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Immer mehr verlieren Heim

Der Atomunfall in Japan vertreibt immer mehr Menschen aus ihren Heimatorten. Die Regierung in Tokio forderte rund 10.500 Bewohner mehrerer Städte am Freitag ultimativ auf, ihre Häuser wegen der Strahlengefahr bis Ende Mai zu räumen. Damit weitete sie die erst am Donnerstag eingerichtete 20-Kilometer-Sperrzone um die Atomruine von Fukushima faktisch aus.

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Dort mussten schon etwa 80.000 Überlebende des Tsunamis vor sechs Wochen vor der Radioaktivität fliehen. Regierungssprecher Yukio Edano sagte am Freitag, über die offizielle Sperrzone hinaus müssten auch die Bürger von Iitate, Katsurao, Namie und teilweise von Kawamata und Minamisoma ihre Häuser verlassen. Die Bewohner hätten bis Ende Mai Zeit, so Edano. Er begründete das mit der hohen radioaktiven Strahlung.

Fukushima offiziell abgeriegelt

Die Sperrzone trat um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft. Das Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern um das zerstörte Atomkraftwerk herum darf jetzt nur noch mit staatlicher Genehmigung betreten werden. Das Gebiet rund um Fukushima I ist damit offiziell abgeriegelt. Immer wieder waren Flüchtlinge trotz der akuten Gefahr durch radioaktive Strahlen auf eigene Faust in ihre Wohngebiete zurückgekehrt, um Habseligkeiten zu holen. Das wird jetzt nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung unter Auflagen möglich sein.

Schiffe und Container auf Strahlung untersucht

Unterdessen wird versucht, die japanische Wirtschaft weiter vor Schaden zu bewahren. Überseeschiffe und Container werden nun auf radioaktive Strahlen untersucht, um Befürchtungen im Ausland auszuräumen. Wie Transportminister Akihiro Ohata am Freitag bekanntgab, werde damit zunächst am Donnerstag kommender Woche in Tokio sowie den benachbarten Großhäfen Kawasaki und Yokohama begonnen.

Weitere Häfen würden je nach Bedarf hinzukommen. Hafenbeamte werden die Schiffe mit tragbaren Messinstrumenten überprüfen und anschließend Zertifikate mit den Daten ausstellen. Auch das Meerwasser, das zur Stabilisierung zugeladen wird, werde auf Strahlung untersucht, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo weiter.

Im Ausland gibt es angesichts des Unfalls im Kernkraftwerk Fukushima I Befürchtungen wegen Strahlen aus Japan. So hatte auch die EU-Kommission kürzlich gefordert, dass die EU-Staaten in ihren Häfen Schiffe aus Japan auf radioaktive Strahlung untersuchen sollen.

Bei Verstrahlung „Alteisen“

Einmal verstrahlte Schiffe seien praktisch Alteisen, zitierte die „New York Times“ Basil M. Karatzas, Direktor für Projekte und Finanzen bei Compass Maritime Services in New Jersey. Der Grund: Die Container würden auf Jahre in jedem Hafen gesonderte Kontrollen durchlaufen müssen und das kostet Zeit – etwas, das Frachtgesellschaften meist nicht haben. Pläne würden durcheinanderkommen, Auftraggeber die Schiffe betroffener Gesellschaften daher meiden.

Stichproben bei Exportwägen

Auch die japanische Autoindustrie will nun ihre Exportautos vor dem Verschiffen ins Ausland auf Radioaktivität messen, wie das „Handelsblatt“ (Freitag-Ausgabe) meldete. Befürchtungen ausländischer Kunden vor Verstrahlung sollen damit zerstreut werden, zitiert die Zeitung Hirokazu Furukawa, einen Sprecher des Verbandes japanischer Automobilhersteller. Geprüft würden das Wageninnere und die Reifen vor der Verladung, hieß es weiter. Die Messungen werden allerdings nur stichprobenartig durchgeführt. Zehn von jeweils 5.000 Wägen würden überprüft.

Sonderetat für Wiederaufbau

Unterdessen will die Regierung mit einem milliardenschweren Sonderhaushalt den Wiederaufbau nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe finanzieren. Das Kabinett von Ministerpräsident Naoto Kan einigte sich am Freitag auf einen Etatentwurf über 4,02 Billionen Yen (33,4 Mrd. Euro).

Der neue Etatentwurf soll am Donnerstag dem Parlament vorgelegt und voraussichtlich am 2. Mai verabschiedet werden, wie japanische Medien berichteten. Damit soll unter anderem die Beseitigung von Trümmern, der Wiederaufbau von Straßen und Häfen sowie die Errichtung von Behelfshäusern finanziert werden, hieß es.

„Erster Schritt für Neuanfang“

Um die ohnehin schon maroden Staatsfinanzen nicht noch weiter durch neue Staatsanleihen zu belasten, werden zur Finanzierung des Nachtragshaushalts unter anderem zuvor geplante Ausgaben wie die Erhöhung des Kindergeldes gestrichen. Einige Politiker halten allerdings weitere Nachtragshaushalte für erforderlich. Am Ende könnten sich die Kosten auf über zehn Billionen Yen summieren, hieß es.

Japan hat unter allen Industrieländern die höchsten Staatsschulden, die sich inzwischen auf rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen. „Wir werden keine neuen Staatsanleihen auflegen“, sagte Finanzminister Yoshihiko Noda. Seine Regierung halte trotz der größten Katastrophe, die das Land nach Worten Kans seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt, an ihrer Fiskaldisziplin fest. Das sei „der erste Schritt“, den Japan für seinen „Neuanfang“ unternehme.

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