Themenüberblick

„Im Kessel“ gewinnt Hauptpreis

Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist am Sonntag an die Kärntner Slowenin Maja Haderlap gegangen. Sie setzte sich mit ihrem ruhigen, poetischen Text „Im Kessel“ beim Wettlesen um einen der wichtigsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum gegen 13 weitere Nachwuchshoffnungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Spannender hätte die Abstimmung nicht ablaufen können - die Jury brauchte vier Wahlgänge, um sich auf Maja Haderlap als Bachmann-Preisträgerin 2011 zu einigen. Die Wahl erfolgte in offener Abstimmung, die Jurymitglieder mussten ihre Wahl kurz begründen. Zunächst gab es je zwei Stimmen für Steffen Popp, Maja Haderlap, Nina Bußmann und Leif Randt.

Verleihung des Bachmann-Preises an Maja Haderlap

APA/Gert Eggenberger

Haderlap bei der Preisverleihung

In einer zweiten Wahl stimmten drei Juroren für die 50-jährige Haderlap, immer noch um eine Stimme zu wenig. Es ging dann um die Wahl zwischen Popp und Randt, wer gegen Haderlap antreten sollte, hier setzte sich Popp durch.

Wäldchen Metapher für Partisanenkrieg

In die Erzählung eingebettet ist - die Autorin stammt aus dem Südkärntner Ort Bad Eisenkappel - die Vergangenheit des Ortes, der slowenischen Volksgruppe, der sie angehört und damit auch die Nazi-Zeit und der Partisanenkampf der Slowenen. Der Roman, aus dem der Text stammt, wird noch im Juli veröffentlicht. In Erzählungen über die Elterngeneration werden bruchstückhaft Szenen aus dem Widerstandskampf eingeflochten, unaufdringlich, aber intensiv.

Starke slowenische Stimme

Haderlap ist in Kärnten keine Unbekannte. 15 Jahre lang - bis 2007 - arbeitete sie unter Intendant Dietmar Pflegerl als Chefdramaturgin am Klagenfurter Stadttheater. Daneben verfasste sie viele Texte sowohl in deutscher als auch slowenischer Sprache. Ihr erster Gedichtband „Zalik pesmi“ („Salige Frauen“) erschien im Jahr 1983. Seitdem hat sie sich in Kärnten als starke Stimme der Gegenwartsliteratur etabliert.

Popp überzeugt mit „Spur einer Dorfgeschichte“

Neben dem Bachmann-Preis wurden Sonntagmittag im Rahmen der Preisverleihung vier weitere Auszeichnungen vergeben. Den KELAG-Preis in Höhe von 10.000 Euro erhielt - nach einer neuerlichen Stichwahl mit Nina Bußmann - der Autor Steffen Popp. Er war der Einladung von Meike Feßmann nach Klagenfurt gefolgt, wo er seinen Text „Spur einer Dorfgeschichte“ verlas.

Preise für Bußmann und Randt

Der mit 7.500 Euro dotierte 3sat-Preis wurde an die Autorin Nina Bußmann verliehen. „Große Ferien“ lautete der Titel ihres Textes, den sie vor der Jury präsentiert hatte. Juror Paul Jandl hatte sie vorgeschlagen. Diesjähriger Preisträger des Ernst-Willner-Preises, der mit 7.000 Euro dotiert ist, ist Leif Randt. Er wurde von Alain Claude Sulzer nominiert und hatte seinen Text „Schimmernder Dunst über CobyCounty“ nach Klagenfurt mitgebracht.

Publikumsstimme für Klupp

Zuletzt wurde der mit 7.000 Euro dotierte VILLI-Publikumspreis an den Autor Thomas Klupp verliehen. Sein Text „9to5 Hardcore“ wurde eingeladen von Hubert Winkels. Die Stimmen für letzteren Preis konnten von den Zuschauern, Zuhörern und Internetusern am Samstagnachmittag ausschließlich über das Internet abgegeben werden.

Spinnen: Alljährliche Demutsübung

In seinem Schlusswort sagte Juryvorsitzender Burkhard Spinnen, die jährliche Reise nach Klagenfurt sei für ihn eine Übung der Demut. „Ich fahre zu Zwecken der Demutsübung einmal im Jahr nach Klagenfurt. Hier kann ich erlernen, wie viele Urteile über einen Gegenstand möglich sind. Wie Überzeugungen, die Granitblöcke waren, zu Sand zerrieben werden. Kaum ein Text, der nicht verschieden aufgefasst und kommentiert wird. Kaum ein Urteil, das nicht auf entschiedenen Widerstand stößt“ - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Schmied gratuliert

Kulturministerin Claudia Schmied gratulierte den drei österreichischen Teilnehmern Haderlap, Julya Rabinowich und Daniel Wisser. „Meine Freude ist umso größer, als Maja Haderlap der Ingeborg-Bachmann-Preis zuerkannt worden ist. Nach dem unvergleichlichen Gert Jonke im ersten Jahr des Preises (1977) und nach Franzobel (1995) geht damit diese renommierte Auszeichnung zum dritten Mal nach Österreich.“

Link: