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Sitzenbleiben erst ab drei Nicht genügend

SPÖ und ÖVP haben sich auf eine Oberstufenreform geeinigt. Umstritten war bis zuletzt, ob man mit drei Fünfern in die nächste Klasse aufsteigen darf. Die Koalition präsentierte am Dienstag einen Kompromiss. Mit bis zu zwei Fünfern ist der Weg in die nächste Klasse geschafft.

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Künftig sollen Schüler der AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) nur dann eine Klasse wiederholen, wenn sie in mehr als zwei Fächern negativ sind. Bei zwei Fünfern sollen nur noch einzelne Module, in die der Semesterstoff künftig unterteilt wird, wiederholt werden. Im Falle einer „Ehrenrunde“ bleiben dem Schüler außerdem alle positiven Noten vom vorigen Schuljahr erhalten. Bis 2016 sollten alle 800 Standorte umgestellt sein, hatte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) vor zwei Woche bei der Präsentation mit ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon angekündigt.

Frühwarnsystem und Förderkurse

Droht ein Fünfer, sollen die Schüler per Frühwarnsystem informiert werden und sich einen Lerncoach suchen und Förderkurse - je nach Entscheidung der Schule in Gruppen oder individuell - besuchen können. Indem der Semesterstoff in mindestens zwei Module unterteilt werden muss, soll das Lernpensum übersichtlicher werden. Ein negatives Modul kann dabei auch erst im nächsten Semester bzw. Schuljahr ausgebessert werden.

Beim dritten oder (auf Entscheidung der Direktion möglichen) vierten Prüfungsantritt pro Modul soll der Schüler außerdem die Möglichkeit haben, sich von einem anderen als dem Klassenlehrer prüfen zu lassen. Immerhin, so SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer damals, gehe es dabei oft auch um „Beziehungsgeschichten“ zwischen Schüler und Lehrer.

60 Prozent weniger Wiederholungen

Derzeit muss schon bei einem Nicht genügend, es sei denn der Schüler wird über die sogenannte „Aufstiegsklausel“ pardoniert, die Klasse wiederholt werden. Davon betroffen sind laut dem Ministerium zehn Prozent der Oberstufenschüler (1,6 Prozent an den Hauptschulen, vier Prozent an der AHS-Unterstufe), immerhin fast 9.400 Schüler pro Jahr. Dadurch sollen „Klassenwiederholungen im großen Stil entfallen“, so Schmied.

An den derzeit 27 Standorten, an denen das Kurssystem als Schulversuch läuft, seien dadurch 60 Prozent der Klassenwiederholungen vermieden worden. Noch im Herbst 2011 sollen 15 weitere Schulen auf das System umsteigen, mit dem Schuljahr 2012 sollte die österreichweite Umstellungsphase im Regelschulwesen beginnen.

Vorteile für besonders Begabte

Dabei sollen die Schulen selbst entscheiden können, ob sie ab der neunten oder zehnten Schulstufe das Kurssystem anbieten. Man wolle den Schulen so viel Autonomie wie möglich geben, so Amon bei der Präsentation Mitte Juni. Er betonte damals auch, dass das Modell nicht nur schwachen, sondern auch besonders begabten Schülern zugutekomme: Diese könnten einzelne Module bis hin zu Teilen der Reifeprüfung vorziehen oder Förderkurse besuchen.

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