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USA verhandeln mit Schwellenländern

Die USA beraten derzeit mit Eignern des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus Schwellenländern und wirtschaftlich entwickelten Staaten über die Neubesetzung des Chefpostens. Europas traditionelles Nennungsrecht bei der Besetzung des Postens wird dabei immer deutlicher infrage gestellt.

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„Wir sind bereit, einen Kandidaten zu unterstützen, der die Voraussetzungen mitbringt, umfassende Erfahrungen und Führungsqualitäten besitzt. Zudem muss er von den Fonds-Mitgliedern breite Unterstützung erhalten“, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner am Freitag. Es sei wichtig, dass der Nachfolger für den zurückgetretenen Dominique Strauss-Kahn schnell gefunden werde.

Bis Ende Juni soll über die Nachfolge Strauss-Kahns entschieden werden, teilte der IWF Freitagabend mit. Von Montag an und bis zum 10. Juni sollen die Kandidaturen für den Posten an der Spitze des Währungsfonds eingereicht werden. Ziel sei es, den neuen IWF-Direktor im Konsens zu ernennen, möglich sei aber auch eine Mehrheitsentscheidung. Die Auswahl solle auf transparente Art erfolgen und auf den Fähigkeiten des Kandidaten basieren, so der IWF in seiner Mitteilung.

Ungewohnte europäische Einigkeit

Das Auswahlverfahren müsse ein offener Prozess sein, betonte Geithner. Seine Bemerkungen deuteten möglicherweise darauf hin, dass die USA nicht automatisch einen europäischen Kandidaten unterstützten. Damit würde das Drängen der Schwellenländer auf einen neuen IWF-Chef aus den Reihen der Ihren mehr Gewicht bekommen. Europa reagiert darauf mit unüblicher Einigkeit.

Im Rennen um den IWF-Chefsessel schält sich so die französische Finanzministerin Christine Lagarde immer deutlicher als gemeinsame Kandidatin Europas heraus. Die Zeit drängt, weil große Schwellenländer wie China und Brasilien den traditionellen Anspruch der Europäer auf die Führung der wichtigsten internationalen Finanzinstitution bestreiten. Die USA stellen üblicherweise den Weltbank-Chef.

Schwellenländer bringen Kandidaten in Position

Europa ist offenbar bewusst, dass jetzt nur mit demonstrativer Einigkeit das europäische Vorrecht auf den IWF-Chefposten bewahrt werden kann. Der Franzose Strauss-Kahn muss sich in den USA wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens verantworten und hatte deshalb in dieser Woche den IWF-Chefposten abgegeben. Die Schwellenländer können mit genügend eigenen Kandidaten für die Nachfolge aufwarten.

In der Debatte über die Nachfolge des zurückgetretenen IWF-Chefs wurde etwa der Türke Kemal Dervis genannt. Er ist derzeit Vizepräsident der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution. Neben Lagarde und Dervis wurden bisher unter anderen Arminio Fraga aus Brasilien, Trevor Mauel aus Südafrika, Axel Weber aus Deutschland und der Mexikaner Agustin Carstens als mögliche Strauss-Kahn-Nachfolger genannt. Derzeit werden die Geschäfte des IWF interimistisch von Vizechef John Lipsky geführt.

Zentrale Rolle für IWF in Krise

Der IWF war in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der Währungsfonds derzeit eine zentrale Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der IWF Milliardenrettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal.

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