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Ganze Familie erkrankt

Nun könnte es also doch die Gurke gewesen sein: Auf einem Gurkenrest in einer Mülltonne in Magdeburg haben deutsche Experten jedenfalls nun die mutierte Form des EHEC-Keims nachgewiesen. Das teilte ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums am Mittwoch mit.

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Da der Gurkenrest aber bereits seit eineinhalb Wochen zusammen mit anderen Abfällen in der Tonne gewesen sei, lasse sich aus dem Fund nicht schlussfolgern, dass der Erreger tatsächlich auf der Gurke war, hieß es. Die Mülltonne gehört einer Familie, die an EHEC erkrankt ist. Insgesamt gibt es im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt 32 EHEC-Fälle. Der Familienvater aus Magdeburg war leicht erkrankt, die Mutter wurde in einem Krankenhaus behandelt und ist inzwischen wieder entlassen. Die Tochter leidet derzeit noch unter der besonders schweren Verlaufsform HUS, hieß es weiter.

Behörden vorsichtiger

Ein Familienmitglied habe den Gurkenrest selbst zu den Behörden gebracht, wo dieser untersucht worden sei, sagte der Ministeriumssprecher. Für die aktuelle Suche nach der Quelle des Ausbruchs sei dieser Fund aber „eher von minderem Wert“.

EHEC-Fall in Salzburg

Die EHEC-Epidemie forderte allein in Deutschland bisher 25 Todesopfer. In Österreich wurde am Mittwoch ein neuer Fall bekannt: Bei einer 82-jährigen Frau, die bereits am Montag in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg eingeliefert worden war, wurde der EHEC-Keim festgestellt. Es ist aber noch nicht geklärt, ob es sich um den deutschen Subtypus des Erregers handelt. Die Frau ist nicht mehr in Lebensgefahr.

Die deutschen Behörden sind seit Tagen massiv in der Kritik, weil sie zunächst vor spanischen Gurken gewarnt hatten - dann aber den neuen, mutierten EHEC-Keim auf der sichergestellten Ware nicht fanden. Der Absatz von Gemüse, insbesondere spanischen Gurken, brach stark ein. Spanische Bauern haben bereits Klagen angekündigt, die Regierung in Madrid protestierte ebenfalls in Berlin und Brüssel gegen die Vorverurteilung der spanischen Gurken. Unklar ist übrigens, ob es sich bei der nun gefundenen Gurke um eine aus Spanien handelt.

Noch keine Entwarnung

Mittwochvormittag hatte der deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betont, dass es noch zu früh für eine Entwarnung sei. Weitere Todesfälle und auch weitere Neuinfektionen mit dem Keim seien möglich. Bahr betonte aber zugleich, es gebe berechtigten Anlass für Optimismus, „dass wir bundesweit das Schlimmste hinter uns haben“. Das zeigten die in den vergangenen Tagen vom Robert-Koch-Institut in Berlin erfassten zurückgehenden Zahlen von Neuinfektionen.

Die bestehenden Verzehrempfehlungen, vor allem für rohe Gurken, Tomaten, Salat und Sprossen, müssten aufrechterhalten werden. Im Gegensatz zu Deutschland wird in Österreich und anderen EU-Ländern nicht vom Verzehr abgeraten, sondern das gründliche Waschen des Gemüses und verstärkte Hygiene empfohlen.

Neue Hinweise auf Sprossenhof

Unterdessen verdichten sich die Hinweise, dass der Sprossenhof in Niedersachsen doch die oder zumindest eine EHEC-Infektionsquelle gewesen sein könnte. Eine dritte Mitarbeiterin des Gärtnerhofs in Bienenbüttel sei im Mai vermutlich an dem Darmkeim erkrankt gewesen, teilte Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) mit. Inzwischen sei sie aber wieder gesund. Bisher war nur die EHEC-Erkrankung einer Mitarbeiterin des Hofs bekannt, eine zweite litt ebenfalls unter Durchfall.

Nach der Gurke die Sprossen

Zuletzt gerieten nach Gurken Sprossen ins Visier. Auch hier warnten Behörden am Wochenende, ein Sprossenhof in Niedersachsen sei mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der Quellen des aggressiven EHEC-Keims. Seit Wochenbeginn waren jedoch alle Labortests von sichergestellten Sprossen negativ.

Auch zwei EHEC-Patienten in Cuxhaven wiesen Verbindungen zu dem verdächtigen Hof auf, sagte Lindemann. „Das sind Betroffene, die Produkte aus Bienenbüttel konsumiert haben.“ Der Landkreis Cuxhaven ist mit mehr als 60 EHEC-Erkrankten der Schwerpunkt der Epidemie in Niedersachsen. Der Gärtnerbetrieb hatte meist über Zwischenhändler Sprossen an zahlreiche Restaurants, Hotels und Kantinen geliefert, deren Gäste teils dutzendfach an EHEC erkrankten. Betroffen waren unter anderem ein Golfhotel im Kreis Lüneburg, ein Restaurant in Lübeck sowie Kantinen in Darmstadt und Frankfurt am Main.

Allerdings hatten die EHEC-Fahnder bisher direkt keinen Erfolg auf dem Hof: In den ersten 23 von 40 Proben fanden sich keine EHEC-Erreger. Auch eine alte, im Kühlschrank vergessene Sprossenpackung eines EHEC-Patienten war frei von den Bakterien.

Neue medizinische Erkenntnisse

Unterdessen haben Ärzte der Universitätskliniken Greifswald und Bonn Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten mit HU-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, sagte der Transfusionsmediziner Andreas Greinacher vom Universitätsklinikum Greifswald.

Die Autoantikörper verursachten einen Anstieg eines Gerinnungsfaktors, wodurch die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebennieren eingeschränkt sei. Sie werden nur von einigen EHEC-Patienten gebildet. Inzwischen wurden erste schwer erkrankte Patienten mit einer speziellen Blutwäschetherapie behandelt. „Die ersten Entwicklungen bei den Blutwerten stimmen uns optimistisch.“

Lob unter Vorbehalt

EU-Verbraucherkommissar John Dalli lobte unterdessen am Mittwoch in Berlin die Bekämpfung der EHEC-Infektionswelle in Deutschland, nachdem er noch am Vortag von Brüssel aus scharfe Kritik geübt hatte. EU-Experten hätten sich in den vergangenen Tagen ein Bild gemacht und seien von den Anstrengungen beeindruckt gewesen, sagte Dalli in Berlin.

Freilich wurde das Lob unter großem Vorbehalt ausgesprochen: Dalli betonte, nun sei nicht der Moment für Kritik. Nach dem Ende der Krise solle aber über mögliche Lehren gesprochen werden. Nötig sei eine enge Koordination und Kooperation. Die europäischen Verbraucher hätten ein Recht auf gute Qualität der Lebensmittel.

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