Weltweite Internetberühmtheit
„Make love, not war“, unter diesem Motto ist das Foto eines sich scheinbar küssenden Paares bei den Ausschreitungen nach dem Finale des Stanley Cups in Vancouver zu einem Internetphänomen geworden. Doch Augenzeugenberichte und weitere Fotos legen nahe, dass der vermeintlich romantische Moment gar keiner war: Die jungen Menschen sollen von der Polizei umgerannt worden sein.
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„Das Mädchen wurde umgeworfen und landete mit dem Kopf voran auf dem Pflaster, ihr Freund fiel auf sie“, so der Beobachter. „Sie hatte sichtlich Schmerzen und weinte, doch die Beamten schubsten sie zur Seite und gingen weiter. Passanten stellten sicher, dass die beiden in Ordnung sind.“ Ein Foto aus einem anderen Blickwinkel soll diese Aussagen bestätigen, berichtete die „Vancouver Sun“.

Getty Images/Rich Lam
Eine romantische Szene oder ein von Polizisten überranntes Paar?
Australier wollte „Freundin trösten“
Das australische Internetportal 9News berichtet von einer Frau, die erklärte, sie sei die Schwester des jungen Mannes, der auf dem Bild zu sehen ist. Es handle sich um den 29-jährigen Scott Jones aus Perth, der seit sechs Monaten in Vancouver leben und arbeiten soll. Auf seiner Facebook-Seite soll er gepostet haben: „Es passierte kurz nachdem die Polizei uns überrannt hat, und verständlicherweise brauchte Alex ein bisschen Trost.“
Auch Scott Jones Mutter Megan Jones will ihren Sohn auf dem Foto erkannt haben, berichtet 9News. „Er hat nicht viele Kleidungsstücke, und er zieht immer dasselbe an“, so die Australierin. „Er hat immer in seiner eigenen Welt gelebt, er ist da sehr eigen. Er merkt nicht immer, was rund um ihn vor sich geht.“
Der Vater des jungen Mannes Brett Jones meldete sich bei CBC News. Er identifizierte die junge Frau als Alex Thomas, die kanadische Freundin seines Sohnes. „Sie kamen zwischen die Fronten, Alex wurde von einem Polizeischild niedergeworfen“, erklärte er gegenüber CBC News. „Scott hat sich um sie gekümmert, er gab ihr einen Kuss, um sie zu beruhigen.“
Fotograf berichtet von Chaos und Plünderungen
Auch der Fotograf Richard Lam berichtete, dass er während der Krawalle im Zentrum der Ausschreitungen herumgestoßen wurde. „Es war das komplette Chaos. Randalierer haben zwei Autos in Brand gesetzt, zwei Plünderer zerschlugen die Auslage eines nahe gelegenen Kaufhauses“, so Lam. „Zu diesem Zeitpunkt rückte die Polizei in meine Richtung vor. Ich rannte davon und sah plötzlich das Paar hinter den Polizeilinien liegen.“
„Ich war ungefähr 20 bis 30 Meter entfernt“, erklärte er. „Ich habe die zwei Menschen gesehen, die am Boden lagen. Sofort hatte ich das Gefühl, dass einer davon verletzt ist.“ Er drückte ein paar Mal auf den Auflöser, dann verlor er die Szene aus den Augen.
Hunderte Randalierer
Wie die Polizei später mitteilte, wurden an diesem Abend im Stadtzentrum mindestens zehn Autos umgekippt, zerstört oder angezündet. Hunderte Leute hätten die Krawallmacher bei ihren Aktionen lautstark unterstützt, hieß es.
Die Auseinandersetzungen begannen unmittelbar in den Straßen nahe der Rogers-Arena, wo die Canucks mit Nationalspieler Christian Ehrhoff das siebte und entscheidende Finalspiel um den Stanley Cup mit 0:4 gegen Dennis Seidenbergs Boston Bruins verloren hatten. Die Polizei ging mit Tränengas und Pfefferspray gegen die Krawallmacher vor.
Dutzende Kriminelle festgenommen
Nach Angaben von Lindsay Houghton von der Vancouver Polizei handelte es sich bei den meisten der Krawallmacher um Jugendliche. Die Beamten hatten bis zweieinhalb Stunden nach Spielende ein Dutzend Kriminelle festgenommen, weitere Verhaftungen wurden für die Nacht erwartet. Vancouver hatte nach 1982 und 1994 zum dritten Mal die Endspielserie verloren und wartet somit weiterhin auf den ersten Meistertitel.
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