Erreger in Gemüse identifiziert
Das Hamburger Hygiene-Institut hat Salatgurken aus Spanien als Träger der gefährlichen EHEC-Erreger identifiziert. Das teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Hamburg mit.
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Bei drei Gurken aus Spanien sei der Erreger eindeutig festgestellt worden. Die Ergebnisse sollten bei weiteren Messungen überprüft werden. „Informationen zu Herkunft und weiteren Details werden jetzt zusammengestellt.“ Die Studie sei bisher nur in Hamburg erfolgt und habe nur bedingten Aussagewert für andere betroffene Orte, sagte die Senatorin. „Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen.“
„Ausbreitung beherrschbar“
Mehr als 600 Patienten werden in Deutschland wegen der Infektion mit dem gefährlichen Darmbakterium Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) behandelt. Es wird erwartet, dass weitere Menschen erkranken - es dauert bis zu zehn Tage von der Ansteckung bis zum Ausbruch. Experten fordern strikte Maßnahmen seitens der Konsumenten.
Der Präsident der deutschen Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hält die Ausbreitung des EHEC-Keims für beherrschbar. „Wenn die Bürger jetzt die Hygieneempfehlungen einhalten, dann kann die schnelle Verbreitung des EHEC-Bakteriums gestoppt werden. Ich gehe davon aus, dass das gelingen wird“, sagte Hoppe der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf (Donnerstag-Ausgabe).
Kochen, waschen, putzen
In den ARD-„Tagesthemen“ forderten Vertreter der deutschen Gesundheitsbehörden, dass jedes Gemüse vor dem Verzehr gekocht werden solle. Die Mindestmaßnahme sei es, das Gemüse ordentlich zu waschen und zu putzen und regelmäßig, vor allem auch vor und während des Kochens, die Hände zu reinigen.
Forscher der Universität Münster haben nach eigenen Angaben den Darmkeim identifiziert, der die lebensgefährliche Darmerkrankung auslöst. Dabei handle es sich um eine seltene und veränderte Variante des Erregers, die gegen viele Medikamente resistent geworden sei, hieß es in den „Tagesthemen“. „Wir müssen jetzt prüfen, ob es noch weitere Veränderungen gibt, die ihn so gefährlich machen, die die Ursache sind für seine hohe Virulenz“, sagte der Mikrobiologe Helge Karch. Er leitet das Konsiliarlabor für das Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS).
Handel gestoppt
Das saarländische Gesundheitsministerium stoppte nun den Verkauf spanischer Salatgurken im Land. „Bisher haben alle Großverkäufer, mit denen wir Kontakt hatten, ihre Gurken aus Spanien bereits aus den Verkaufsregalen genommen“, sagte Staatssekretär Sebastian Pini. Am Freitag sollen Lebensmittelkontrollore prüfen, ob Läden noch Gurken aus Spanien verkaufen. Der Handel würde dann gestoppt. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen.
Auch in Tirol und Vorarlberg wurden „geringe Mengen“ spanischer Gurken bei Lidl verkauft. Diese seien laut dem Diskonter aber bereits aus dem Handel genommen worden. Konkret handelt es sich um 1.344 Stück, die in 18 Filialen verkauft wurden.
Dritte Tote bestätigt
Laut Informationen der Nachrichtenagentur dpa waren am Mittwoch mehr als 600 Fälle registriert, von denen aber noch nicht alle bestätigt sind - am Dienstag waren es etwa 460 gewesen. Die Zahl der besonders schweren Krankheitsverläufe mit blutigem Durchfall und Nierenversagen ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) auf mindestens 140 gestiegen. Drei Todesfälle sind bisher bestätigt. Der dritte wurde am Donnerstag von einer Sprecherin des deutschen Gesundheitsministeriums bekanntgegeben. Es handelt sich dabei um eine 24-jährige Frau, die in der Nacht auf Dienstag verstorben war. Die Patientin hatte alle Symptome der Infektion.
Meldungen über bestätigte Infektionen und Verdachtsfälle kommen mittlerweile aus 15 der 16 Bundesländer - nur Rheinland-Pfalz hat noch keinen Fall gemeldet. Der Schwerpunkt der Infektionen liegt in Norddeutschland. Am stärksten betroffen ist derzeit Hamburg. Für den Stadtstaat und Schleswig-Holstein meldeten die Behörden zusammen mehr als 400 Erkrankungen und Verdachtsfälle.
Besorgnis trotz guter Versorgung
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) befürchtet, dass dort infizierte Patienten sterben werden. „Wir müssen damit rechnen, Patienten zu verlieren“, sagte der Nierenspezialist Rolf Stahl. Den Angaben zufolge werden derzeit 33 Erwachsene und 14 Kinder behandelt. Für die Versorgung der Kranken sieht der deutsche Ärztepräsident Hoppe das Land jedoch gut gerüstet: „Es gibt in Deutschland genug Dialysestationen, so dass alle an dem EHEC-Bakterium schwer Erkrankten versorgt werden können. Darüber müssen wir uns keine Sorgen machen.“
Verdachtsfälle in mehreren EU-Ländern
Nach Deutschland gibt es nun auch in anderen Ländern Verdachtsfälle von Infektionen mit den lebensbedrohlichen EHEC-Darmkeimen. „Bisher gibt es keinen Beweis für die Verbreitung in andere Länder“, teilte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar John Dalli am Donnerstag mit. „Aber Verdachtsfälle in Schweden, Großbritannien und den Niederlanden bei Menschen, die kürzlich nach Deutschland gereist waren, stehen unter Beobachtung.“ Wer kürzlich Deutschland besucht habe, solle bei Symptomen wie blutigem Durchfall zum Arzt gehen.
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