Themenüberblick

Was ist auf Bin Ladens Computer?

Bei der „Operation Geronimo“ ist den US-Elitesoldaten der Navy SEALs ein wahrer Schatz in die Hände gefallen. In dem Anwesen in Pakistan, in dem der getötete Terrorchef Osama bin Laden mit einem Teil seiner Familie gelebt hatte, wurden Computer und Festplatten sichergestellt, die nun wertvolle Informationen über die inneren Vorgänge von Al-Kaida liefern könnten.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Laut einem nicht namentlich genannten Informanten würden derzeit „Hunderte Menschen in Washington“ die Daten analysieren, die in der Nacht auf Montag in Bin Ladens Haus sichergestellt wurden. Aus dem Haus sollen mehrere Computer, tragbare Festplatten und weitere elektronische Geräte mitgenommen worden sein. „Das ist einfach großartig, auch wenn nur zehn Prozent davon verwertbar sind“, wird der Informant von der Website Politico zitiert.

Auch laut CBS News beschäftigen sich derzeit ganze Heerscharen von Computerexperten mit den Daten. Vor allem erhoffe man sich Hinweise, die bei der Enttarnung weiterer hochrangiger Al-Kaida-Mitglieder hilfreich sein könnten, sagte ein hoher Behördenvertreter gegenüber CBS. Nach dem Tod Bin Ladens wird nun vor allem sein Stellvertreter Aiman al-Sawahiri ins Visier genommen. „Sie haben Bin Laden geschnappt, aber nicht die Schlüssel zu seinem Königreich“, zitiert CBS einen Beamten.

Pakistanische Soldaten vor dem Gebäude in Abbottabad (Pakistan), in welchem Osama bin Laden getötet wurde.

Reuters/Faisal Mahmood

In dem Haus in der pakistanischen Stadt Abbottabad lebte Bin Laden.

In 38 Minuten rein und wieder raus

Am Montagabend wurden auch neue Details zur „Operation Geronimo“ bekannt. Laut Politico gerieten die US-Elitesoldaten unter Beschuss, als sie gerade auf dem Weg in den dritten Stock gewesen seien, wo Bin Laden schlief. Das Zusammentreffen mit Bin Laden selbst dauerte nur wenige Sekunden, bevor er durch einen Kopfschuss getötet wurde. Der gesamte Einsatz war darauf angelegt, nicht mehr als 30 Minuten zu dauern. Nach genau 38 Minuten hob der US-Helikopter mit dem toten Bin Laden an Bord von dem Grundstück ab.

Seit fünf Jahren in dem Haus gewohnt

Eher schockierend ist jedoch die Tatsache, dass Bin Laden seit fünf, sechs Jahren unbehelligt in dem Haus gewohnt haben dürfte, wie Anti-Terror-Chef John Brennan gegenüber CBS sagte. Er dürfte fast keinen Kontakt zur Außenwelt gehabt haben, dafür fanden hinter den Mauern rege Aktivitäten statt. „Wir wissen, dass er mehrere Video- und Audiofiles veröffentlicht hat. Wir wissen, dass er mit einigen hochrangigen Al-Kaida-Männern in Kontakt war“, sagte Brennan.

Ehefrau nicht als Schutzschild verwendet

Auch die Identität der Frau, die bei dem Einsatz erschossen wurde, dürfte geklärt sein. Es soll sich um Bin Ladens vierte Ehefrau gehandelt haben. Die Berichte, sie sei von ihrem Mann als Schutzschild verwendet worden, wurden später widerrufen. Vielmehr sei die Frau bei einem Schusswechsel in einem anderen Teil des Hauses getötet worden, sagte ein ranghoher Beamter im Weißen Haus. Die Frau, die bei Bin Laden geschlafen hatte, war bei dem Einsatz nur verletzt worden.

„Kill-Mission“ gegen Bin Laden?

Im Vordergrund der Aktion sei immer die Sicherheit der Einsatzkräfte gestanden, versicherte der Anti-Terror-Berater von US-Präsident Barack Obama, John Brennan, Montagabend. „Dem Präsidenten war es sehr wichtig, dass unser Personal geschützt wird“, sagte Brennan weiter. Der US-TV-Sender CNN berichtete dagegen unter Berufung auf offizielle Quellen, es habe sich bei der Aktion um eine „Kill-Mission“ gehandelt. Es sei „nicht geplant gewesen“, den meistgesuchten Terrorpaten der Welt festzunehmen.

U.S. Präsident Barack Obama beobachtet gemeinsam mit seinen MItarbeitern des Sicherheitsstabs via TV die "Operation Geronimo"

Reuters/Pete Souza

Obama während des Kampfeinsatzes im Krisenraum

„Wir haben ihn“

Der gesamte Einsatz wurde von den Spitzen der US-Regierung - Obama, Vizepräsident Joseph Biden, Außenministerin Hillary Clinton und mehreren Beratern - im Krisenraum des Weißen Hauses mitverfolgt. Laut „New York Times“ herrschte die meiste Zeit angespannte Ruhe. Obama habe „versteinert“ ausgesehen, so einer der Berater. Biden habe einen Rosenkranz in Händen gehalten. Die Minuten seien „wie Tage“ vergangen, so Brennan.

USA wollen Fotos veröffentlichen

Der Codename für Bin Laden habe „Geronimo“ gelautet. Obama und seine Berater hätten zugesehen, wie CIA-Chef Leon Panetta von der Geheimdienstzentrale am anderen Ufer des Potomac-Flusses aus geschildert habe, was sich in Pakistan gerade ereignete. „Sie haben das Ziel erreicht.“ Minuten später: „Wir haben Blickkontakt mit Geronimo.“ Und wieder einige Minuten später: „Geronimo EKIA.“ (EKIA steht für „Enemy killed in action“, Anm.) Obama habe schließlich die Stille im Krisenraum gebrochen und gesagt: „Wir haben ihn.“

Brennan deutete an, dass Fotos des getöteten Terroristenchefs veröffentlicht werden sollen. Die USA wollten sicherstellen, dass „niemand irgendeinen Grund hat zu leugnen, dass wir Osama bin Laden erwischt haben“. Allerdings brauche die Freigabe der Aufnahmen Zeit.

Links: