Augenzeugen berichten von Toten
Die blutigen Unruhen in Syrien dürften am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Laut Augenzeugen wurde ein Viertel in der Stadt Homs mit Artillerie und Panzern beschossen. Die Telefon- und Stromleitungen sind unterbrochen, Informationen dringen nur spärlich durch. Zudem dürften Dutzende Menschen bei Massenverhaftungen verschleppt worden sein.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Im arabischen TV-Sender al-Arabija und in den Internetforen der Opposition wird über Schüsse im Stadtviertel Baba Amro, in dem es in den vergangenen Wochen mehrfach Anti-Regime-Demonstrationen gegeben hatte, berichtet. Zum Teil seien die Soldaten bei ihrem Angriff auf Gegenwehr gestoßen, hieß es. Nach Beschuss eines Wohnviertels starben neun Menschen, zahlreiche weitere wurden verletzt, berichteten Menschenrechtsgruppen unter Berufung auf Ärzte, die provisorische Lazarette in Hinterhöfen einrichteten.
Laut Angaben eines Vertreters einer Menschenrechtsorganisation beschoss die Armee eine Wohngegend mit Panzern. „Homs bebt, überall sind Explosionen zu hören vom Beschuss durch Panzer sowie schweres Maschinengewehrfeuer“, sagte Nadschati Tajara. Mindestens drei Menschen sollen bei den jüngsten Angriffen ums Leben gekommen sein. „Die Stadt ist komplett eingekesselt, wir sind unter Beschuss“, sagte ein Einwohner der AP.
Regime verhaftete Dutzende „Terroristen“
Die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete unter Berufung auf einen Militärsprecher, am Vortag hätten die Sicherheitskräfte „Dutzende von Mitgliedern bewaffneter Terrorgruppen“ in der Umgebung von Homs festgenommen. Sie hätten außerdem Waffen, Autos und 150 Motorräder beschlagnahmt.
Auch in der ebenfalls von der Armee besetzten Stadt Banijas im Nordwesten Syriens setzten die Sicherheitskräfte ihre Suche nach Verantwortlichen für die Proteste fort, wie ein Menschenrechtsaktivist in London in einem Gespräch mit AFP sagte. Von 450 Festgenommenen seien 270 wieder freigelassen worden. Sie hätten jedoch schriftlich versichern müssen, sich nicht mehr an Protesten zu beteiligen, sagte der Aktivist.
TV-Hinweis
Das „Weltjournal“ widmet sich am Mittwoch um 22.30 Uhr in ORF2 den weltweiten Umstürzen - mehr dazu in tv.ORF.at.
Präsident will nicht aufgeben
Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen wurden seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad Mitte März mehrere hundert Menschen getötet. Die Armee geht mit Gewalt gegen die demonstrierenden Menschen vor und will die Proteste niederschlagen. Die Syrer wollen den Rücktritt Assads sowie mehr politische Freiheiten und ein Ende der Korruption in dem arabischen Land. Ein einflussreicher Cousin Assads sagte, die Familie des Präsidenten werde nicht aufgeben. „Wir werden hier ausharren. Wir nennen es einen Krieg ohne Ende.“
EU beschließt Sanktionen
Die Europäische Union hatte als Reaktion auf die Gewalt gegen Demonstranten in Syrien Sanktionen gegen 13 Regimegrößen verhängt. Präsident Assad ist nicht unter den Betroffenen, allerdings sein Bruder Maher, der eine führende Rolle im Sicherheitsapparat spielt.
Ban ruft Assad zu Ende der Gewalt auf
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Assad auf, die „Freiheitsforderungen“ der syrischen Bevölkerung ernst zu nehmen und die Gewalt in seinem Land zu beenden. Er habe die Forderung dem syrischen Präsidenten auch in mehreren persönlichen Gesprächen selbst übermittelt, sagte Ban vor Journalisten im schweizerischen Genf. Zugleich zeigte er sich enttäuscht, dass Assad nach wie vor keine humanitären Helfer der Vereinten Nationen in sein Land lasse. Diese würden „unparteiisch und unabhängig“ agieren, versprach Ban.
Links: