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„Immer wieder Ausbrüche“ erwartet

Das Aufatmen war groß, als das Robert-Koch-Institut (RKI) vor zwei Tagen bekanntgab, den Auslöser der folgenreichen EHEC-Epidemie in Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit gefunden zu haben. Entwarnung kann aber dennoch nicht gegeben werden, der Ausbruch sei noch nicht vorbei. Und abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen dürften auch viele Patienten langfristig geschädigt sein.

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Der deutsche SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet massive Folgeschäden für EHEC-Erkrankte. „Etwa 100 Patienten sind so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang zur Dauerdialyse müssen“, sagte Lauterbach der „Bild am Sonntag“. Der Politiker warnt vor weiteren Infektionswellen in Deutschland: „EHEC-Erreger sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland wird es künftig immer wieder zu EHEC-Ausbrüchen kommen.“

Langsame Informationswege Verbreitung begünstigt?

Lauterbach sieht zudem den Meldeweg von EHEC-Erkrankungen per Post als eine Ursache für die starke Ausbreitung der Krankheit an. Er kündigte in „Bild am Sonntag“ eine Untersuchung im Gesundheitsausschuss an: „Die Kliniken müssen in Zukunft jeden EHEC-Fall direkt per Mail an das Robert-Koch-Institut melden.“ Die bisherige Meldekette vom Gesundheitsamt an Ort und Stelle über das Landesgesundheitsamt an das RKI dauere mindestens eine Woche.

35 Todesopfer

Der Darmkeim tötete weltweit inzwischen 35 Menschen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte. Darunter seien 34 Todesfälle in Deutschland und einer in Schweden. WHO-Expertin Zsuzsanna Jakab betonte, es sei der heftigste jemals in der Region Europa registrierte EHEC-Ausbruch.

Als Reaktion auf die EHEC-Welle forderte auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) technische Verbesserungen im Meldeverfahren. Bahr sagte der „Bild am Sonntag“: „Nach Abklingen des EHEC-Ausbruchs werden Länder und Bund gemeinsam die Arbeit bewerten. Mir ist dabei der Informationsfluss zwischen den Beteiligten besonders wichtig. Das Meldeverfahren gehört auf die Tagesordnung.“ Forderungen nach einer zentralen Stelle zur Seuchenbekämpfung erteilte der FDP-Politiker erneut eine Absage.

Neue Beweise für Sprossen als Ursache

Die EHEC-Fahnder fanden unterdessen neue Beweise gegen die hoch verdächtigen Sprossen aus Bienenbüttel. Zwei weitere Mitarbeiterinnen des Biohofs in Niedersachsen sind demnach mit dem lebensbedrohlichen Darmkeim infiziert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigte am Samstag zudem, dass der EHEC-Erreger an den Sprossen exakt vom selben Typ ist wie die Bakterien, an denen bisher mehr als 30 Menschen in Deutschland starben. Mehr als 4.000 Menschen sind deutschlandweit an EHEC erkrankt oder stehen unter Infektionsverdacht.

Die Lieferkette vom Biohof zu den Erkrankten in NRW sei noch unklar, betonte Landesverbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) in einem WDR-Interview. Ebenso offen ist noch, wie der aggressive Darmkeim auf das Gelände in Bienenbüttel kam.

EU-Agrarkommissar hofft auf rasche Markterholung

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos setzt nach der Entwarnung für Paradeiser, Salat und Gurken auf eine steigende Gemüsenachfrage. „Ich hoffe, dass sich der Markt schnell wieder erholt“, sagte Ciolos der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag-Ausgabe). Er erwarte am Dienstag die Zustimmung der EU-Mitgliedsstaaten für das 210-Millionen-Euro-Hilfspaket der Kommission für Landwirte. „Dann könnten wir die ersten Hilfen im Juli abwickeln und auszahlen.“

Russland: „Kein Grund zur Sorglosigkeit“

Russland will die Lage vor einem möglichen Aufheben des Gemüseboykotts weiter beobachten. „Wir haben keinen Grund zur Sorglosigkeit“, sagte der oberste Amtsarzt Gennadi Onischtschenko am Samstag in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax. Zuvor hatte EU-Verbraucherkommissar John Dalli in Brüssel gesagt, der Fund von Erregern an Sprossen von einem Hof in Niedersachsen sei „eine äußerst wichtige“ Entwicklung. „Wir halten uns an die Vereinbarungen des EU-Russland-Gipfels, nicht an Erklärungen eines Kommissars“, sagte Onischtschenko.

Russland will die Einfuhr einzelner Gemüsesorten aus den 27 EU-Staaten wieder erlauben, wenn diese auf EHEC geprüft wurden und mit einem Laborzertifikat versehen sind, das die Sicherheit garantiert. Das hatte Kremlchef Dimitri Medwedew am Vortag auf dem EU-Russland-Gipfel in Nischni Nowgorod unterstrichen. Die EU hatte das Importverbot Russlands als überzogen kritisiert und die Wiederöffnung des russischen Marktes verlangt.

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