, resümierte Knoll. Bis zu einem vollständigen Imagewandel des Berufsbildes der Ingenieurinnen wird es aber wohl noch dauern.

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