Ab 25 km/h: Ab auf die Straße
Ins Pedal treten und ohne große Anstrengung jeden Hügel hinaufdüsen: Elektrofahrräder sind eine tolle Sache für Hobbyradler. Distanzen von mehreren Dutzend Kilometern sind damit kein Problem mehr - solange eine Ladestation in Reichweite ist. So verlockend die teuren Bikes aber auch sind, Verkehrsexperten stellen sie derzeit noch vor große Herausforderungen.
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ORF.at/Sabine Koder
Elektrofahrräder auf dem Radweg sind umstritten
„Da gibt es leider noch viele offene Fragen“, sagte Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) im ORF.at-Interview. „Wir wissen derzeit noch nicht, wie sich die Elektrofahrräder auf die Sicherheit im Straßenverkehr auswirken.“ Derzeit liefen am KfV mehrere Studien zu den Folgen von E-Mobilität auf den Straßenverkehr. „Klarerweise wird es eher problematisch werden“, ist Robatsch jedoch überzeugt. Denn die Zahl der Radler mit elektrischem Antrieb nimmt rapide zu.
Derzeit gilt die Regelung: Jene elektrisch betriebenen Fahrräder, die schneller als 25 km/h fahren bzw. deren Leistung über 600 Watt liegt, dürfen nicht auf Radwegen fahren. Sie gelten bereits als Mopeds, müssen die Straße benützen und haben Helmpflicht. Für alle anderen gelten ausschließlich die rechtlichen Regeln für Fahrräder.
Es wird eng auf dem Radweg
Doch auch ohne die schnellen E-Flitzer wird es auf den Radwegen eng. „Es gibt oft zu wenig Platz“, so Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) gegenüber ORF.at. Denn durch die Elektroräder werde die Gruppe der Radfahrer jährlich größer. Ein entsprechender Vorschlag einer Expertengruppe, die Radwegebenützungspflicht aufzuheben, scheiterte bisher.
Je mehr motorisierte Fahrradfahrer auf Österreichs Radwegen und Straßen unterwegs sind, umso dringender stellt sich die Frage, ob die geltende Regelung Verkehrsteilnehmer ausreichend schützt.
15 Prozent Marktanteil erwartet
Im Vorjahr wurden laut Umweltministerium rund 20.000 E-Fahrräder in Österreich verkauft, nächstes Jahr sollen es laut VCÖ doppelt so viele sein. Der Marktanteil liegt derzeit bei vier Prozent, Experten sehen jedoch ein Marktpotenzial von bis zu 15 Prozent.
„Permanenter Rückenwind“ als Risikofaktor?
„Das wurde einmal festgelegt, und noch nicht überprüft“, sagte auch Robatsch. Der KfV überprüft nun, ob die Regeln sinnvoll sind. Denn auch wenn die Räder auf Radwegen nicht schneller als 25 km/h fahren, sind sie den klassischen Radfahrern doch etwa beim Bergauffahren um einiges voraus. „Wenn jemand mit 25 km/h bergauf fährt und nicht mit zehn km/h, dann ist das natürlich ganz was anderes“, gibt Robatsch zu bedenken.
Wichtige Fragen, die man versucht zu klären, sind laut Robatsch, wie sich die Beschleunigung und das Bremsverhalten bei motorisierten Rädern veränderten. „Man ist viel schneller unterwegs, und wenn man das gleiche Bremsverhalten hat, wird’s problematisch werden.“ Nicht ungefährlich ist aus seiner Sicht auch, dass viele, vor allem ältere Elektrofahrradfahrer bei quasi permanentem Rückenwind die höhere Geschwindigkeit unterschätzten und das eigene Können überschätzten, da sie den neuen Fahrstil nicht gewohnt seien.

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Neue Bedingungen benötigen neues Design.
Hält der Rahmen stand?
Nicht nur die Fahrer müssen umdenken, auch die Räder selbst müssen an die geänderten Bedingungen angepasst werden: Der Rahmen muss mehr Gewicht tragen und größere Geschwindigkeit aushalten, ebenso die Bremsen. Das Umrüsten klassischer Fahrräder sehen Experten deshalb als gefährlich an. In Deutschland etwa wurden bereits erste Crash-Tests durchgeführt, um zu überprüfen, wie sich Radstürze mit höheren Geschwindigkeiten auswirken.
PEDELEC vs. E-Bike
Im Bereich der Elektrofahrräder befindet sich vor allem das Pedal Electric Cycle (PEDELEC) seit mehreren Jahren auf dem Vormarsch. Im Gegensatz zu E-Bikes, bei denen man ähnlich wie bei einem Motorrad Gas gibt, schaltet sich bei ihnen der Motor nur dann zu, wenn die Pedale getreten werden. Der Kraftaufwand wird damit geringer.
Gesteigert wird das Gefahrenpotenzial zusätzlich durch längere Distanzen: Plötzlich gibt es größere Reichweiten - wer mehr fährt, riskiert auch mehr Unfälle. Überholt sind dann womöglich auch manche Verkehrsregeln - wie etwa Tempobestimmungen - auf Radwegen:
Ins Büro radeln ohne Schwitzen
Beliebt sind die E-Fahrräder nicht nur bei älteren Personen, die darin eine Möglichkeit sehen, Sport mit etwas Unterstützung zu betreiben. Sie werden auch für die Fahrt in die Arbeit genutzt. „Plötzlich kommt man nicht mehr verschwitzt im Büro an“, versucht Robatsch den Boom zu erklären. Hauptargument für ein E-Bike dürften wohl die viel größeren Reichweiten sein. Mittlerweile gibt es die Fahrräder aber nicht nur als klassische Citybikes, sondern etwa auch als Mountainbikes.
Was viele Interessierte jedoch vom Kauf eines solchen Fahrrads abschreckt, ist der hohe Preis. Zwischen 1.700 und 3.000 Euro kosten die motorisierten Fahrräder. Etwas günstiger werden sie durch Förderungen - sie betragen bis zu 400 Euro. Reagiert auf den Boom haben mittlerweile auch mehrere Versicherungsunternehmen. Sie bieten speziellen Versicherungsschutz für E-Fahrräder an - verpflichtend ist dieser jedoch (noch) nicht.
Petra Fleck, ORF.at
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