Weitere Infektionen zu befürchten
Anfängliche Hoffnungen, die Ausbreitung des lebensbedrohlichen EHEC-Bakteriums in Deutschland würde rasch wieder abebben, scheinen sich nicht zu erfüllen. Im Gegenteil: Die Infektionswelle ist laut der europäischen Gesundheitsbehörde European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) einer der bisher heftigsten weltweit.
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Der Höhepunkt der Epidemie dürfte damit noch nicht erreicht sein. Ein Grund dafür ist laut ECDC, dass die „Quelle der Infektionen noch nicht feststeht“ und daher weiter aktiv ist. Im Verdacht, die lebensbedrohliche Durchfallerkrankung, die bis zum Organversagen führen kann, auszulösen, steht derzeit rohes Gemüse: vor allem Salatgurken, aber auch Tomaten und Blattsalat, heißt es in dem Gutachten der in Stockholm (Schweden) ansässigen Behörde.
Rätselhafter Verlauf
Dazu komme, dass der Verlauf der Epidemie ungewöhnlich sei, da in erster Linie Erwachsene an dem vom EHEC-Erreger (Enterohämorrhagische Escherichia coli) ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankten. Durch das HUS werden unter anderem Blutzellen zerstört, es kann zu einer Nierenschädigung kommen. "Gewöhnlich wird HUS bei Kindern unter fünf Jahren festgestellt. Dieses Mal sind 87 Prozent der Betroffenen Erwachsene und hauptsächlich Frauen (68 Prozent), so das ECDC.
Bis zum Wochenende meldete Deutschland bereits mehr als 1.000 bestätigte Fälle, zehn Menschen starben bisher an Komplikationen infolge einer Infektion mit dem Bakterium. Ein Stamm davon erwies sich laut ECDC als besonders resistent gegen unterschiedliche Antibiotika.
Resistenzen gegen Antibiotika
Ein identifizierter Bakterienstamm sei, so weit bekannt, überhaupt erst einmal aufgetreten und zwar im Jahr 2005 in Korea, heißt es in dem Bericht der EU-Gesundheitsbehörde. Am Sonntag meldeten auch Norwegen bisher 39 Erkrankungen, Tschechien positive Tests an EHEC-kontaminiertem Gemüse.
Warnungen bleiben aufrecht
Da immer noch unklar ist, was die Quelle der Ausbreitung ist, halten die Behörden ihre Warnungen bezüglich des Verzehrs von rohen Gurken, Paradeisern und Salaten aufrecht. „Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand“, erklärte die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner gegenüber der „Bild am Sonntag“.
In Deutschland verzichten aus Angst vor einer Infektion angeblich schon mehr als 50 Prozent der Menschen auf bestimmte Gemüsesorten. In Österreich gab das Gesundheitsministerium am Samstagabend eine Rückrufaktion für Biogemüse aus Spanien bei über 30 Händlern bekannt.
Bei Verdacht sofort zum Arzt
Am Sonntag appellierte die Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, Pamela Rendi-Wagner, via APA an die Konsumenten, Gemüse, das in diese Verdachtskategorie fällt, nicht zu verzehren, sondern sofort zu entsorgen. „Sollten in den nächsten Tagen Symptome wie Durchfall auftreten, muss schnell ein Arzt aufgesucht werden.“
Wie in Deutschland auch, sind die Behörden bemüht, Panik zu vermeiden. Rendi-Wagner spricht deshalb auch von „vorbeugendem Verbraucherschutz“. Betroffen sind Schlangengurken, wilde Paradeiser, Strauchtomaten, Cherrytomaten sowie Melanzani, da man nicht ausschließen könne, dass diese durch Transport oder Lagerung kontaminiert wurden. Im „Normalfall“ infizieren sich in Deutschland rund 900 Menschen pro Jahr mit dem Bakterium, das hauptsächlich im Kot von Wiederkäuern vorkommt und über unterschiedliche Wege (etwa Rindfleisch und Rohmilch) in die menschliche Nahrungskette gelangt.
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